Viele fühlen sich nachts im Zentrum unsicher

Nur ein diffuses Gefühl oder doch Realität? Einer nicht repräsentativen Umfrage im sozialen Netzwerk Facebook zufolge fühlen sich viele Iserlohner nachts in der Innenstadt
Nur ein diffuses Gefühl oder doch Realität? Einer nicht repräsentativen Umfrage im sozialen Netzwerk Facebook zufolge fühlen sich viele Iserlohner nachts in der Innenstadt
Foto: Michael May IKZ
Was wir bereits wissen
Die Polizei gibt Ratschläge zu richtigem Verhalten im Ernstfall und ruft die Bürger auf, jeden Vorfall zu melden

Iserlohn..  „Sicher in Iserlohn? – finde den Fehler.“ „Ich wohne in der Fußgänger-Zone, und man muss sich abends beziehungsweise nachts viel gefallen lassen.“ „Abends alleine weggehen zu Fuß würde ich nicht mehr machen.“ „Ich kenne vier Personen, die alleine 2014 in Iserlohn nachts überfallen wurden.“

Dagegen steht: „Ich fühle mich sicher.“ „Mir ist abends in der Innenstadt noch nie etwas passiert.“

Stimmungsbild ist eindeutig aber nicht repräsentativ

So oder so ähnlich klingen viele der Kommentare von Iserlohner Bürgern, die derzeit auf Präsenz der Heimatzeitung im sozialen Netzwerk Facebook über das Thema Sicherheit in der Nacht im Bereich Innenstadt/Fußgängerzone diskutieren. Anlass war der Hinweis eines Facebook-Nutzers, den ein Unbekannter am vergangenen Wochenende versucht hatte, vor dem Alten Rathaus auszurauben, worauf der junge Mann die Flucht ergriff.

Sicher ist das sich auf Facebook abzeichnende negative Stimmungsbild nicht repräsentativ. Dennoch wirft die Diskussion Fragen auf: Gibt es eine Häufung von Übergriffen und Straftaten im Innenstadtbereich? Oder handelt es sich hier nur um persönliche Eindrücke? Und wie sollen sich Bürger im Ernstfall verhalten.

Laut Angaben der Polizei des Märkischen Kreises lässt sich im Innenstadtbereich kein Anstieg von Kriminalität verzeichnen. Aber: „Wir können nur den Fällen nachgehen, die tatsächlich gemeldet werden“, sagt Pressesprecher Dietmar Boronowski. Seine Empfehlung daher: „Die Bürger sollten jeden Vorfall melden. Wenn ein Kriminalitätsschwerpunkt besteht, wird dort vermehrt kontrolliert.“

Wie aber sollen sich Bürger verhalten, wenn ihnen gedroht wird, man versucht, sie auszurauben, oder sie beobachten, wie dies anderen widerfährt?

Antworten gibt etwa die Polizei-Initiative „Tu-was“, auf deren gleichnamiger Internetseite Info-Material zum kostenlosen Download bereitsteht. Kernaussage: nicht wegschauen, Hilfe leisten.

„Wir alle sind schon von Gesetzes wegen verpflichtet, bei einer Straftat im Rahmen unserer Möglichkeiten einzugreifen“, heißt es da. „Abzuwarten, bis Dritte helfen, nützt nur den Tätern.“

Konkret zu beachten seien folgende Aspekte: „Manchmal hilft schon ein lautes Wort, um den Täter einzuschüchtern und von seinem Vorhaben abzubringen. (...) Niemand erwartet, dass Sie Ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen. (...) Es gibt Situationen, in denen die Täter offensichtlich stärker und zu jeder Art von Gewalt bereit sind. Wegsehen oder weglaufen aber ist keine Lösung: Suchen Sie Mitstreiter und verständigen Sie die Polizei. Achten Sie auf räumliche Distanz zum Täter und sprechen Sie das Opfer an: ,Kommen Sie her zu uns, wir helfen Ihnen!“

Wichtig auch: „Duzen“ Sie den Täter nicht, denn sonst könnten Passanten einen rein persönlichen Konflikt vermuten.“ Und weiter: „Machen Sie andere gezielt auf das Verbrechen aufmerksam. Einer direkten Ansprache kann sich niemand entziehen.“

Wenn jedoch ein Verbrechen schon begangen wurde, lautet die Empfehlung, die Polizei zu rufen, sich Fluchtrichtung und Auffälligkeiten der Täter zu notieren oder einzuprägen und den Opfern gegebenenfalls Erste Hilfe zu leisten. „Viele Täter kommen davon, weil sich Zeugen nicht bei der Polizei melden.“

Laut der letzten verfügbaren Polizeistatistik haben die Straftaten von 2012 auf 2013 insgesamt leicht abgenommen (2012: 7110; 2013: 7067). Der Rückgang bei Raubdelikten betrug im selben Zeitraum 15 Prozent, bei Gewaltkriminalität 21 Prozent.

Kein Beleg für ansteigende Kriminalität in Innenstadt

In der Tat lässt sich also nicht belegen, dass sich in der Iserlohner Innenstadt die Fälle gehäuft haben. Ein Nutzer äußert die Vermutung, dass es sich bei den in der aktuellen Diskussion geäußerten Eindrücken eher um „gefühlte“ handelt: „Wir erfahren heute (auch dank Social Media) von Einzelfällen, die es früher auch gab, die aber nicht öffentlich wurden und nicht so stark diskutiert wurden. Wir sehen mehr Kriminalität. Aber gibt es auch mehr?“