Viel erreicht in einem Jahr

Julia Niedermark (Drobs) und Uwe Browatzki (Caritas) sind seit fast einem Jahr als Streetworker in der Südlichen Innenstadt unterwegs.
Julia Niedermark (Drobs) und Uwe Browatzki (Caritas) sind seit fast einem Jahr als Streetworker in der Südlichen Innenstadt unterwegs.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Die beiden Streetworker Julia Niedermark und Uwe Browatzki wollen an ihre Erfolge anknüpfen.

Iserlohn..  Vertrauen. Das Wort fällt an diesem Nachmittag immer wieder. Und zwar im Sozialzentrum „Lichtblick“, wo Julia Niedermark und Uwe Browatzki zu den Stammgästen gehören. Schließlich dient die Einrichtung für Menschen mit vielfältigsten Schwierigkeiten als erste Anlaufstelle und Treffpunkt. Das nutzen die Quartierslotsen oder besser Streetworker, um mit bereits vorhandenen oder auch mit künftigen Klienten ins Gespräch zu kommen.

Vor knapp einem Jahr, im Februar 2014, startete das Projekt „Quartiers-Sozialarbeit/-Lotsenarbeit für Erwachsene in der Südlichen Innenstadt/Obere Mühle/Fritz-Kühn-Platz“ beim Iserlohner Caritas-Verband und der Anonymen Drogenberatung (Drobs), Kooperationspartner ist die Stadt Iserlohn. Eingerichtet wurde das Ganze, so heißt es in der Beschreibung, weil am Fritz-Kühn-Platz „eine Konzentration von Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten zu verzeichnen“ sei. Zur Entschärfung dieser Problematiken im gesamten Quartier und insbesondere auf dem Fritz-Kühn-Platz hat der Sozialausschuss der Stadt die Einrichtung einer aufsuchenden Sozialarbeit (Streetwork) beschlossen.

Viel Zeit in das Knüpfenvon Kontakten investiert

„Ich hätte nicht gedacht, in so kurzer Zeit zu vielen Menschen ein so großes Vertrauensverhältnis aufbauen zu können“, sagt Browatzki. Julia Niedermark und er haben die ersten Wochen nach ihrem Start dafür verwandt, um sich und ihre Arbeit zunächst einmal im Viertel bekannt zu machen. Nicht nur bei Ämtern, Institutionen, Behörden, Vereinen und Einrichtungen, sondern insbesondere bei den potenziellen Klienten. Derzeit sind es 60 Frauen und Männer im Alter ab 18 bis über 60 Jahre. Deren Pro­bleme sind vielschichtig, reichen von der Drogenabhängigkeit und der Alkoholkrankheit über den Verlust eines geliebten Menschen oder die Arbeitslosigkeit bis hin zur Wohnungslosigkeit. Julia Niedermark sagt: „Wir sehen in unserer Arbeit, dass in der Südlichen Innenstadt Verelendung stattfindet, und das nicht nur bei Älteren.“ So hat das Streetworker-Team bereits Einblicke in Wohnungen bekommen, die der „Otto-Normalverbraucher“ als solche nicht mehr bezeichnen würde.

Nicht nur der Einlass in die eigenen vier Wände der Klienten ist aus Sicht der beiden ein großer Vertrauensbeweis. „Einige unserer Klienten geben uns ihr gesamtes Bargeld oder sogar EC-Karte nebst PIN, damit wir es für sie verwalten und einteilen“, so Browatzki. Sechs ihrer Schützlinge konnten er und Julia Niedermark bereits in Therapien und/oder Entgiftungsstationen vermitteln. „Nach einem guten Jahr kennen wir alle, können anknüpfen beziehungsweise anfangen, Hilfen aufzuzeigen. Denn nun wissen wir, welche Methoden bei wem funktionieren“, so die Drobs-Mitarbeiterin.

Die meisten Gespräche führt das Team auf der Straße und im „Lichtblick“. Auch die „Werkstatt im Hinterhof“ ist ein wichtiger Anlaufpunkt. Daher sind die Streetworker umso gespannter auf deren Umzug – ebenso wie auf Veränderungen generell im Viertel.

Das Angebot von Julia Niedermark und Uwe Browatzki, mit den Anwohnern aus der Südlichen Innenstadt ins Gespräch zu kommen oder einen Rundgang zu deren Angsträumen zu unternehmen, wurde bisher nicht angenommen. Für das kommende Jahr – so lange läuft das Projekt vorerst – wollen die beiden den Kontakt intensivieren.