„Vertrauen in Polizei ist erschüttert“

Die Rentnerin Ursula Everding und Chefarzt Dr. Axel Bünemann im St.-Elisabeth-Hospital.
Die Rentnerin Ursula Everding und Chefarzt Dr. Axel Bünemann im St.-Elisabeth-Hospital.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Nach Stress mit der Polizei landete eine 77-jährige Seniorin auf der Polizeiwache und später im St. Elisabeth-Hospital.

Iserlohn/Sümmern..  „Die Polizei – Dein Freund und Helfer“, dieses geflügelte Wort empfindet die Seniorin Ursula Everding seit Montag als Lachnummer. Vor allem, wenn sie den Artikel in unserer Dienstagsausgabe vor Augen hat, in dem über den ungewöhnlichen Polizei-Einsatz bei der Rettung eines verletzten Erpels berichtetet worden war.

Was die Frau am Montag erlebte, ist für sie an Absurdität kaum zu überbieten und brachte ihr zudem einen kurzfristigen Besuch in der Polizeiwache sowie einen zweitägigen Aufenthalt im St.-Elisabeth-Hospital ein. Und den mutmaßlich beteiligten Polizeikräften eine Klage vor dem Verwaltungsgericht Arnsberg, Strafanzeigen sowie Dienst- und Fachaufsichtsbeschwerden an die Polizei, erstattet von der Tochter der Ursula Everding, die eine Rechtsanwaltskanzlei in Essen führt.

Rentnerin fühlte sich wie Verbrecherin behandelt

Zur Vorgeschichte: Die 77-jährige Rentnerin lebt in der Seniorenwohnanlage an der Dahlbreite und wollte am Montagnachmittag zu einem Spaziergang aufbrechen, als am gegenüberliegenden Altenheim der Feuermelder losging. Sie wollte in der Seniorenresidenz darauf hinweisen, fand aber Niemanden im Eingangsbereich. Auch auf der Straße nicht, wo sie ebenfalls nach Hilfe suchte. Unterdessen waren aber bereits Polizei und Feuerwehr am Einsatzort aufgefahren, die das Feuer schnell im Griff hatten.

Während des Feuerwehreinsatzes geriet Ursula Everding dann mit zwei Polizistinnen aneinander, weil sie sich nicht ausweisen konnte. „Ich hatte eine Polizistin angesprochen und gefragt, wo es brennt?“ Die Polizistin habe sie jedoch beiseite geschubst und ihr einen Platzverweis erteilt. „Ich bin doch kein Hund“, ärgert sich die Seniorin über den rüden Ton. „Ich deutete auf meine Wohnung und teilte mit, dass mein Ausweis dort liegt. Das interessierte die Beamtin nicht.“ Vielmehr habe sie der alten Dame ihren Hüftbeutel mit dem Haustürschlüssel, einer kleinen Flasche Mineralwasser, dem Handy und zwei Euro abgenommen. „Ich bin Schlaganfallpatientin und Diabetikerin und habe auf meinen Gesundheitszustand hingewiesen, aber habe mein Wasser nicht zurückbekommen.“

Die Polizistin hielt die Seniorin, so ihre Schilderung gegenüber der Heimatzeitung, eine Stunde lang fest und nahm sie zur Feststellung der Personalien mit auf die Polizeiwache, wo man ihr weiterhin ihr Getränk verweigerte: „Ich kam mir vor wie eine Schwerverbrecherin. Meine Strafanzeige gegen die Polizeibeamtin wegen unterlassener Hilfeleistung wurde nicht aufgenommen.“

Nach Angabe der Personalien sei sie schließlich mit Wortfindungsstörungen und lediglich zwei Euro entlassen worden. „Ein Busticket nach Sümmern kostet 2,60 Euro. Ich wusste nicht, wie ich nach Hause kommen sollte und war völlig fertig, habe dann meine Tochter in Essen angerufen, die veranlasste, dass mein Sohn mich abholte.“ Abends musste der alarmierte Notarzt die Seniorin mit offenbar stressbedingten Beschwerden ins Krankenhaus bringen.

Polizei dementiert die Darstellungen der Seniorin

Polizeisprecher Dietmar Boronowski erklärte am Mittwochnachmittag auf Anfrage unserer Zeitung lediglich: „Die Schilderungen entsprechen so nicht der Wahrheit. Nach unseren Erkenntnissen hat sich das so nicht abgespielt.“ Wie, das führte er nicht weiter aus.

Sandra Everding, Tochter der Seniorin, hat Strafanzeigen erstattet und Dienst- und Fachaufsichtsbeschwerden erhoben. Die Fachanwältin für Sozialrecht erklärte: „Mein Vertrauen in die Polizei ist erschüttert.“