Verschlechterungen beim ärztlichen Notdienst?
16.02.2010 | 17:44 Uhr 2010-02-16T17:44:00+0100
Iserlohn. Beim ärztlichen Notdienst steht 2011 für die heimische Region eine grundsätzliche Änderung ins Haus. Der Ärztemangel in ländlicheren Regionen führt dazu, dass der Notdienst größerflächig organisiert werden soll. Darauf macht Rene Rose, 1. Vorsitzender des Ärztevereins Iserlohn, aufmerksam.
Herrscher des Verfahrens ist die kassenärztliche Vereinigung. Nach derzeitigem Stand, so Rose, ist es angedacht, dass die Städte Iserlohn (mit Letmathe), Hemer, Menden und Balve ab 2011 den Notdienst gemeinsam organisieren werden. Hintergrund: In Balve etwa ist die Ärztedichte mittlerweile so gering, dass es den dortigen Kollegen nicht mehr möglich sei, im Rahmen einer zumutbaren Arbeitsbelastung einen eigenen Notdienst für ihr Gebiet zu organisieren.
Für diesen Umstand zeigt Rene Rose auch durchaus Verständnis. Gleichwohl sieht er zusätzliche Belastungen auf sich und seine Kollegen zukommen. Und auch auf Patientenseite rechnet er mit Verschlechterungen.
Zum Ist-Zustand: Derzeit versieht in Iserlohn (ohne Letmathe) in Tag- und Nachtdienst aufgeteilt jeweils ein Arzt von Mittwoch, 13 Uhr, bis Donnerstag, 8 Uhr, und von Samstag, 8 Uhr bis Montag acht Uhr Notdienst, dazu kommen Feiertage. In diesen Zeiten ist der Arzt entweder in der Notfall-Praxis im St.-Elisabeth-Hospital anwesend, um mobile Patienten zu behandeln, oder unterwegs zu Hausbesuchen, um immobile Patienten zu versorgen. An den übrigen Tagen ist nach Praxisschluss zunächst der Hausarzt erster Ansprechpartner. In Iserlohn steht für die Notdienste ein Pool von 80 bis 90 Ärzten zur Verfügung. In Letmathe hat jeweils ein Arzt Notdienst, er behandelt in seiner Praxis oder ist unterwegs zu Hausbesuchen. Hier sind etwa 20 bis 30 Ärzte im Pool.
Zusammen mit Hemer, Menden und Balve sind derzeit also jeweils fünf Ärzte im Notdienst. Künftig, so Rene Rose, dürften es in dem Gebiet nur noch drei Ärzte sein. Ein Arzt besetzt die Notfall-Praxis, ein Arzt ist unterwegs zu Hausbesuchen und ein Arzt hält sich als „Back-Up” für besondere Fälle bereit. Allein an diesen Zahlen, so Rose, werde schon deutlich, dass sich Patienten auf längere Wartezeiten einrichten müssten. Derzeit sei es in Iserlohn das Ziel, dass ein Patient nach einem Anruf im Schnitt binnen einer Stunde einen Arzt zu Gesicht bekommt. Künftig, so schätzt Rose, könnten es drei bis vier Stunden sein. Vor diesem Hintergrund sei es dann nicht auszuschließen, dass sich Patienten nicht an den ärztlichen Notdienst wenden, sondern direkt ein örtliches Krankenhaus aufsuchen. Daran hätten die wiederum kein Interesse, da sie für solche ambulante Behandlungen bei Kassenpatienten keinen Cent sehen würden.
Die räumliche Zuständigkeit ist aber nur eine Seite der Medaille. Angedacht ist es weiterhin, die Geltungsdauer für den ärztlichen Notdienst nicht mehr auf den Zeitraum von Mittwochnachmittag bis Donnerstagmorgen sowie an Wochenenden und Feiertagen zu beschränken, sondern auf alle sieben Wochentage auszudehnen. Das hört sich für die Patientenseite ja zunächst Mal nach einem Vorteil an. Der Vorsitzende des Ärztevereins Iserlohn hat aber auch hier Bedenken. Rose nennt folgendes Beispiel: Ein Patient ist nachmittags bei seinem Hausarzt in Behandlung und hat am Abend eine ergänzende und vielleicht sogar leicht auszuräumende Frage. Ansprechpartner am Abend wäre dann aber nicht mehr der Hausarzt, sondern der Notdienst - und zwar zunächst in Form eines mehr oder minder anonymen „Call-Centers.” Dort werde dann bei Null angefangen und möglicherweise ein Arztbesuch notwendig, wo es sonst das Telefonat mit dem Hausarzt getan hätte. Die Belastung für die Kollegen im Notdienst könnte zudem so groß sein, dass sie nicht in der Lage seien, am Folgetag in ihrer Praxis zu arbeiten.
Noch nicht klar ist es, wo am Ende die eine Notfallpraxis für die genannten Städte angesiedelt wird. Für Rene Rose spricht fast alles dafür, die Praxis im St. Elisabeth-Hospital beizubehalten, die sich über viele Jahre etabliert habe. Zudem sei Iserlohn mit Abstand die einwohnerstärkste Stadt. Genannt wurde offenbar aber auch Hemer als Standort - wegen der geographischen Mitte im Zuständigkeitsbereich. Die Kassenärztliche Vereinigung, so Rose, habe sich hier noch nicht genauer geäußert, auch nicht dazu, ob gegebenenfalls noch weitere Städte oder Gemeinden mit ins Boot gesetzt werden.
Zur Klarstellung: Der ärztliche Notdienst darf nicht mit den Notärzten verwechselt werden, die die Rettungsdienste begleiten, um schwere Notfälle zu versorgen. Aber auch in diesem Bereich, so Rose, falle es zunehmend schwerer, die Dienste zu organisieren.
11:53
Meine Krankenkasse nimmt KEINEN Zusatzbeitrag!!!
13:22
und nu sollen auch noch die ärzte aus hemer...menden...balve wahrscheinlich bis nach iserlohn zum elisabeth hospital fahren nur weil dort die notfallpraxis in dern räumlichkeiten ist. in menden macht jeder arzt seinen notdienst in seiner eigenen praxis was ich tausend mal besser finde. wenn z.b. ein patient freitags wegen einer erkrankung bei seinem hausarzt war und der hausarzt ihn samstag noch mal in die notdienstsprechstunde bestellt soll der dann von balve oder menden bis nach iserlohn fahren?? das kanns ja nicht sein!
13:15
da des deutschen liebstes hobby zum arzt gehen ist....ist es natürlich absolut wichtig den ärztlichen notdienst zu verändern.
klar die ärztliche versorgung muss auch am wochenende feiertagen und mittwochs nachmittag gesichert sein aber ich denke das es so wie es ist ausreichend ist...die ambulanzen in den krankenhäusern sind schließlich auch noch da.
ich arbeite in einer arztpraxis und sehe an feiertagen am wochenende und auch mittwochs nachmittags mit was für lapalien die leute den notdienst aufsuchen. und wie man am beispiel in diesem artikel sieht ist es ja auch so.
Beispiel:Ein Patient ist nachmittags bei seinem Hausarzt in Behandlung und hat am Abend eine ergänzende und vielleicht sogar leicht auszuräumende Frage. die meisten ärzte haben bis 18.00 geöffnet da sollte es doch möglich sein wenn der patient morgens beim arzt war bis zu der zeit seine frage an den hausarzt gestellt zu haben...so etwas gehört für mich nicht in den NOTdienst.
21:11
Es wird immer schlimmer. Aber Hauptsache, wir zahlen zukünftig an unsere Krankenkassen einen monatlichen Zusatzbeitrag von 8,00 Euro. Dafür bekommen wir im Gegenzug immer weniger Leistungen. Prima!