Verlockungen lauern an beinahe jeder Ecke

Medienreferent Johannes Wentzel schärfte den Achtklässlern das Bewusstsein für den Umgang mit Computern und dem Internet.
Medienreferent Johannes Wentzel schärfte den Achtklässlern das Bewusstsein für den Umgang mit Computern und dem Internet.
Foto: IKZ

Iserlohn..  Ist Lisa etwa betrunken? Die Achtklässlerin der Gesamtschule Iserlohn torkelt durch den Klassenraum und versucht dann, den Schlüssel, den sie in der Hand hält, ins Schlüsselloch zu stecken. Das gelingt, aber nicht auf anhieb.

Lisa war natürlich nicht alkoholisiert. Eine Spezialbrille, die sie sich für den simulierten Heimweg nach einem feucht-fröhlichen Abend auf die Nase gesetzt hat, täuschte ihr dennoch einen Alkoholgehalt von 1,3 Promille vor. Ihre Mitschülerin Dana berichtet: „Der Gang wird sofort ziemlich wackelig. Geradeauslaufen ist kaum möglich und den Schlüssel ins Schlüsselloch zu bekommen, ist ganz schön kompliziert.“

Experten weisen Schülerauf Folgen und Gefahren hin

Diese Promillebrille stammt aus René Sadowskis Alkohol-Methodenkoffer von der anonymen Drogenberatung Iserlohn. Er war einer von vier Experten, den die Schule mit Unterstützung der Barmer-Ersatzkasse zu ihrer „Antisuchtwoche“ an die Langerfeldstraße eingeladen hat, die am Montag gestartet ist. Dass sich überwiegend 14 und 15 Jahre alte Schüler vorbeugend mit der Drogenproblematik auseinandersetzen, hat an den Schulen im gesamten Land Tradition. Für das Thema Prävention lud Roman Koszny, Diplom-Sozialpädagoge der Gesamtschule, den Kriminalhauptkommissar Uwe Kunold von der Kreispolizei ein. Die Schule definiert den Gefahrenhorizont aber weiter. Sucht ist ein weiterer Schwerpunkt, dazu gehören auch Essstörungen. Zu diesem Klassiker-Thema gab die Diplom-Heilpädagogin Brigitte Laage Auskunft.

Der vierte Experte im Bunde, der für jeweils zwei Stunden eine achte Klasse bei sich hatte, war der Münsteraner Medienreferent Johannes Wentzel. „Computer- und Online-Sucht“ lautete sein Thema. Er konnte den Hebel an ganz anderer Stelle ansetzen, als die meisten anderen Referenten. Denn während – wenn überhaupt – nur ein geringer Teil der Schüler bereits Erfahrungen mit illegalen Drogen oder Alkohol gemacht hat, sind sie in Sachen Medienkonsum Experten in eigener Sache. „Ich bin nicht hier um zu sagen, dass Internet und Smartphone doof sind. Ich versuche, das Bewusstsein dafür zu stärken. Die Schüler haben Ahnung und wissen Bescheid, haben auch schon ein Problembewusstsein entwickelt.“

Erkennen und handeln, wenn etwas aus dem Ruder läuft

Trotzdem haben ein paar Tipps natürlich nicht geschadet. Wenn Mitschüler plötzlich ihr Verhalten ändern, sich abkapseln, dann habe das möglicherweise mit einem ausufernden Medienkonsum zu tun. Roman Koszny würde dieses gerne weiterhin auf der Tagesordnung der Gesamtschule sehen. „Woanders gibt es ausgebildete Medienscouts, die würde ich auch gerne bei uns sehen, aber beim Land, das die Ausbildung damals finanziert hat, heißt es, es gebe im Moment kein Geld.“ Umso wichtiger war es, dass den Achtklässlern im Rahmen dieser Themenwoche vor Augen geführt wurden, wo Gefahren lauern und welche Auswirkungen falsche Neugier haben kann.