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Verdruss über „unsere Spielstraße“

09.08.2012 | 16:58 Uhr
Verdruss über „unsere Spielstraße“

Iserlohn.  Anwohner, Ladeninhaber und Kunden machen mobil gegen die Zunahme der Wettbüros und Spielhallen in der Friedrichstraße. „Diese Dinger schießen wie Pilze aus dem Boden“, klagte ein Kaufmann am Mittwochabend stellvertretend für viele seiner Kolleginnen und Kollegen bei einem Gespräch mit Vertretern der SPD, die das Thema auf die politische Tagesordnung setzen möchte.

Anwohner, Ladeninhaber und Kunden machen mobil gegen die Zunahme der Wettbüros und Spielhallen in der Friedrichstraße. „Diese Dinger schießen wie Pilze aus dem Boden“, klagte ein Kaufmann am Mittwochabend stellvertretend für viele seiner Kolleginnen und Kollegen bei einem Gespräch mit Vertretern der SPD, die das Thema auf die politische Tagesordnung setzen möchte (wir berichteten). Gesprächsbedarf besteht ganz offensichtlich, zumal den SPD-Ratsleuten Michael Hufnagel und Mike Janke in der Gaststätte Wolters eine Liste mit 400 Unterschriften präsentiert wurde, deren Unterzeichner sich gegen die Ansiedlung weiterer Einrichtungen aussprechen.

Durch die Vergnügungsetablissements und ihr zum Teil zwielichtiges Publikum, so die Befürchtung, werde die einst so beliebte Einkaufsstraße immer unattraktiver. SPD-Fraktionsvorsitzender Janke erkannte gar einen gesamtstädtischen Zusammenhang: „In dieser Geschäftsstraße findet eine Entwicklung statt, die von einem Großteil der Bevölkerung nicht gewünscht wird.“ Mittlerweile haben sich in der Friedrichstraße, „unserer Spielstraße“, wie sie ein Geschäftsmann mit leicht sarkastischem Unterton nannte, zumindest zehn Hallen und Büros angesiedelt. Und die nächsten Interessenten stehen schon auf der Matte. „Neulich stand ein gut gekleideter Mann bei mir im Geschäft und hat gefragt, ob ich ihm den Laden nicht vermieten möchte, weil er gerne ein Wettbüro eröffnen würde“, berichtete eine Einzelhändlerin.

In der Nachbarschaft gibt es zudem Gerüchte, das auch das Lokal eines ansässigen Schuhgeschäftes schon bald zur nächsten Anlaufstelle für Zocker wird. Der Bedarf ist trotz des reichhaltigen Angebots offenbar noch nicht gedeckt.

Kein Bauchgefühl

Dass die Attraktivität der Friedrichstraße unter den Ansiedlungen leidet, ist derweil kein Bauchgefühl der Klageführer. „Unsere Kunden, insbesondere die älteren Jahrgänge, teilen uns das ganz unmissverständlich mit, dass sie sich hier nicht mehr wohl fühlen, teils sogar verängstigt sind. Und auch die Laufkundschaft wird immer weniger“, klagt eine Dienstleisterin, dass die vor den Spieletablissements stehenden Pulks von zumeist jungen Männern durchaus abschreckende Wirkung haben, zumal auch außerhalb der Hallen und der Büros offenbar allerlei Geschäfte vom Handy- und Jeans-Verkauf unter der Hand bis zur Geldwechselei. „Wir beobachten sogar, dass Kinder den Besuchern der Büros Geld geben, um Wetten abzuschließen.“

Hinzu komme das chaotische Parkverhalten rund um die Vergnügungsstätten und die extrem rücksichtslose Fahrweise einiger Besucher, die das Gaspedal im Tempo-20-Bereich gerne auch bis auf das Bodenblech durchdrücken. „Das Ordnungsamt aber macht nichts dagegen“, klagt eine andere Händlerin über eine eher stiefmütterliche Behandlung durch die Kommune. Auch die Polizei, so der Eindruck, lässt es an der Friedrichstraße an Präsenz vermissen.

Für die SPD ergibt sich aus den Beschwerden und Hinweisen ein ganz klarer ordnungs- und planungspolitischer Auftrag, betonte schließlich Mike Janke, bei dem es nicht nur um die eingesessenen Geschäfte, sondern auch die Lebensqualität der Anwohner insgesamt gehe.

Im nächsten Planungsausschuss, der am 20. September öffentlich im Rathaus tagt, soll die Verwaltung zunächst aufzeigen, welche Möglichkeiten das Baurecht bietet, die Entwicklung umzukehren oder aber zumindest weitere Ansiedlungen zu verhindern. Darüber hinaus gelte es, die Problematik im Gesamtzusammenhang zu betrachten und dabei auch die verheerenden persönlichen Folgen von Spielsucht oder auch mögliche kriminelle Aktivitäten rund um die Zockerstätten zu thematisieren.

Thomas Pütter



Kommentare
14.08.2012
10:47
Verdruss über „unsere Spielstraße“
von Wettbewerber65 | #2

Die Zahl der Spielhallen hat sich seit 1989 verringert von 28 auf 20 Filialen (Quelle: Landesfachstelle Glückspielsucht NRW) Von "Pilze aus dem Boden" kann hier keine Rede sein. Die Wettbüros in Deutschland habe keine Konzession und werden von den Städten nur geduldet. Leider ist das Land NRW in in der Lage dieses Problem zu regeln. Nur Schleswig Holtstein hat hier ein realistisches Gesetz. Jedoch haben diese Wettbüros keine Geeignetheitsbestätigung der Stadt und dürften somit keine Automaten aufstellen. Ohne die Geldspielgeräte könnten diese nicht existieren und müssten schließen. Es liegt also allein an der Stadt und am Passivverhalten des Ordnungsamtes, das es zu diesen Auswüchsen kam. Aber dadür ist es nicht zu spät, die Ordnungsbehörden brauchen nur aufzuwachen.

10.08.2012
19:19
Verdruss über „unsere Spielstraße“
von Emerald | #1

Ich finde es gar nicht schön wie sich das Geschäftsbild auf der Friedrichstrasse negativ entwickelt hat. Ich habe es schon auf meinem letzten Besuch in meiner geliebten Heimatstadt festgestellt. Die Gegend war ein Teil meiner Kindheit. Sehr schade wie uneinladend es seit einiger Zeit schon aussieht. Muss denn Vieles nur dem finanziellen Profit weichen? Bitte macht was, liebe Iserlohner!

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