„Unser Haupt-Campus bleibt in Iserlohn“

Steht die Zukunft der BiTS in Iserlohn noch in den Sternen oder bereits ganz fest verankert in Expansions-Gedanken des Laureate-Deutschland-Chefs Carlos Bertrán?
Steht die Zukunft der BiTS in Iserlohn noch in den Sternen oder bereits ganz fest verankert in Expansions-Gedanken des Laureate-Deutschland-Chefs Carlos Bertrán?
Foto: Michael May IKZ
Was wir bereits wissen
Nachdem sich die BiTS von ihrem langjährigen Geschäftsführer und Rektor Prof. Dr. Volker Busch sowie dem 2. Geschäftsführer Dr. Volker Hirschbiegel getrennt hat, sprach die Heimatzeitung mit dem Deutschland-Chef des amerikanischen Bildungskonzerns Laureate, Carlos Bertrán, über die Zukunft der privaten Hochschule am Seilersee.

Iserlohn..  Unterschätzen sollte man den hochgewachsenen schlanken Mann, der mit gewinnendem Charming-Lächeln an der Tür zum BiTS-Verwaltungsgebäude steht und gerade mit warmer Stimme auf englisch mit spanischem Akzent überaus dankbar ist, dass man sich endlich zum persönlichen Gespräch treffen kann, wahrlich nicht. Obwohl es natürlich schade sei, dass man sich unter solchen Umständen habe verabreden müssen, sagt er. Und doch merkt man sofort, dass man ihn in Wort und Tat nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Auch im weiteren Verlauf der Unterhaltung wird Carlos Bertrán (43) immer wieder geduldig zuhören und wird nach zustimmendem Nicken, kurzer Überlegung und scheinbarer Zustimmung seine Antworten punktgenau platzieren.

Der Deutschland-Manager des amerikanischen Bildungskonzerns Laureate hat schließlich auch bereits einen strammen Tag hinter sich. Und im Untergrund der privaten Hochschule BiTS brummt es an diesem Tag, als habe jemand mit dem Knüppel an eine Kiste mit Hornissen gehauen. Noch in der Nacht zu Montag hatte Bertrán sich offenbar nach Iserlohn aufgemacht, nachdem die – zumindest für Schulfremde – überraschende Trennung der Hochschule von ihrem langjährigen Rektor und Geschäftsführer Prof. Dr. Volker Busch durch die Heimatzeitung in der Region bekannt gemacht worden war.

Angebote in drei Städten bringen Vorteile für die Studenten

Und am Morgen des Montags kam es dann auch noch zur nächsten überraschenden Personalentscheidung, die selbst Insider für einen Moment perplex machte. Auch der zweite Geschäftsführer Dr. Lothar Hirschbiegel wurde kurzfristig verabschiedet. Gründe dafür offenbarte allerdings auch die später nachgeschobene Pressemitteilung mit keinem Wort. Auch im Gespräch am Nachmittag mit unserer Zeitung führte eine Nachfrage nur zu kurzfristiger Wortlosigkeit und gekonnt in Szene gesetztem Schweigen. Wer letztlich wem die Tür gewiesen hat, blieb also unklar. Es gibt auch BiTS-Beobachter, die wissen wollen, dass Dr. Hirschbiegel aus Frust über eine schlechte Kommunikationspolitik des Unternehmens die Segel frustriert und entnervt gestrichen hat.

Dass „das wirklich kein leichter Moment für die BiTS in Iserlohn“ sei, wollte dann aber auch Carlos Bertrán zugestehen. Ob er sich wirklich darüber wunderte, dass in Iserlohn eine weitreichende Personalentscheidung dieser Art für derart Furore und Emotionen sorgen könnte, war nicht klar zu erkennen. Vermutlich würde das auch in Madrid oder Paris in die Schlagzeilen kommen, wenn sich dort so etwas an einer ihrer Hochschulen ereignen würde, mutmaßte er aber doch.

Und auch für die Tatsache, dass sich die märkische oder südwestfälische Region Gedanken darüber macht, ob die „Unternehmerhochschule“, die von ihrem Gründer Professor Dietrich Walther so intensiv propagiert und auch praktiziert worden war, den Kontakt zur unternehmerischen und bürgerlichen Basis abreißen lasse, hat der Manager durchaus Verständnis, will aber alle Zweifel dann auch an diesem Nachmittag umfassend zerstreuen. Zusammengefasst klingt das aus seinem Mund so: Iserlohn ist und bleibt die Urzelle der deutschen Erfolgsgeschichte der BiTS. Die Einbettung und Lage des Standortes in Nordrhein-Westfalen und Südwestfalen macht ihn weiterhin so ungemein bedeutsam für die Unternehmensstrategen des Konzerns. Die neuen Standorte Berlin und Hamburg, die sich derzeit im Aufbau befänden, hätten in den deutschen und europäischen Entwicklungsplänen natürlich ihre eigene Bedeutung und Berechtigung, seien aber eben basiert auf ganz anderen Städte- und Regionenkonzepten. In diesem Zusammenhang benutzt Bertrán dann auch für Iserlohn erst- und einmalig den Begriff vom „Hauptcampus“. Für die Studenten brächte die Erweiterung und Diversifizierung des Angebotes auf deutschem Boden doch schließlich nur Vorteile.

Ehrensenat soll künftig in kurzen Abständen zusammenkommen

Und der Vorwurf bzw. Eindruck, dass immer mehr Kompetenzen von Iserlohn an die Spree und Elbe gehen würden? Da kann ein international aufgestellter Manager natürlich nur abwinken. „Wir leben in einer globalen Welt, sind als Führungsmannschaft ständig unterwegs, Entscheidungen werden überall getroffen. In Iserlohn, in Berlin und in Hamburg.“ Allerdings sei es keine Frage, dass Iserlohn in kürzester Zeit wieder eine eigene Hochschul-Führung sowohl im wirtschaftlichen wie auch im inhaltlichen Bereich bekomme. Entsprechende Maßnahmen durch den Senat, der ebenfalls am Montag bereits kurzfristig getagt hatte, seien eingeleitet. Bis zu einer endgültigen Klärung seien die Aufgaben an Prof. Dr. Stefan Stein und Prof. Dr. Ralf Lanwehr übertragen worden.

Am Rande: Gedanklich weit vom hochschulinternen „Senat“ ist es dann auch nicht zum „Ehrensenat“. Hier war inzwischen bedauert worden, dass dieses beratende Hochschul-begleitende Gremium aus namhaften Vertretern von heimischer Wirtschaft, Politik und öffentlichem Leben seit zweieinhalb Jahren nicht mehr eingeladen worden war. Auch das kommentierte Carlos Bertrán in der Rückschau nicht, forderte allerdings für die Zukunft regelmäßige Sitzungen des Gremiums ein. „Hier bekommen wir schließlich gute Ideen für unsere Arbeit.“

Wiedersehen an gleicher Stelle in zehn Jahren? „Das ist meine Vision!“

Auch die weiteren Fragen zu „Kommunikationsproblemen“ oder zu befürchtenden „Eltern- oder Studentenreaktionen“ perlten an dem Management-Profi ab, konnten ihn nicht aus der Reserve locken. Alle Gremien, Professoren, Angestellten und Studentenvertreter seien am Vormittag informiert worden. Zu Protesten könne es allein schon deshalb nicht kommen, weil alles schließlich zum Wohle und zur Ausbildung der anvertrauten jungen Leute geschehe. Ihnen gegenüber sei man verpflichtet, ein Optimum an Ausbildungsqualität abzuliefern. Allerdings gestand auch Bertrán zu, dass derzeit offensichtlich „viele Gefühle“ im Spiel seien.

Auch in Bezug auf die Entwicklung für Iserlohn im laufenden Jahr wurde der Deutschland-Chef nicht wirklich konkret: Nach dem Jahr des Abitur-Doppeljahrgangs sei man nun in einer Konsolidierungsphase. „Wir werden Iserlohn aber wie Berlin und Hamburg weiterentwickeln.“

Und schließlich: Auf die Frage nach seiner persönlichen Einschätzung, ob man sich auch in zehn Jahren noch zu einem bilanzierenden Gespräch am Seilersee treffen würde, denkt Carlos Bertrán kurz nach und sagt: „Das ist meine Vision!“