Und immer noch klemmen alle Schubladen

Solobeiträge in unterschiedlichen Unterensembles gehören zu den Konzerten der „Outta Limits“ dazu.
Solobeiträge in unterschiedlichen Unterensembles gehören zu den Konzerten der „Outta Limits“ dazu.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Die „Outta Limits“ begeistern bei ihrem 19. Jahreskonzert durch Klang, Vielfalt und Engagement.

Iserlohn..  Die Schubladen klemmen immer noch – und zwar alle, in die man die „Outta-Limits“ stecken könnte oder möchte. Seit 20 Jahren gibt es den Chor nun schon, und bei ihrem 19. „Am Abend vor Fronleichnam Jahreskonzert“ am Mittwoch in der Erlöserkirche begrüßte Chorleiter Jens Keienburg das wie immer große Publikum in der vollen Kirche mit diesem Gedanken, dass der Chor auch nach dieser langen Zeit stilistisch nicht zu fassen sei. Vielmehr singt sich der Chor nach wie vor kreuz und quer durch die Jahrhunderte, durch die Länder und Kontinente und durch die Stile und Formen und hat sich mit einem ganz eigenen Musik-Mix eine ganz eigene Schublade gezimmert, die seine Fans jedes Jahr vor Fronleichnam mit Spannung öffnen, um zu hören, was diesmal drin ist.

Chor-Nummern mitGänsehaut-Faktor

Am Donnerstag war vor allem der Chorklang, der die „Outta Limits“ auszeichnet, prägend für das Programm, das unter dem Motto „Seid gut zu uns und macht Radau“ stand. Ohne große Band- oder Instrumental-Begleitungen, höchstens mal mit Klavier, meistens aber a-capella, präsentierte sich der Chor in einem ausgesprochen schlichten und damit wohl in seinem schönsten Gewand. Schon in den vergangenen Konzerten hatten die „Limits“ oft bei ihren reinen Chor-Nummern ihre eindrücklichsten und ausdrucksstärksten Momente mit höchstem Gänsehaut-Faktor. Am Mittwoch gab es davon reichlich: Die Ringelnatz-Vertonung „Lebensabschnitt“, aus der das Konzert-Motto stammt, das sehr flotte Barock-Stück „Alles was ihr tut“, „Lockung“ von Fanny Mendelssohn, „Kauf dir einen bunten Luftballon“ mit imposantem Bühnenbild oder der beruhigend-meditative Gesang „Gøta“ boten großen Klang und viel Neues und in Iserlohn bisher nicht Gehörtes.

Auf der anderen Seite gab es vermutlich noch nie so viele Solo- und Kleinensemble-Nummern wie bei diesem Konzert. Gleich 15 Chormitglieder waren an den unterschiedlichsten Beiträgen, hier auch oft von kleinen Instrumental-Bands begleitet, beteiligt und lockerten das Programm immer wieder auf. Vor allem die mehrstimmigen Unter-Gruppen, etwa die vier Männer bei „Kiss from a Rose“ oder die vier Frauen bei „Je veux“ brachten eine Farbe ins Spiel, über die kaum ein anderer Chor verfügt.

Krisen der Welt gehen nicht spurlos an den Limits vorbei

Was ihn aber insbesondere auszeichnet, ist, dass er sich bei allem Schwerpunkt auf den guten und kultivierten Chorklang nie um sich selbst und „nur“ um die Musik dreht. Das, was die Welt gegenwärtig bewegt, geht an den „Outta Limits“ nicht spurlos vorbei, was besonders diesem Programm einen streckenweise ernsten und nachdenklichen Anstrich gab: Die Hymne „Nkosi Sikelel i Afrika“, das aufwühlende „Wie liegt die Stadt so wüst“ 70 Jahre nach der Bombardierung Dresdens oder auch der Aufruf „People Help the People“ sind Lieder, die bei diesem nicht nur musikalisch, sondern auch sozial äußerst engagierten Chor spürbar von Herzen kommen. Auch damit sprengen sie so ziemlich jede Schublade, die man im üblichen Apothekerschrank der Chöre findet.