„Treppe ist Kult und wie ein Wohnzimmer“

Nutzer des Fritz-Kühn-Platzes sorgen für Ordnung: Andreas Schulz (l.) und Jo Holste.
Nutzer des Fritz-Kühn-Platzes sorgen für Ordnung: Andreas Schulz (l.) und Jo Holste.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Zwei regelmäßige Besucher des Fritz-Kühn-Platzes sorgen seit Ende April für Ordnung und Sauberkeit.

Iserlohn..  Heinzelmännchen sind bekanntlich eher im Verborgenen im Einsatz. Das gilt auch am Fritz-Kühn-Platz, wo seit Ende April Jo Holste und Andreas Schulz für Ordnung sorgen. Sie starten montags, mittwochs und freitags jeweils gegen 7 Uhr ihre Reinigungsrunden rund um die von vielen genutzte Treppe.

Streetworker Uwe Browatzki hatte die Nutzer des Platzes vor einer Weile gefragt, ob sich nicht jemand um Ordnung und Sauberkeit kümmern möchte. Holste und Schulz hatten sich sofort bereit erklärt, denn auch sie zählen zu den regelmäßigen Treppen-Besuchern und möchten dort nicht im Dreck sitzen. Bei Andreas Schulz kommt hinzu, dass er direkt nebenan wohnt, nicht über einen Balkon verfügt und die Treppe so als Gartenersatz sieht. „Das ist wie unser Wohnzimmer, die Treppe ist Kult“, sagt der 55-Jährige. So kam es, dass die beiden Männer nun drei Mal in der Woche losziehen, um die Hinterlassenschaften anderer einzusammeln.

40 Besucher haben das Arealam Donnerstag bevölkert

„Allein an Fronleichnam waren hier ungefähr 40 Leute, da bleibt schon einmal was liegen“, weiß Uwe Browatzki. Der Mitarbeiter der Caritas hat über Geschäftsführer Klaus Ebbing eine Anschubfinanzierung für das Säuberungs-Projekt erreicht, wobei die beiden Aktiven aber kein Geld verdienen, sondern freiwilligen Dienst leisten. Als Entschädigung gibt es Telefon- oder Fahrkarten. Um Schulz und Holste nicht in Schwierigkeiten zu bringen, wurde das Ganze mit der Arge abgesprochen.

„Wenn ich so eine kleine Tätigkeit ausführen kann, tut mir das gut“, sagt Holste, der von allen nur Jo genannt wird und aus gesundheitlichen Gründen keinem Beruf mehr nachgehen kann. Er und sein Mitstreiter wurden anfangs mit dummen Sprüchen bedacht, als sie mit Besen und Zangen ausgestattet ihre Runden gedreht haben. Heute kommt es nur noch vereinzelt dazu, immer dann, wenn sie Besucher auf Fehlverhalten hinweisen. „Wer Kokain nimmt, wird schnell aggressiv, da muss man aufpassen“, wissen die Gleichaltrigen. Seit Ende April habe das „Wild-Pinkeln“ bereits deutlich nachgelassen – auch wegen der Hinweise von Holste und Schulz.

Sie erleben mitunter amüsante Geschichten, wenn sie aufräumen: So haben sie bereits einen Rucksack gefunden, der unter anderem die Papiere und das Gebiss des Besitzers beinhaltete. „Wir haben die Polizei gerufen, die haben nur die Papiere mitgenommen“, lachen die beiden noch heute. Beobachtet haben sie auch schon das Verhalten, wenn eine Razzia über den Fritz-Kühn-Platz hereinbricht: „Da sieht man die Brocken fliegen.“ Gemeint sind die Drogen, die einige mit sich führen und die schnell ins Gebüsch geworfen werden. „Einen habe ich am Morgen nach einer Razzia herumkramen sehen, plötzlich hielt er eine Tüte hoch und meinte, die gehöre ihm“, so Holste. „Anfangs haben wir hier auch Spritzen gefunden, aber wir haben mit den Leuten gesprochen. Außerdem hat Julia Niedermark – Streetworkerin bei der Drogenberatung – immer ein Abwurfpack für die gebrauchten Spritzen dabei“, so Browatzki. Traurig finden alle drei Männer, dass dienstags und donnerstags, den Tagen der „Brotausgabe“ im Sozialzentrum „Lichtblick“ immer jede Menge Brot und die entsprechenden Verpackungen rund um die Treppe zu finden sind.

Durch aktuelle Enge entstehen Konflikte

Dennoch hat sich die Lage am Fritz-Kühn-Platz schon verbessert, zumindest in Punkto Müll. Uwe Browatzki sagt: „Durch die Bauarbeiten haben die verschiedenen Gruppen, die hier herkommen, weniger Platz. Sie können sich nicht unbedingt aus dem Weg gehen, so dass es immer wieder zu Rangeleien kommt.“ Obwohl sie Konfrontationen vermeiden, nutzen Jo Holste und Andreas Schulz trotzdem lieber die Morgenstunden zum Aufräumen. Für das Friedensfest stellen sie ihre Wecker besonders früh, wollen an den „Feiertagen“ jeweils ab 3 Uhr den Besen schwingen und die Müllsäcke füllen. Doch das reicht ihnen mittlerweile nicht mehr: Das Material der Treppe ist sehr anfällig, jeder Bierklecks verursacht hässliche Flecken. Dafür würden sie gern ein Dampfstrahlgerät einsetzen. . .