Traumpaar Wussow und Bongartz

Im Parktheater feierte die Liebeskomödie „Glück“ mit der Traumbesetzung Barbara Wussow und Peter Bongartz
Im Parktheater feierte die Liebeskomödie „Glück“ mit der Traumbesetzung Barbara Wussow und Peter Bongartz
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Die französische Liebeskomödie „Glück - Le Bonheur“ feierte ihre erfolgreiche Premiere im Iserlohner Parktheater.

Iserlohn..  Kompliment an Regisseur Michael Wedekind. In der deutschsprachigen Erstaufführung von Eric Assous Liebeskomödie „Glück - Le Bonheur“ transportiert er die sprichwörtliche französische Leichtigkeit, auch wenn es sich bei dem Kammerspiel nur um ein Zweipersonenstück handelt.

Das Iserlohner Premierenpublikum im ausverkauften Parktheater zollte am Samstag minutenlangen Beifall für die Produktion der Komödie im Bayerischen Hof München, die nun auf Tournee durch 50 Gastspielstationen geht. Auch der Förderverein des Parktheaters, der bereits am Freitagabend die Generalprobe miterleben durfte, zeigte sich angetan von der rundum gelungenen Darbietung, bei der kurzfristig Barbara Wussow für die erkrankte Susanne Uhlen eingesprungen ist.

Ein alter Stoff neu erzählt: Das Stück dreht sich um existenzielle Fragen nach der echten Liebe und dem Patentrezept für gelingende Beziehungen. In den sechs schlaglichtartigen Szenen wird deutlich, dass auch das offizielle Ja-Wort kein Garant für ein dauerhaftes Glück zu zweit ist.

Zwanglose Affäre mit Freiheitsberaubung

Chapeau! Ein Glücksfall für diese moderne Liebeskomödie ist die Besetzung mit dem Traumpaar Barbara Wussow in der Rolle der Kinderbuchautorin Louise und Peter Bongartz als Gastronom Alexandre. Die Hauptfiguren sind in den besten Jahren, gehören zur Generation 50+ und haben schon allerlei Enttäuschungen erlebt. Sie treffen sich, verbringen die Nacht miteinander, und am Morgen nach der Liebesnacht stellt sich die unausweichliche Frage: Sehen wir uns wieder? Was aus seiner Sicht möglicherweise zunächst nur eine von vielen zwanglosen Affären ist, denn er will sich zunächst nicht festlegen, scheint für die lebenshungrige und freiheitsliebende Frau sofort glasklar. Sie will mehr. Barbara Wussow spielt die Mittfünfzigerin als zupackende Frau mit dem Herz auf dem rechten Fleck, die sich auch von der raubeinigen, zuweilen tollpatschigen Art des Liebhabers nicht abschrecken lässt und dafür auch Tricks für die Freiheitsberaubung anwendet: Der Zweck heiligt die Mittel.

Für beide Schauspieler sind diese unterschiedlichen Charaktere Paraderollen. Für die pragmatische Single-Frau, die sechs Jahre verheiratet war, ist der erfolgreiche Restaurantbesitzer ein echter Fang, bei dem sie gern über seine Ausflüchte und feigen Tricks souverän hinwegsieht. Barbara Wussow sprüht vor Lebenslust, Leidenschaft, Spontanität und Kreativität. Authentisch arbeitet Peter Bongartz die ambivalenten Züge Alexandres heraus: als weichen, schwächlichen Macho, Egomanen und Taktiker, der gern auch „zweigleisig fährt“, aber in Krisensituationen dann doch positivere Züge wie Verantwortung und Großzügigkeit herauskehrt. Herrlich bürsten die Akteure bei ihren Dialogen die Mann-Frau-Klischees gegen den Strich.

Luftiges Bühnenbild und viel Raum für Fantasie

Thomas Pekny schuf ein entsprechend luftiges Bühnenbild mit hellen Designermöbeln nach der Devise weniger ist mehr. Und die unterschiedlichen Charaktere und die Diskrepanz zwischen ihren Ansichten bringt die Inszenierung dadurch zum Ausdruck, dass beide nicht eng aufeinander hocken, sondern sich wechselweise aufeinander zu bewegen und dann wieder auseinanderdriften. Es bleibt viel Raum für Fantasie: Leidenschaftliche Bettszenen werden ausgespart. Zum großen Vergnügen der Zuschauer entwickelt sich dieses ungleiche Paar nach dem ersten Rendezvous zwischen Euphorie und Illusion und ist bis zum zerbrechlichen Happy End vor bösen Überraschungen auf beiden Seiten nicht gefeit. Ihr Experiment Liebe bleibt in allen Etappen fragil – wie im richtigen Leben. Manch einer hat sich oder seinen Partner bei einem der beiden Protagonisten wiedererkannt.