Trauer öffnet Blick für das Leid anderer
15.11.2009 | 16:38 Uhr 2009-11-15T16:38:00+0100
Iserlohn. „Wir müssen erinnern und Ernst machen mit den Bemühungen um eine friedliche Zukunft”, betonte Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens am Sonntag bei der Gedenkstunde des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge anlässlich des Volkstrauertages.
Es gab zahlreiche Gedenkveranstaltungen an diesem Tag. Viele Interessierte gedachten auf dem Hauptfriedhof 70 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkriegs der Toten, die Opfer von Krieg und Gewalt wurden. Gunther Kingreen, Vorsitzender des Volksbundes, wies darauf hin, dass die Französische Regierung den 11. November, an dem das Land bisher den im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten gedachte, nun zum „Tag der deutsch-französischen Aussöhnung“ machen will. Großmut und Erinnerung seien wichtig an Tagen wie diesen, so Kingreen.
Dr. Ahrens betonte ebenso wie die folgenden Redner (Pfarrer Johannes Hammer, St. Aloysius, und Gerd Müller-Aßhauer für den Volksbund), dass man nicht nur an die getöteten Soldaten auf beiden Seiten der Front, sondern auch an die Bombentoten, die umgekommenen Vertriebenen, die hingerichteten Widerstandskämpfer und die aus rassistischen oder politischen Gründen getöteten Opfer der Kriege erinnert. Ursprünglich habe dieser Tag „etwas mit Heldenverehrung zu tun” gehabt, erklärte Pfarrer Hammer, „doch diese Engführung sollte inzwischen überwunden sein.”
Bürgermeister Dr. Ahrens knüpfte auch eine Verbindung in die Gegenwart, an die „Frieden stiftenden Aktionen der Bundeswehr”, etwa zurzeit in Afghanistan. „Der Friede in der Welt muss unser Anliegen sein.” Auch Pfarrer Johannes Hammer gedachte der Opfer von Terrorismus und Selbstmordattentaten in den letzten Jahren. Er äußerte sich kritisch, hinterfragte, ob die Menschen heute überhaupt noch um die Opfer von damals und heute trauern würden. „Ich habe den Eindruck, dass manches verdrängt wird, auch nicht mehr gehört werden will.” Die Menschen würden heute eher von anderen Sorgen bedrängt, etwa vom Sozialabbau und der Wirtschaftskrise. „Doch wahre Trauer öffnet den Blick für das Leid der anderen, für das ungelebte und abgebrochene Leben in unserer Welt. Wenn wir davor die Augen verschließen, dann bleibt nur der blanke Egoismus zurück.” Pfarrer Hammer verwies dann auf das Kreuz als tröstliches Zeichen des göttlichen Friedens. „Es hilft uns, die anderen Kreuze der Weltgeschichte anzunehmen und nicht auszublenden.”
In Anschluss legten Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens und Walter Torke als Vertreter des Stadtrates einen Kranz am Gedenkstein für die Kriegsopfer nieder, ebenso Vertreter des IBSV. Verschiedene Vereine und Verbände hielten dabei ihre Fahnen gesenkt. Benedikt Lausberg spielte dazu auf der Trompete.
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