Tieffliegerbeschuss und Brände in Kesbern

Herbert Knebel (87) hat die letzten Tage des Zweiten Weltkrieges in Kesbern dokumentiert
Herbert Knebel (87) hat die letzten Tage des Zweiten Weltkrieges in Kesbern dokumentiert
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Otto Knebel war damals erst 17 Jahre alt. Der frühere Ortsvorsteher, das wandelnde Geschichtsbuch von Kesbern, hat das Kriegsende in Kesbern eindrucksvoll dokumentiert.

Kesbern..  Der heute 87-jährige Otto Knebel hat die Ereignisse der letzten Tage des Zweiten Weltkrieges in Kesbern in einer Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des Wasserbeschaffungsverbandes Kesbern so dokumentiert:

„Noch in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges wurde unser Dorf zweimal von den Kriegsereignissen in Mitleidenschaft gezogen. Am Sturmweg, dort wo heute die Häuser der Familien Gräfer und Dassel stehen (von uns Einheimischen Heybrink genannt), hatte ein Versorgungstross der Wehrmacht Halt gemacht. Kurze Zeit später kreiste ein Aufklärungsflugzeug über dem Dorf. Die Aufregung war groß. Willi Grüber, Otto Wortmann und Wilhelm Rahmer haben mit dem zuständigen Einheitsführer Kontakt aufgenommen und erreicht, dass der gesamte Versorgungstross abzog. In diesem Tross befanden sich einige Munitionswagen.

Dank der Wasserversorgung Schlimmeres verhindert

Einen Tag später, am 1. April 1945, Ostersonntag, wurde das Dorf von Tieffliegern beschossen. Die Anwesen Sülberg-Tewes, Wilhelm Wortmann heute Woermann, Radix heute Trittel, Friedrich Dodt und Karl Krone wurden getroffen und gerieten in Brand. Das Anwesen Wortmann brannte bis auf die Grundmauern nieder. Bei den anderen wurden die Dächer ein Raub der Flammen. Mit der Handdruckspritze versuchte die Feuerwehr unter Leitung von Heinrich Westendorf (Löschgruppenführer) mit Wasser aus der zentralen Wasserleitung und dem Feuerlöschteich der Brände Herr zu werden. Bis auf das Gehöft Wortmann konnte bei den anderen ein Totalschaden verhindert werden. Jeder mag sich vorstellen, wie alles ausgegangen wäre, wenn wir keine zentrale Wasserversorgung besessen hätten.

Die zweite Bewährungsprobe unserer Wasserversorgung war am 15. April 1945. An diesem Tag wurde unser Dorf von Evingsen aus unter Artilleriebeschuss genommen. Das große ehemalige Bruchsteingebäude im Besitz von Sülberg-Tewes, Rentrops-Hof genannt (Heute steht dort das Anwesen von Emmy Schönenberg) wurde getroffen und brannte völlig aus. Auch hier konnte durch den schnellen Einsatz der Feuerwehr und der Dorfbewohner das Löschwasser aus der zentralen Wasserleitung genommen werden. Von den Einwohnern konnten durch diesen Einsatz noch einige Gegenstände gerettet werden.

Am selben Tag rückten die Amerikaner in Kesbern ein. In den Kellern einiger Häuser, z. B. bei Humperts heute Nitschke, hatten sich Soldaten, einige trugen schon Zivilkleidung, aufgehalten. Auch der Dorfbewohner Alfred Radix befand sich darunter. Sie wurde alle gefangen genommen. Ebenfalls auch die Personen, die mit den Lösch- und Aufräumungsarbeiten beschäftigt gewesen waren. (Die Feuerwehrmänner trugen zu dieser Zeit eine gelbgraue Arbeitskleidung). Hier die Namen: Karl Heer, Vater von Irmgard Ofenborn, Wilhelm Daute, Vater von Willi Daute, Heinrich Westendorf und Alfred Radix, Vater von Reinhard Radix. Ebenfalls der Großvater und Vater von Friedrich Wilhelm Jochheim. Alle diese Männer haben viele Wochen auf den Rheinwiesen bei Remagen unter freiem Himmel in Gefangenschaft verbracht.“