Tickende Zeitbombe

Haschmatullah Scherbaz (v. l.), Amjad Asfoor, Matthias Bahl und Dr. Christof Schmidt
Haschmatullah Scherbaz (v. l.), Amjad Asfoor, Matthias Bahl und Dr. Christof Schmidt
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Die Gefäßchirurgen des St.-Elisabeth-Hospitals bereiten für den 9. Mai Bauchaortenaneurysma-Screeningtag vor.

Iserlohn..  „Die Bombe im Bauch“ – so lautet der Titel eines Aktionstages, den die Abteilung für Gefäßchirurgie am St.-Elisabeth-Hospital demnächst anbietet. Die Screeningaktion läuft am Samstag, 9. Mai, nicht nur in Iserlohn, sondern bundesweit. Die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin hat den Bauchaortenaneurysma-Screeningtag schon vor längerer Zeit ins Leben gerufen, um auf die großen Risiken und die Möglichkeiten der Früherkennung aufmerksam zu machen. Das Iserlohner Team um die Leitenden Oberärzte Dr. Christof Schmidt und Matthias Bahl ist zum ersten Mal dabei.

200 000 Aortenaneurysmenbleiben pro Jahr unentdeckt

„Das Gefährliche am Bauchaortenaneurysma ist die Tatsache, dass es meist nicht vom Patienten bemerkt wird“, so die Mediziner. So verwundert es nicht, dass pro Jahr 200 000 Aortenaneurysmen unentdeckt bleiben, 60 Prozent davon betreffen die Bauchschlagader – die größte Arterie im menschlichen Körper. Bei einem Aneurysma handelt es sich um die krankhafte Verengung. Mit zunehmender Schwäche der Gefäßwand kann es zu Aussackungen, teilweise sogar zum Platzen der Aorta kommen. Treten Symptome wie Rückenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Embolien oder eine pulsierende Geschwulst im Bauchraum auf, ist zumeist Eile geboten.

Folgende Risiken nennen die Experten: männliches Geschlecht, älter als 65 Jahre, Nikotin, familiäre Häufung, Bluthochdruck, erhöhter Cholesterinspiegel und periphere arterielle Verschlusskrankheit (auch Schaufensterkrankheit genannt). Mittels einer Ultraschalluntersuchung und des Abtastens des Bauches können Aneurysmen schnell und schmerzfrei diagnostiziert werden. Wird ein Bauchaortenaneurysma gefunden, kommt es wiederum auf die Größe an. Hat es eine Größe unter fünf Zentimeter, muss es regelmäßig kontrolliert werden. Ist es größer, muss es versorgt werden.

Operiert wird offenoder minimal-invasiv

Zwei Operationsmöglichkeiten stehen dazu zur Verfügung: Zum einen die offene und zum anderen die minimal-invasive Variante. Bei der offenen OP stellt der Chirurg den Zugang zum Aneurysma mittels eines Schnittes im Unterleib her, ersetzt den betroffenen Abschnitt der Aorta durch eine synthetische Prothese. Dies dauert etwa drei bis vier Stunden und muss unter Vollnarkose geschehen. Der Patient verbringt danach meist einen Tag auf der Intensivstation, danach eine Woche im Krankenhaus, bis zur vollständigen Genesung können zwei bis drei Monate vergehen. Bei der minimal-invasiven Methode wird eine synthetische Schlauchprothese, die durch ein Metallgerüst verstärkt ist, über kleine Einschnitte in beiden Oberschenkeln innerhalb des erkrankten Gefäßes platziert, ohne das umliegende Gewebe chirurgisch zu öffnen. So dauert der Eingriff nur zwei Stunden. Der Patient bleibt zwei bis vier Tage im Krankenhaus, ein Aufenthalt auf der Intensivstation ist meist nicht erforderlich.

Die Nachsorge beinhaltet zunächst halbjährliche, später jährliche Kontrollen sowie die Einnahme von ASS. Damit es gar nicht so weit kommt, haben die Fachleute des St.-Elisabeth-Hospitals den Aktionstag inklusive der Möglichkeit des Screenings vorbereitet.