Das aktuelle Wetter Iserlohn 29°C
Henkelmann

T.M. Stevens: „Echte Kunst muss bewahrt werden“

29.11.2010 | 17:43 Uhr
T.M. Stevens: „Echte Kunst muss bewahrt werden“
Tribute gnadenlose Schlachten.

Man muss schon mehr als außergewöhnlich gut sein und ein wirklich unumstößliches Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten haben, um sich vor versammeltem Saal derart gehen zu lassen, wie es diese drei Naturgewalten am Freitagabend im Henkelmann getan haben.

Das, was T.M. Stevens, Eric Gales und Keith Leblanc da an Hemmungslosigkeit auf die Bühne gebracht haben, würden sich die meisten Leute noch nicht mal alleine bei zugezogenen Jalousien im Wohnzimmer trauen.

T.M. Stevens hatte vor anderthalb Jahren bereits mächtig im Henkelmann abgeräumt, weswegen die Band in Iserlohn wohl auch als T.M.-Stevens-Band angekündigt worden war. Auf der Bühne standen aber drei ziemlich gleichberechtigte Großmeister, die alle drei auf eine Mörderkarriere zurückblicken können und die alle drei schon bemerkenswerte Solo-Projekte hinter sich haben. Und so kamen auch alle im ersten Teil mit ihren eigenen Sachen zum Zuge und boten eine irre Show aus harter Rockgitarre, Funk und einem Bass-Gewitter, das man wohl nur zu hören bekommt, wenn man ein T.M.-Stevens-Konzert besucht.

Im zweiten Teil wurde dann aber klar, warum das Projekt „Voodoo Chile“ heißt, denn der Abend entwickelte sich zu einem reinen Jimi-Hendrix-Tribute, bei dem Eric Gales klar das Ruder übernahm und mit seinen brachialen Sound immer weiter aufdrehte. Mit atemberaubenden Versionen von „Purple Haze“, „Foxy Lady“ oder „Hey Joe“, ausufernden Soli, gefühlvollsten Balladen-Einlagen sowie gnadenlosen und sehr blutigen Schlachten zwischen Bass und Gitarre war das nicht nur das Lauteste, sondern auch das Mitreißendste, was es an der Oberen Mühle in den letzten zehn Jahren zu hören gab. Wobei Gales in der originalen Trio-Besetzung niemals wie ein Hendrix-Imitat wirkte, sondern eine selten zu hörende Portion Persönlichkeit in sein Gitarrenspiel legte.

Das Original wird wohl keiner der Anwesenden jemals live gehört haben, aber so ähnlich wie am Freitag wird man sich wohl auch nach einem echten Hendrix-Konzert gefühlt haben. Nicht umsonst wurde Eric Gales von Janie Hendrix, der Schwester des großen Meisters, die das Hendrix-Erbe ähnlich streng beschützt wie Yoko Ono das ihres Mannes, zu einem ihrer Mitstreiter beim Hüten des Schatzes ernannt.

Um einen Schatz im weiteren Sinne geht es auch T.M. Stevens, dessen Auftritte immer auch eine Art Statement sind - nicht nur dafür, wie Rock-Musik richtig funktioniert, sondern auch dafür, dass man sie und ihre ganz eigenen Funktionsweisen am Leben erhalten sollte. „The Music-Business is some kind of Scheiße today with all this Computer-Schnickschnack“, stimmte er seinen Aufruf in mehr als gebrochenem Deutsch an. Die „I-Tunes“-Mentalität, bei der jeder Hit schon nach zehn Minuten wieder vergessen ist, sei der falsche Weg. „Es ist das erste Mal, dass ich mit einem Jimi-Hendrix-Tribute unterwegs bin, aber die echte Kunst muss bewahrt werden .“

Ralf Tiemann

Kommentare
29.11.2010
19:44
T.M. Stevens: „Echte Kunst muss bewahrt werden“
von Christian Klang | #1

Bravo Ralf!

der Artikel trifft es auf den Punkt und kann jedem Besucher dieses Konzert-Highlights nur aus der Seele sprechen.
Besser hätte man es...
Weiterlesen

Funktionen
Fotos und Videos
Bildgalerie
Fotostrecke
article
4001220
T.M. Stevens: „Echte Kunst muss bewahrt werden“
T.M. Stevens: „Echte Kunst muss bewahrt werden“
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/iserlohn/t-m-stevens-echte-kunst-muss-bewahrt-werden-id4001220.html
2010-11-29 17:43
Iserlohn