Stimmungsvoller Glückstour-Start

Der Startschuss zur 1. Etappe „Glückstour der Schornsteinfeger"
Der Startschuss zur 1. Etappe „Glückstour der Schornsteinfeger"
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Iserlohn war jetzt Ausgangspunkt der „Glückstour der Schornsteinfeger“, die über acht Etappen nach Dresden führt, das am 8. Juli erreicht wird.

Iserlohn..  Schornsteinfeger aus dem gesamten Bundesgebiet schwingen sich einmal im Jahr aufs Fahrrad, radeln quer durch Deutschland und sammeln rund um die Tour Spenden, die dann krebskranken Kindern zugute kommen. Ihrer Fahrt haben die Schornsteinfeger, die ja landauf, landab als Glücksbringer gelten, den Namen „Glückstour“ verpasst. Seit zehn Jahren ist das nun bereits der Fall.

Dreimal war Iserlohn schon Start und Ziel einer Etappe, doch das, was sich am Dienstagabend und Mittwochmorgen in der Stadt, genauer gesagt auf dem Firmengelände von Versicherungsmakler Hans-Dieter Assmann im Barendorfer Bruch abspielte, hat es nie zuvor gegeben: Iserlohn war Ausgangspunkt der gesamten Tour, die über acht Etappen nach Dresden führt, das am 8. Juli erreicht wird. Aus allen Himmelsrichtungen strömten die Teilnehmer der Tour, die entweder Schornsteinfeger sind oder sich überwiegend im Dunstkreis dieses Berufsstandes bewegen, in die Waldstadt.

Die kleine Ausnahme bildete ein ganz Großer: Radsport-Legende Erik Zabel, der in den 90er und 2000er Jahren bei der Tour de France sechsmal das Grüne Trikot des besten Sprinters gewann, mischte sich unter die Glücksbringer. Viele ließen sich mit ihm fotografieren oder hielten einen kleinen Plausch. Diese Gelegenheit nutzte unter anderem Frank Binz, der gemeinsam mit Jennifer Binz die Geschicke der rbr-Messtechnik GmbH leitet und als Sponsor dabei war. „Fahrt Ihr auch bis Unna mit?“, wollte Zabel wissen und bekam als Antwort: „Nee, wir fahren bis heute Abend durch.“

Mehr als 20 000 Euro an Spenden aus Iserlohn

Für Zabel ist es die dritte Glückstour, die er zum Teil begleitet. Markus Steuer feiert hingegen seine Premiere. Der Schornsteinfeger aus Braunschweig machte sich mit gemischten Gefühlen auf den Weg zum Ausgangspunkt ins Sauerland: „Am Montagabend war ich ganz schön aufgeregt, habe nur eine Stunde geschlafen. Habe ich auch nichts vergessen, werde ich von den anderen gut aufgenommen? Das sind die Fragen, die mich beschäftigt haben“, erzählte er am Dienstagabend am Rande der Auftaktveranstaltung auf dem Gelände der Schornsteinfegerinnung Arnsberg in Sümmern.

Unter großem Applaus empfingen die mehreren hundert Anwesenden die 30 Radfahrer. An dieser Stelle rückte der sportliche Aspekt aber erstmal in den Hintergrund. Darüber war Ralf Heibrok, treibende Glückstour-Kraft seit der ersten Stunde, gar nicht traurig. „Die Kunst ist ja nicht, täglich 100 Kilometer Rad zu fahren, sondern das Spendensammeln.“ Das hat im Vorjahr hervorragend funktioniert, die Erlöse aus 2014 belaufen sich auf rund 150 000 Euro. Dieses Geld wird bei der aktuellen Tour an verschiedene Einrichtungen und Institutionen verteilt, die sich dem Wohl krebskranker Kinder verschrieben haben. Zehn haben darum gebeten, eine Spende zu empfangen, keine ging leer aus. Jede erhielt 4300 Euro, es wurden also 43 000 Euro verteilt. „Dass wir eine so hohe Summe an einem Standort übergeben, hat es noch nie zuvor gegeben“, freute sich nicht nur Heibrok. Auch Bernhard Mertens, Obermeister und Geschäftsführer der hiesigen Schornsteinfegerinnung, Hans-Dieter Assmann, der unter anderem die Schornsteinfeger versichert, Jennifer Binz, deren Firma Messgeräte herstellt, und Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens brachten ihre Freude zum Ausdruck. Glücklich, teils sogar gerührt, nahmen Vertreter der Einrichtungen das Geld in Empfang.

Auf deutlich mehr als eine Million Euro beläuft sich der Gesamtspendenerlös in zehn Jahren Glückstour, die damit in der Rangliste der größten deutschen Wohltätigkeitsveranstaltungen nach Angaben der Beteiligten ganz vorne mit dabei ist. In Iserlohn ist der Erlös erneut kräftig gewachsen, soviel steht fest: Es waren mehr als 20 000 Euro aus unterschiedlichen Quellen. In der Stadt gab es einen wahren Spendenmarathon, mehr als 2000 Euro Bargeld sammelten alleine die Schornsteinfeger an zwei Samstagen in der Fußgängerzone ein, auch Bürgermeister Ahrens war mit der Spendendose unterwegs. Jennifer Binz: „Vielfach haben die Bürger angekündigt, Geld zu überweisen, damit sie noch mehr spenden können.“

Überall wurde betont, dass wirklich jeder Cent bei den Kindern ankomme. Sämtliche Kosten der Tour – von den Übernachtungen bis zum Kraftstoff für den Besenwagen, zahlen die Teilnehmer aus eigener Tasche. Und oben drauf kommen noch 500 Euro Startgeld. Mal 30? Macht bereits 15 000 Euro für die gute Sache, ohne dass nur ein Meter gefahren wurde.