Spielsucht: Immer mehr Jüngere sind betroffen

Steigende Gefahren durch das Internet für Spielsüchtige machen Thomas Kreklau und Uta von Holten von der Suchtberatung der Caritas aus
Steigende Gefahren durch das Internet für Spielsüchtige machen Thomas Kreklau und Uta von Holten von der Suchtberatung der Caritas aus
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Mitarbeiter der Caritas-Suchtberatungsstelle in Iserlohn sehen wachsende Gefahr durch unbegrenzte Internet-Möglichkeiten. Auch die seit Jahresbeginn geltende Novellierung der Glücksspielverordnung NRW könne keine Abhilfe schaffen.

Iserlohn..  Zwar konstant geblieben, aber trotzdem alarmierend ist die Zahl der Spielsüchtigen in Iserlohn. Wie im Gespräch mit Uta von Holten und Thomas Kreklau von der Suchtberatung des Caritasverbandes deutlich wird, birgt vor allem das Internet mit seinen unbegrenzten Möglichkeiten eine enorme Gefahr. Da könne auch die seit Jahresbeginn geltende Novellierung der Glücksspielverordnung NRW keine Abhilfe schaffen.

Oft sind bereits18-Jährige betroffen

So verwundert es nicht, dass die Klienten, die am Ende bei der Beratungsstelle landen, immer jünger werden. „Oft sind es 18- bis 20-Jährige, die an Glücksspielen teilnehmen“, weiß Thomas Kreklau. Zum einen seien die Automaten in den Spielotheken immer gefährlicher, weil sie durch die moderne Technik nachweislich ein stetig steigendes Suchtpotenzial mitbringen. Da die Spiele, die an Automaten möglich sind, zunehmend auch im Internet angeboten werden, weitet sich die Gefahr zusehends aus. Klienten mit Problemen aus letzterem Bereich werden bereits vom Caritas-Team betreut. Uta von Holten rechnet mit einem weiteren Problem durch die Spiele, die über das soziale Netzwerk Facebook angeboten werden. „Dazu gibt es zwar noch keine Untersuchungen, aber das sagt mir mein Bauchgefühl“, so die Expertin.

Die Wege in die Beratungsstelle sind vielfältig, wobei es häufig Angehörige sind, die den ersten Schritt unternehmen. „Betroffene selbst neigen – wie bei allen anderen Süchten – dazu, ihre Schwierigkeiten herunterzuspielen oder sich in Lügengeflechten zu verstricken“, erklären die beiden Fachleute. Sie raten Angehörigen: „Wenn der Partner oder die Partnerin plötzlich schnell reizbar ist, einen einfach ,komischen’ Eindruck vermittelt, Rechnungen nicht mehr bezahlt, und die Geschichten immer eigenartiger werden, könnte eine Spielsucht vorliegen. Dann sollte Hilfe geholt werden.“

Denn sehr häufig endet die Glücksspielsucht, wie Alkoholismus eine lebenslange Erkrankung, in der Kriminalität. „Jugendliche beispielsweise leihen sich zunächst Geld bei Oma, zahlen es nicht zurück, bestehlen sie später vielleicht sogar“, beschreiben die Berater, die ein sehr schnelles Wachstum der Sucht ausmachen. Sie würden sich vor allem bei jungen Betroffenen wünschen, dass die Eltern oder andere Familienmitglieder keine finanzielle Unterstützung mehr gewähren. Und grundsätzlich wären Uta von Holten und Thomas Kreklau froh, wenn es weniger Spielhallen und Wettbüros in den Städten gäbe. Denn letztere bergen ebenfalls ein großes Gefahrenpotenzial, weil auch – zum Beispiel bei Fußballspielen – live und in recht kurzen Abständen gewettet werden kann.