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Musical

Sissi – weder Liebe noch Leidenschaft

21.01.2015 | 17:48 Uhr
Sissi – weder Liebe noch Leidenschaft
das Musical „Sissi“ im ParktheaterFoto: Dana Schmies

Iserlohn.   Musical über die Kaiserin lockt – zurecht – nur sehr wenige Zuschauer an

Die ganz große Musical-Begeisterung ebbt doch spürbar ab. Natürlich gibt es ausgehend von dem wegweisenden „Cats“ einige Evergreens wie „Starlight Express“, „Phantom der Oper“ oder den „König der Löwen“, die sich teilweise mit eigenen „Musical-Domes“ seit einer gefühlten Ewigkeit ungebrochener Beliebtheit erfreuen – und das vermutlich auch noch eine weitere Ewigkeit tun werden. Im Gefolge dieser in den 80er Jahren begründeten Mode gab es aber eine Schwemme von modernen Musicals ähnlicher Machart, die nicht immer sonderlich inspirierte Bühnenkunst boten.

Besonders die sogenannten „Jukebox-Musicals“, die sich entlang der Hits großer Bands von Abba bis Queen hangeln oder berühmte Melodien aus Musical oder anderen Genres vereinen, hatten in ihrer unüberschaubaren Fülle und Austauschbarkeit zuletzt anscheinend eher einen ermüdenden Effekt auf das Publikum. Was dann auch Anlass zu der Hoffnung gibt, dass diese Ära der Fließband-Musicals langsam aber sicher als überstanden zu sehen ist.

Darstellerisch steifund gänzlich ohne Witz

Dieser Eindruck drängt sich jedenfalls nach dem Besuch des Musicals „Sissi – Liebe, Macht & Leidenschaft“ im Parktheater auf. Die ASA-Event GmbH hatte das Musical in Iserlohn angeboten und damit nicht viel mehr als 100 Zuschauer auf die Höhe gelockt. Und am Ende wohl auch zurecht, denn mehr als operettenhaft-opulente Kostüme hat dieses Stück im Grunde nicht zu bieten. Weder erzählerisch noch musikalisch ist es von großem Ideenreichtum gesegnet. Und darstellerisch wirkte alles sehr steif, betulich und gänzlich ohne Witz. Von Liebe und Leidenschaft, wie es der Musical-Titel ankündigt, war da eigentlich recht wenig zu spüren.

Erschwerend kommt natürlich hinzu, dass ein Musical, bei dem die Begleitmusik vom Band kommt, immer eher lieb- und leidenschaftslos wirkt – um die Attribute aus dem Untertitel des Sissi-Musicals aufzugreifen. Auch die Ausstattung der Darsteller mit Headset-Mikrofonen widerspricht einfach dem, was Theater ausmacht. Die Sologesänge werden fast schmerzhaft laut, jedes Atmen, Schmatzen und Zischen scheppert in den Ohren und die ganze Akustik verhindert jegliches Theater-Feeling. Und das wollte sich dann auch am Montagabend im Parktheater ganz und gar nicht einstellen. Szenenapplaus nach den Solo-Songs? Fehlanzeige. Und den größten Lacher hatte – trotz einiger Ansätze, lustig zu wirken – die Einspielung zu Beginn der Aufführung, bei der der Stimm-Imitator Andreas Neumann in Heinz-Erhardt-Manier darum bat, die Handys auszuschalten.

Ralf Tiemann

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2015-01-21 17:48
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