„Sie haben den Weg der Gemeinde geteilt und geprägt“

Superintendentin Martina Espelöer (Mitte) und die Vertreter des Presbyteriums zogen am Sonntag mit Pfarrer Werner Tiffert zu seinem letzten Gottesdienst in die Johanneskirche am Nußberg ein.
Superintendentin Martina Espelöer (Mitte) und die Vertreter des Presbyteriums zogen am Sonntag mit Pfarrer Werner Tiffert zu seinem letzten Gottesdienst in die Johanneskirche am Nußberg ein.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Superintendentin Martina Espelöer hielt die Ansprache zur Entpflichtung, die viele unter Tränen verfolgt haben.

Iserlohn..  So manche Träne ist am Pfingstsonntag in der bis auf den letzten Platz besetzten Johanneskirche am Nußberg geflossen. Grund dafür war der Abschied von Pfarrer Werner Tiffert, der im Rahmen des Gottesdienstes mehrfach Applaus und am Ende sogar stehende Ovationen erhielt. Ebenso beeindruckend wie bewegend gestaltete sich der Vormittag, der durch viel Musik geprägt war. So hatte Kantor Dr. Wolfgang Besler die Bach-Kantate „Erschallet, ihr Lieder“ ausgewählt. Dies beschrieb Presbyter Karl Schreiber als „tollen Auftakt für den Gottesdienst und das Pfingstfest“, einem Tag, an dem die Gemeinde eine wichtige Rolle habe: „Das Erleben heute hier ist nicht einmalig, aber bei uns eher selten.“

„Diese große Bühnekann ich nicht“

In seiner Predigt ging Tiffert nicht nur auf Kapitel 14 des Johannes-Evangeliums ein, sondern präsentierte auch einige persönliche Sichtweisen der vergangenen drei Jahrzehnte. Er träumt nach eigenen Angaben von einer „Kirche, über die man nicht spricht“, weiß aber, „dass Kirche auch anders sein muss, groß im Auftritt“. Und er gestand: „Diese große Bühne kann ich nicht.“

Ein wenig große Bühne musste er dann doch über sich ergehen lassen, denn Superintendentin Martina Espelöer verabschiedete den scheidenden Pfarrer. Sie zeichnete kurz den Weg des „jungen Vikars“ nach, der 1982 nach Iserlohn kam, zwei Jahre später geweiht wurde und von Beginn an „den Weg der Gemeinde geteilt und geprägt“ habe. Tiffert habe Vertrauen und Geduld in seine Arbeit getragen, sich in schwierigen Situationen als aufrichtig und wenn es sein musste, auch als unbeugsam präsentiert, sowie immer die Haltung der Fairness bewahrt. Die Kinder- und Jugendarbeit habe ihm ebenso am Herzen gelegen wie seine Tätigkeit als Sportbeauftragter, die Kirchenmusik – mit Orgelsommer am Nußberg und Sonntagskonzerten in Gerlingsen – ziehe sich wie ein roter Faden durch Tifferts Zeit.

Die Johannes-Gemeinde, so die Superintendentin, sei immer eng verwoben gewesen mit Haus Ortlohn. „Das war immer irgendwie Thema, der Verkauf hat sie hier alle in Mitleidenschaft gezogen.“ Nicht nur in diesem Zusammenhang habe Tiffert erlebt, wie aus kleineren Einheiten wieder größere wurden. Er habe jedoch die Veränderungen angenommen. Nachdem er sich im Herbst 2013 dafür entschieden habe, die „58er-Regel“ in Anspruch zu nehmen, habe er den Weg seines Abschiedes mit damit verbundenen schmerzhaften Entscheidungen bewusst gewählt.

Wie schwer „seiner“ Gemeinde der Abschied von ihrem Pfarrer fiel, wurde im Gottesdienst deutlich: Mitglieder aus Tifferts Familie, des Presbyteriums, des Chores und anderen rollten immer wieder Tränen über die Wangen. Und auch beim Empfang mit mehreren Hundert angemeldeten Gästen wurde deutlich, wie beliebt der jetzige Pfarrer im Ruhestand nach wie vor ist.