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Sibirische Kälte

Sibirische Kälte beeinflusst den Arbeitsalltag

03.02.2012 | 16:52 Uhr
Sibirische Kälte beeinflusst den Arbeitsalltag
Bei Minusgraden müssen Polizisten in den privaten Kleiderschrank greifen: Funktionsunterwäsche oder Schals beispielsweise gehören nicht zur Uniform. Foto: Katz

Iserlohn. Die eisigen Temperaturen, die seit einigen Tagen herrschen, machen Arbeiten im Freien nicht unbedingt zum Vergnügen. Doch was tun diejenigen, die zum Aufenthalt in der Kälte gezwungen sind?

Wenn für Andreas Schlarmann um 2.15 Uhr der Wecker klingelt, dreht sich sein erster Gedanke in diesen Tagen immer um die gleiche Frage: Wie kalt wird’s heute? Und wenn das Thermometer wie am Freitag minus 15 Grad anzeigt, sagt sich der langjährige Zeitungsbote: „Nicht lange zögern, ab in die dicken Sachen und raus in die eisige Kälte.

Der scharfe Wind, der die gefühlte Temperatur noch einmal um zehn Grad nach unten drückt, pfeift ihm besonders in seinem größten Bezirk im Iserlohner Norden um die Nase. Zwar fährt er die entlegenen Haushalte mit dem Wagen an, aber schon die wenigen Meter an der allzu frischen Luft haben es in sich. Und in der dunklen Nacht fällt die Quecksilbersäule gnadenlos weiter Richtung Minus-20-Grad-Marke. „Ohne Labello auf den Lippen, meine dicke Wollmütze und Handschuhe ist es dort nicht auszuhalten“, erzählt der 52-Jährige. Und doch sei bei dieser trockenen Kälte alles doch nur eine Frage der richtigen Kleidung und der Überwindung des „inneren Schweinehundes“. Schlimmer wäre es, so Schlarmann, wenn jetzt noch Schnee hinzu käme. „Mit der Kälte kann man umgehen, schwierig für uns wird es erst, wenn die Wege zum Leser von Schnee und Eis versperrt werden.

Postbote Christian Lewis schwört auf die aufklappbaren Fäustlinge, die wärmen und beim Einwerfen der Briefe kaum stören. Foto: Ralf Tiemann

„Ich habe ja wenigstens noch die Sonne, die ein bisschen wärmt“, erklärt Christian Lewis und lässt keinen Zweifel daran, dass er ein wenig Mitleid mit den Zeitungszustellern hat, die in nächtlicher Dunkelheit durch die Straßen gehen. Überhaupt ist der Postbote, der für einen von sechs reinen Fußzustell-Bezirken in Iserlohn zuständig ist, kein Mann, der angesichts der lausigen Kälte Jammer-Arien anstimmt. „Ich empfinde es momentan nicht als so schlimm“, erklärte er gestern gegen 10 Uhr an der Gartenstraße. Nach dem Briefesortieren, das schon um 5.45 Uhr startete, begann das etwa fünfstündige Zustellen an der frischen Luft für ihn gegen 8 Uhr. Und dass das momentan nicht so schlimm ist, hängt vor allem mit der relativen Windstille zusammen. Die Tage zuvor, als er gegen eisigen Wind ankämpfen musste, sei es deutlich schlimmer gewesen. Noch viel schlimmer sei der starke Schneefall in den vergangenen beiden Wintern gewesen. „Da sind wir schon an unsere Grenzen gekommen.“

Statt zu klagen, erfreut sich Christian Lewis also lieber an den positiven Seiten. So wird er ständig von netten Kunden auf einen Kaffee zum Aufwärmen hinein gebeten, was er aber immer ablehnt, eben um sich zwischendurch nicht aufzuwärmen. Außerdem weiß er die großartige Ausrüstung der Post zu schätzen: Jacke, Pullover, Schuhe – alles tipptopp. Und diese aufklappbaren Fäustlinge, die man nicht ausziehen muss, um Papier zu greifen, seien schlichtweg die beste Erfindung der Welt. Seine abschließende Bitte, auf diesem Wege bei den Kunden um Verständnis dafür zu werben, dass ein Brief derzeit auch mal im falschen Schlitz landen könne, „weil wir bei dieser Kälte einfach kein Gefühl mehr in den Fingern haben“, gibt einem dann aber doch zu denken – wahrscheinlich würde jemand anderes doch deutlich mehr über die Kälte jammern als der hartgesottene Lewis.

Polizisten setzen auf private Kleidungsstücke

Anders als der Post-Mitarbeiter sind die Polizisten, die im Streifendienst eingesetzt werden, nicht zufrieden: Funktionsunterwäsche gibt es für sie gar nicht mehr, die blauen Uniformen sind längst nicht für Minusgrade geeignet. So tragen die Beamten meist mehrere Lagen Bekleidung übereinander. Polizeikommissarin Reich zählt auf: „Ich trage heute Wollsocken, Hose mit Windschutz, Rolli, Pulli, Schutzweste und Winterparka mit Innenfutter, außerdem private Skiunterwäsche.“ Ohne diese „Vermummung“ sei eine Acht-Stunden-Schicht mit Außeneinsätzen von ungewisser Länge nicht auszuhalten. Die meisten rüsten noch mit privat angeschafften Handschuhen und Schals nach, allerdings ist dies eigentlich nicht erlaubt. Doch so lange das, was nicht zur Uniform gehört, nicht sichtbar ist, wird auch kein großes Aufheben darum veranstaltet. Die Kopfbedeckung variiert derzeit zwischen der Wollmütze der Gewerkschaft der Polizei und einer Uniformmütze mit herunterklappbaren Ohrenschützern. Für den Notfall, so Polizeikommissarin Griese, trägt sie immer Taschenwärmer bei sich. Heißgetränke in den Dienstwagen mitzunehmen, funktioniere nicht.

Rolf Müller, als gelernter Gas- und Wasserinstallateur bei den Stadtwerken Iserlohn tätig im Bereich Rohrnetz, hat es da ein wenig besser: „Ich habe immer eine Thermoskanne mit Kaffee dabei, außerdem haben wir im Wagen eine Standheizung, so dass wir uns aufwärmen können.“ Rohrbrüche seien bei der derzeitigen Witterung am schlimmsten, denn „die müssen ja sofort behoben werden und können sich zeitlich hinziehen“. Größere Schadensfälle haben die Stadtwerke übrigens bis dato nicht zu beklagen.

Eine lange Unterhose unter der blauen Arbeitshose, T-Shirt, Pulli, Weste und dicke Jacke gehören zurzeit zum täglichen Outfit Müllers, der am Freitag nicht lange im Freien zu tun hatte. „Wir haben an einer Innenverbindung in einem Keller in Hennen gearbeitet“, erzählte er. In dieser Woche hat er, wie alle Kollegen im Außendienst, von seinem Arbeitgeber zusätzlich eine warme, längere Mütze bekommen.

Stefan Janke, Ralf Tiemann und Jennifer Katz

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Kommentare
03.02.2012
21:38
Sibirische Kälte beeinflusst den Arbeitsalltag
von rbiserlohn | #1

Über was sich die Damen auf obigen Foto Beschweren, ist mir Schleierhaft. Sitzen doch überwiegend im Warmen Streifenwagen.
Fragen sie einmal Menschen wie z.b, Mitarbeiter der Abfallendsorgung, Dachdecker, Landschaftsgärtner, Strassenbauer, Bauhandwerker, usw. die können etwas über Kälte Erzählen, aber nicht die Damen dort oben.

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