Senior aus Iserlohn missbraucht siebenjährige Enkelin

Was wir bereits wissen
71-jähriger Rentner zu Haftstrafe verurteilt. Opferanwalt: „Er ist kein klassischer Pädophiler“

Iserlohn/Hagen..  Die 1. Große Strafkammer am Landgericht Hagen verurteilte am Mittwoch einen 71-jährigen Iserlohner wegen sexuellen Missbrauchs an einer Siebenjährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten.

Anders als bei seiner letzten Verurteilung vor dem Iserlohner Jugendschöffengericht, wo er bereits wegen Kindesmissbrauchs in sechs Fällen verurteilt worden war, wurde die Strafe diesmal aber nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt.

Im Kinderschlafzimmer, auf dem Spielplatz und im Auto auf dem Weg zum Reiterhof belästigte der Stiefgroßvater die siebenjährigen Schülerin. Er hatte sie im Herbst und Winter 2013 in der Freizeit stundenweise beaufsichtigt und diese Gelegenheiten für den Missbrauch des Kindes genutzt, das er manchmal mit Präsenten und Ausflügen verwöhnte.

Bei den Übergriffen schob er nach eigenen Angaben die Kleidung weg und berührte das Mädchen immer wieder im Intimbereich. Auch zaghafte Proteste habe er ignoriert, gab er auf Nachfragen des Gerichtes zu. Das Kind hatte sich seiner Mutter anvertraut, die den Mann anzeigte und seither den Kontakt zu ihm abgebrochen hat.

Wie oft und wie intensiv die Übergriffe im Zeitraum von August bis Dezember 2013 waren, konnte in dem mehrtägigen Prozess nicht aufgeklärt werden, in dem sich der 71-Jährige nach einer Verfahrensabsprache zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung zu einem Geständnis durchrang. Deshalb blieben von ursprünglich acht Übergriffen drei übrig.

Pluspunkte hatte der Mann zudem sammeln können, weil er durch sein Geständnis seiner Enkelin die peinliche Aussage vor Gericht ersparte. Richter Marcus Teich kreidete ihm jedoch an, dass er die Warnfunktion der letzten Verurteilung nicht ernst genommen habe. Er erkannte Parallelen zu den sexuellen Übergriffen auf zwei Mädchen in der Zeit zwischen 2003 und 2006.

Für Rechtsanwalt Roland Pohlmann ist der 71-jährige Iserlohner „ein ganz einsamer Mann, aber kein klassischer Pädophiler“, auch wenn er sich bereits zum wiederholten Male wegen Kindesmissbrauchs vor Gericht verantworten musste. Der Vertreter des Opfers schloss sich der Forderung der Vertreterin der Staatsanwaltschaft an, die auf eine zweijährige Haftstrafe ohne Bewährung plädiert hatte. Staatsanwältin Ina Pavel kritisierte: „Er hat sich gezielt ein Opfer ausgesucht, das aus schwierigen Verhältnissen stammt.“

Wie es dem Kind geht? „Sie hat Angst, dass so etwas noch mal passiert“, berichtete die 29-jährige Mutter vor Gericht. „Sie ist aggressiv Männern gegenüber. Die schulischen Leistungen haben nachgelassen.“ Eine Verhaltenstherapie habe sie aber nach zwei Sitzungen abgebrochen, weil sie als alleinerziehende Mutter Schwierigkeiten gehabt habe, die Termine mit ihrem Kind wahrzunehmen.

Gutachterin Cornelia Orth attestierte Verhaltensaufälligkeiten bei dem Kind, das ohne stabile männliche Bezugsperson aufwächst und sich dem Angeklagten in Ermangelung einer Vaterfigur zugewandt hatte – auch weil er ihr viele Freizeitbeschäftigungen geboten hatte. Die Diplom-Psychologin hielt das Kind für glaubwürdig, das keinen Grund gehabt habe, den Großvater falsch zu belasten.