„Scrap Arts Music“: So gut kann Schrott klingen

Avantgardistische Kompositionen auf ungewöhnlichen Klangkörpern bot die Formation „Scrap Arts Music“ im  Parktheater.
Avantgardistische Kompositionen auf ungewöhnlichen Klangkörpern bot die Formation „Scrap Arts Music“ im Parktheater.
Foto: Michael May IKZ
Was wir bereits wissen
Kanadische Trommelkünstler lassen Parktheater-Publikum mit ungewöhnlichen Instrumenten staunen

Iserlohn..  Unglaublich, was für eine Klangvielfalt aus recyceltem Metall- und Plastik-Schrott, aus ausrangierten Kupplungen, Bewässerungsschläuchen oder PVC-Röhren herauszuholen ist. Die kanadische Formation „Scrap Arts Music“ verbindet Schrottteile, Künste und Musik zu einem interdisziplinären Percussion-Musik-Entertainment, das seinen Mitgliedern neben musikalischer Virtuosität auch körperliche Höchstleistungen abverlangt. Ihr bejubelter Auftritt am Sonntag im ausverkauften Parktheater bot spektakuläre avantgardistische Kompositionen auf ungewöhnlichen Klangkörpern mit neuartigen Schlag- und Streichinstrumenten.

145 selbst gebaute skulpturenartige Instrumente

Mit ähnlichen Experimenten setzte bereits die amerikanische Künstlergruppe „Blue Man Group“ oder die britische Percussion-Band „Stomp“ Performance-Maßstäbe. Aber was die Kanadier hier auf die Bühne brachten, war auch durch die ungeheure Vielzahl der immerhin 145 selbst gebauten skulpturenartigen Instrumente, etwas Besonderes.

Ihr Leiter Gregory Kozak schuf für diese Show aus ausrangierten Industrie- und Freizeitprodukten nicht nur klanglich originelle Instrumente, sondern durch die Bearbeitung mit der Flex oder Schweißgerät oder der Verbindung mit anderen Elementen auch optisch ansprechende Metall-Objekte, wie die Trommeln mit abgestuftem Aluminiumkörper, die sich im Stand drehen lassen, durch bestimmte Schlagtechniken unterschiedlichste Frequenzen erzeugen. Am abgefahrensten wirkte das „Mojo“, ein Instrument aus dem Mast eines Surfbretts mit Stahlbecken, roten Luftballons, Holz und Aluminium-Resten sowie Klavier und Basssaiten, das der Experimentalmusiker Gregory Kozak meditativ zupfend bespielte, bis seine Mitspieler trommelnd auf Edelstahlblechen einstiegen und ihn mitrissen.

Mit dem dynamischen Schwingen und Herumwirbeln von Schläuchen und Aluminium-Spiralen entführten die Musiker ihr Publikum in scheinbar übersinnliche Tonsphären und bereiteten den Boden für ein dynamisches Kraftwerk aus pulsierenden, manchmal auch aggressiven Rhythmen. Die fünf Perkussionisten bespielten ihre Instrumente mit ungeheurer Energie und sichtbarer Spielfreude, was besonders in dem Trommelsolo-Wettbewerb zum Ausdruck kam. Was sie mit ihren variantenreichen Spieltechniken aus den mobilen Musik-Skulpturen rausholten, das sorgte immer wieder Staunen und begeisterte Zwischenrufe.

Das gilt auch für die ausgeklügelte Lichtregie, die raffinierten Kostüme und die komplexe Choreographie von Gregory Kozak und Justine Murdy, unter deren Regie die absolut perfekt aufeinander eingespielte Truppe suggestive Bilder für Auge und Ohr erzeugte. Das begeisterte Publikum forderte der begnadeten Truppe mehrere Zugaben ab.