Schwache Komödie, witziges "Nah dran"
23.04.2007 | 14:27 Uhr 2007-04-23T14:27:59+0200Iserlohn. (kat) Die Boulevardkomödie "Ein Mädchen zum Verlieben" erwies sich am Sonntag im Parktheater als etwas zähe Unterhaltung. Aber immerhin noch Unterhaltung.
Die Geschichte von Neil Simon handelt von dem genialen Schriftsteller Andrew (Jochen Schroeder), der sich mit seinem Verleger Norman (Rolf Berg) eine Wohnung zum Leben und Arbeiten teilt. In ihr ruhiges und armes Leben schneit Sophie (Insa M. Steinhaus) herein, die neue blonde Nachbarin. Ein unglaublich amerikanisches Mädchen: überfreundlich, bodenständig, fest liiert mit einem heldenhaften Soldaten und fest auf Flagge und Vaterland eingeschworen. Andrew ist von der ersten Sekunde an hingerissen und entwickelt sich zu einem regelrechten Stalker, der ihren Balkon streicht, die Wohnung putzt und sie auf Schritt und Tritt beobachtet. Verrückt vor Liebe bringt er Sophie schließlich um ihren Job. Norman hat schließlich die Idee, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Er engagiert Sophie, um sie zu entschädigen, und um Andy wieder an den Schreibtisch zu locken. Damit waren die Turbulenzen aber noch lange nicht zu Ende, es ging weiterhin um Menschen, die man "gut riechen kann", um Gefühle und echte Männerfreundschaft.
Leider spielte das Schauspieler-Trio unter der Regie von Britta Kohlhaas besonders in den ersten zwei Akten vor der Pause geradezu hölzern und holprig, die Dialoge in der ohnehin etwas schwachen Komödie wirkten sehr auswendig gelernt. Einzig Rolf Berg zeigte eine akzeptable Schauspielkunst und gewann die Gunst des Publikums - und er hatte seine Rolle auch noch kurzfristig übernommen. Insa M. Steinhaus hatte eine undankbare Rolle, ihr etwas hohler Charakter brillierte vor allem durch sexy Auftritte. Auch sprachen die Darsteller oft zu leise. So blieben dann nach der Pause einige Plätze im Theater leer. Die weiteren drei Akte gerieten etwas besser, endlich war etwas Schwung in der Aufführung zu spüren.
Redaktionsleiter Thomas Reunert führte dann wie gewohnt souverän und mit viel Witz durch die anschließende Talkrunde "Nah dran" mit allen drei Darstellern, präsentiert von der Privatbrauerei und der Heimatzeitung. Das Topthema war natürlich "Die Schwarzwaldklinik", die Serie, die Jochen Schroeder in den 80er Jahren als "Pfleger Mischa" berühmt machte. Er glaube nicht, dass es eine weitere Fortsetzung geben werde, verriet er Thomas Reunert, allein schon wegen des Todes von Eva Maria Bauer: "Pfleger Mischa ohne Oberschwester Hildegard, das geht überhaupt nicht!"
Das Publikum lernte auch, dass "Insa" ein friesischer Name und die Abkürzung für viele Vornamen mit I sei: "Ingeborg, Iserlohn . . .". Von Rolf Berg erfuhr man, dass für den Dreh einer Folge der Serie "Anrheiner", in der er den "Josef Krings" spielt, drei Tage benötigt werden. Mit etwas Fußballgeplänkel endete dann "Nah dran", Jochen Schroeder und Thomas Reunert kündigten noch an, dass der Schauspieler fast genau in einem Jahr wieder in Iserlohn sein wird: Am 19. April 2008 spielt er in "Mitten ins Herz".
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