Schunkeln im Regen mit einem Lächeln

Frohe Weihnachten wünschten mit einem Programm irgendwo zwischen Besinnlichkeit und kabarettistischem Gestus Patricia Vivanco und Stefan Janke auf dem Alten Rathausplatz.
Frohe Weihnachten wünschten mit einem Programm irgendwo zwischen Besinnlichkeit und kabarettistischem Gestus Patricia Vivanco und Stefan Janke auf dem Alten Rathausplatz.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Mittlerweile ist es schon fast Tradition geworden, dass Entertainer Stefan Janke zum Abschluss des Weihnachtsmarktes auf dem Alten Rathausplatz auftritt. Diesmal hatte er sich mit der Sopranistin Patricia Vivanco musikalische Unterstützung dazugeholt.

Iserlohn..  Ein Engelchen und ein Teufelchen zu Heiligabend: Nach gut fünf Jahren Pause kehrten Stefan Janke und Patricia Vivanco als „The Beast and the Beauty“ in Iserlohn auf die Bühne zurück. Schon vor den ersten Takten drängeln sich gegen 13 Uhr Hunderte von Zuschauern vor dem Alten Rathaus.

Und die Rollen der beiden Protagonisten sind dann auch gleich von Beginn an klar verteilt: Während Vivanco im Stil einer klassischen Diva oben auf der Bühne die „Grande Dame“ gibt, ist Janke der Mann fürs Grobe, der die Nähe zum Publikum sucht, über die Bühne tobt, taumelt, tänzelt und parliert, dabei stetig witzelnd, oftmals frivol-provokant, irgendwo zwischen Clown, Tanzbär und ernsthaftem Sinatra-Wiedergänger.

Vor der Bühne wogt ein Meer aus Regenschirmen

Los geht das etwa anderthalbstündige Konzert mit „Life is a Cabaret“, ein Stück weit programmatisch für das, was da kommen wird, nämlich eine musikalisch bunte Mischung aller Stile. Vor der Bühne wogt dazu unter dem andauernden Nieselregen ein Meer aus Regenschirmen.

Bei „Something stupid“, bekannt geworden durch Frank Sinatra und seiner Tochter Nancy, stimmt das Publikum erstmals lautstark ein, eine Gruppe von Besuchern mit eigentümlichen Kopfbedeckungen, Rentiere, Drahtkonstruktionen und Schnapsgläser an den Mützen, tut sich hier besonders hervor.

Ein bisschen deplatziert wirkt Vivanco bisweilen auf der Bühne, will sie doch im eleganten schwarzen Kleid nicht so ganz zu der Stall-Optik passen, die durch die Heuberge auf der Bühne entsteht, die dort noch von der Krippe liegen, die sich hier noch bis zum Vortag befand. Besser fügt sich da schon ihr feiner Soprangesang ein, mit dem sie an diesem Tag bei ihren Solo-Stücken überwiegend den besinnlichen Teil des Konzertes bestreitet. Doch auch Rock-Songs, etwa von Evanescence, zählen zum Repertoire.

Es folgt der Weihnachtsklassiker „Let it snow“, gut gemeint, doch bleibt der Wunsch der Musiker unerhört, der Regen prasselt weiter unbarmherzig auf Schirme und Kapuzen. So werden bei dem Duett „Endless Love“ dann auch die Regenschirme anstatt von Feuerzeugen geschwenkt. Glühwein sorgt bei den Besuchern trotz der unweihnachtlichen Witterung für sichtbares und bei „Que sera, sera“ auch für hörbar wohliges Befinden.

Es folgt unter anderem eine Hip-Hop-Variante von „Stille Nacht“, bei der Janke annähernd sämtliche Rap-Klischees in Kurzform durchdekliniert, Gestik und Mimik, „Yo, Yo, Yo“-Gebrabbel inklusive. Vivanco ist dann zumeist diejenige, die musikalisch den Bogen zurück zu den klassischen Weihnachtsliedern findet und spannt.

Gehuldigt wird an Heiligabend auch den beiden in den vergangenen Tagen verstorbenen Udo Jürgens und Joe Cocker. Für das ironiefrei vorgetragene „Merci Cherie“ rückt Janke seinen Hocker ganz nah ans Publikum. Von Cocker gibt es später noch im Duett „Up where we belong“ zu hören. Ein weiterer Höhepunkt ist das von Janke vorgetragene „Ohne Dich“ von Selig, vielleicht der deutschsprachige Herzschmerz-Rock-Song der 90er Jahre.

Der Abschluss des Konzertes gerät dann mit einem Rammstein-Stück krachend-lautstark. Aus „Hier kommt die Sonne“ wird hier passend zu Wetter und Anlass allerdings „Hier kommt der Heiland“.