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Schulstart trotz Schweinegrippe am kommenden Montag

11.08.2009 | 20:54 Uhr

Düsseldorf/Lüdenscheid/Iserlohn. Die Sommerferien werden nicht verlängert, das neue Schuljahr beginnt in Nordrhein-Westfalen am kommenden Montag, 17. August.

Diese Entscheidung verkündete NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann gestern nach einer Beratungsrunde mit einer unabhängigen Pandemie-Expertenkommission im Landes-Gesundheitsministerium. Die Überlegungen, den Schulstart aufgrund des grassierenden H1N1-Virus um zwei Wochen zu verschieben, bezeichnete die Expertenkommission mit einem klaren Votum als „unverhältnismäßig”.

Einige Stunden vor der Bekanntgabe dieser Entscheidung waren in Lüdenscheid sämtliche Schulleiter des Märkischen Kreises zu einer „zentralen Belehrung” des Kreisgesundheitsamtes im Geschwister-Scholl-Gymnasium zusammen gekommen. Dort wurden sie darüber informiert, wie durch verbessertes Hygieneverhalten eine Ausbreitung der Neuen Grippe in Schulen verhindert oder zumindest eingegrenzt werden kann. „Wir werden unsere Hygienemaßnahmen steigern, beispielsweise durch die vermehrte Bereitstellung von Seife und Handtüchern, wenn möglich in den Klassenräumen selbst. Außerdem soll auf Händeschütteln verzichtet und Anniesen vermieden werden”, beschreibt Gerhard Müller-Frerich, Schulleiter des Märkischen Gymnasiums, die Präventiv-Maßnahmen am MGI. Am Freitag wird das Lehrerkollegium dort detailliert über Hygienemaßnahmen informiert, um sie am ersten Schultag im Klassen- oder Stufenverband an die Schüler zu vermitteln.

Generell gilt: Wer unter Grippesymptomen leidet, ist verpflichtet, zu Hause zu bleiben. Auch wenn es einen Verdachtsfall in der Familie gibt. „Das gilt für Schüler genauso wie für Lehrer”, erläutert Gerhard Müller-Frerich, der zudem ankündigte ein Informationspapier für die Eltern zusammenstellen zu wollen.

Ähnliche Präventiv-Maßnahmen kündigte Bernhard Ingelbach, stellvertretender Schulleiter des Berufskollegs des Märkischen Kreises an der Hansaallee, für seine Schule an. „Wir werden in jeder Pause Stoßlüften und empfehlen, auf Begrüßungsrituale zu verzichten. Darüber hinaus wird der Hausmeister angewiesen, ständig zu kontrollieren, ob ausreichend Seife und Einweghandtücher bereit stehen”, so Ingelbach. Lobende Worte fand er zudem für den Ablauf der Informationsveranstaltung in Lüdenscheid: „Es gab zunächst eine Powerpoint-Präsentation und anschließend eine sehr informative Fragerunde, in der beispielsweise aufgeklärt wurde, wie die Krankheit zu erkennen ist und wie sie verläuft”, beschreibt er die gewonnenen Informationen, die er am Donnerstag im Rahmen einer Konferenz an das Kollegium weitergeben wird.

Ähnlich ist auch die Verfahrensweise an der Südschule. Auch hier sollen zunächst die Lehrer und anschließend über sie die Schüler über Präventionsmaßnahmen informiert werden. Darüber hinaus setzt Schulleiterin Erika Groh darauf, die Grundschüler möglichst praxisnah mit den neuen Anforderungen vertraut zu machen: „Wir werden den Kindern das praktisch vor Augen führen. Ich bin sicher, sie werden die Sache verstehen”, so Erika Groh. So soll beispielsweise das Frühstück während der Frühstückspause nicht „komplett über die Tische ausgebreitet werden”.

In einem Punkt sind sich die Schulleiter völlig einig: Die Entscheidung, den Schulbeginn nicht zu verschieben, ist die einzig richtige. „Natürlich ist Vorsicht geboten, aber andere Massenveranstaltung finden ja auch weiterhin statt, außerdem ist nicht davon auszugehen, dass die Schüler dann wirklich zu Hause bleiben, sondern auch in ihrer Freizeit am öffentlichen Leben teilnehmen”, so Gerhard Müller Frerich. „Wir haben bisher ,nur' 34 H1N1-Fälle im Märkischen Kreis mit zumeist äußerst mildem Verlauf. Eine Verlängerung der Ferien wäre eine zu radikale Maßnahme mit einem nicht adäquaten Nutzen”, sieht Bernhard Ingelbach die Sache ähnlich. Für ihn kommt eine temporäre Schulschließung erst in Betracht, „wenn es tatsächlich zu zahlreichen Infektion von Schülern gekommen ist”. Bei einer gewissen Anzahl von Fällen in einer Klasse, kann sich Gerhard Müller-Frerich auch vorstellen, „nur diese Klasse vom Schulbetrieb freizustellen”. Lobende Worte hat er für die Art der Entscheidungsfindung parat: „Es ist gut, dass es eine zentrale Entscheidung gibt, die von Fachleuten getroffen wurde”, so der MGI-Schulleiter.

Maßnahmenkatalog zwingt KIM zum Kraftakt 

Die Entscheidung, am geplanten Schulbeginn festzuhalten, bezeichnet auch Katrin Brenner, Betriebsleiterin des Kommunalen Immobilienmanagements (KIM), als „völlig richtig”. Bei der Tagung in Lüdenscheid wurde allerdings ein Maßnahmenkatalog verkündet, der einen enormen Organisationsaufwand mit sich bringt. „In jedem Klassenraum sollen ein Flüssigseifespender und Papierhandtücher vorhanden sein”, erläutert Katrin Brenner, die daher 1200 Spender bestellt hat. Sie werden am Freitag, ebenso wie die Handtücher, an die Hausmeister der Schulen ausgegeben.

Der Maßnahmenkatalog regelt zudem die Lagerung der Spender: „Sie müssen vom Lehrer beispielsweise im Pult eingeschlossen werden, damit die Schüler damit keinen Unfug machen”, erläutert Katrin Brenner. Darüber hinaus müssen Türklinken und Handläufe täglich vom Reinigungspersonal desinfiziert werden. „Diese Maßnahmen in den wenigen verbleibenden Tagen auf den Weg zu bringen, wird ein Kraftakt”, weiß Katrin Brenner.

Alexander Althöfer

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Kommentare
12.08.2009
09:26
Blockierter Kommentar.
von Thomas.Lau | #2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

12.08.2009
09:26
Schulstart trotz Schweinegrippe am kommenden Montag
von Caupano | #1

Da fragt man sich nur, wie sich die Schüler in den Pausen die Hände waschen sollen, wenn die Seifenspender eingeschlossen werden. Und dass 30 Schüler in einer Unterrichtsstunde von 45 Minuten allesamt ihre Hände waschen kann ja keiner wollen, der noch Unterricht machen will.
Wieder mal ein schönes Beispiel wie die Angst davor, dass jemand etwas missbrauchen könnte (und WAS soll wohl schlimmes passieren, wenn die Schüler mit Seife Unfug treiben?) eine vernünftige Regelung vollkommen ad absurdum führt.

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