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Kampf gegen Kinderlähmung

Sammelaktion der Rotarier

26.10.2009 | 16:49 Uhr
Sammelaktion der Rotarier

Iserlohn. Zu 99 Prozent ist die Kinderlähmung weltweit bereits ausgerottet. „Aber dieses eine Prozent”, so Dr. Thomas Keienburg, „ist das schwerste im Kampf gegen Polio.”

Iserlohn. (tol)

Und weil zudem auch hierzulande, so machte sein Kollege Dr. Joachim Köhne deutlich, die Gefahr einer Erkrankung damit noch nicht gebannt ist, beteiligten sich am Samstag die beiden Iserlohner Rotary-Clubs mit Ständen in der Fußgängerzone am bundesweiten Rotarier-Aktionstag „Kampf gegen Kinderlähmung”.

„Polio ist so ein bisschen in Vergessenheit geraten, weil es nur für eine Kinderkrankheit gehalten wird und die beiden letzten Fälle in Deutschland 17 Jahre zurückliegen”, sagte Dr. Köhne vom Rotary-Club Iserlohn. Seinerzeit war der Virus aus Holland eingeschleppt worden. Die 1985 von Rotary International ins Leben gerufene Initiative zur Polio-Ausrottung, der sich drei Jahre später die Weltgesundheitsorganisation WHO und Unicef anschlossen, hat zwar dazu geführt, dass die Zahl der Neuinfektionen von 350 000 weltweit im Jahr 1988 auf 1473 im vergangenen Jahr gedrückt werden konnte. „Betroffen sind jetzt noch wenige Gebiete in Indien, Pakistan, Afghanistan und vor allem in Nigeria”, sagte Dr. Keienburg, der sich beim Rotary-Club Iserlohn-Waldstadt um das Thema kümmert.

Doch durch die „rege Reisetätigkeit”, so Dr. Köhne, sei nicht auszuschließen, dass der Virus sich weiter verbreitet und dann auch wieder seinen Weg nach Deutschland findet. Deswegen bedauert es der Allgemeinmediziner auch, dass auf Empfehlung der Ständigen Impfkommission vor zwei Jahren die Auffrischungsimpfung aus dem Katalog der Krankenkassen genommen wurde. „Übernommen werden jetzt nur noch die Kosten für die Grund- und Basisimmunisierung bei kleinen Kindern und dann zwischen dem 11. und 15. Lebensjahr sowie von einigen Kassen für eine Reiseimpfung bei Erwachsenen.” Auch wenn die Kinderlähmung ihren Namen daher hat, dass sie vor allem beim Nachwuchs auftritt, können auch Erwachsene sich mit dem Virus infizieren, der alle Muskeln und damit schlimmstenfalls auch die Atemmuskulatur betreffen kann. „Eine Therapie gibt es nicht, die einzige Möglichkeit, dem Herr zu werden, ist deswegen die Prophylaxe.” Und die ist nicht nur ohne Nebenwirkungen, sondern auch ausgesprochen günstig: Eine Impfampulle kostet 50 Cent.

Die kompletten Spendengelder, die die Rotarier am Samstag sammelten, werden vollständig für Impfaktionen in den noch betroffenen Ländern eingesetzt. Einzige kleine Ausnahme: Bei der auch jetzt noch weiterhin möglichen Spende von fünf Euro per SMS mit dem Text „Polio” an die 81190 fällt neben den normalen SMS-Kosten eine Bearbeitungsgebühr von 17 Cent an. Groß war am Samstag nicht nur das Informationsdefizit über Kinderlähmung - und übrigens auch über die Schweinegrippe-Impfung (Dr. Köhne: „Jeder Zweite fragt danach”), sondern auch die Spendenbereitschaft der Menschen: Insgesamt 1400 Euro kamen zusammen.

Dabei hätten sich die Waldstadt-Rotarier an ihrem „Stammplatz” für den adventlichen Mistel-Verkauf an der Wasserstraße gern noch etwas mehr Trubel gewünscht, während am bekannten „Treff am Markt” des Rotary-Clubs Iserlohn mit dem beliebten Waffel-, Kuchen- und Kaffeeverkauf die ganze Zeit über große Betriebsamkeit herrschte. Dass jeder einen eigenen Stand machte, war übrigens ein Rat des Rotarier-District Governors, damit noch mehr Menschen erreicht werden. „Wir marschieren getrennt, aber schlagen gemeinsam im Kampf gegen Kinderlähmung”, sagte Dr. Köhne schmunzelnd. Gemeinsam wurde dann auch die Spendensumme noch mal aus eigenen Mitteln verdoppelt: „Nachdem die Hemeraner Rotarier das so für ihre Aktion angekündigt hatten, haben wir gern nachgezogen.”

Torsten Lehmann

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