Rolf Ewert: Alle Begabungen nutzen

Rolf Ewert stellte am Dienstag in der Turnhalle der Südschule Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Sekundarschule und Gesamtschule vor.
Rolf Ewert stellte am Dienstag in der Turnhalle der Südschule Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Sekundarschule und Gesamtschule vor.
Foto: Michael May IKZ
Was wir bereits wissen
Ewert appellierte an die Eltern, die Entscheidung zwischen Sekundarschule und Gesamtschule nicht davon abhängig zu machen, dass die eine Schulform eine eigene Oberstufe habe und die andere nicht.

Iserlohn..  Langsam wird es ernst! Am Dienstagabend fand in der Turnhalle der Südschule die dritte Informationsveranstaltung zur Wahl der weiterführenden Schule für das Schuljahr 2015/2016 statt. Genauer gesagt, die Eltern wurden insbesondere über zwei mögliche neue Schulen - die Sekundarschule am Hemberg und die Gesamtschule am Bömberg - informiert. Die Sekundarschule am Hemberg würde Realität, wenn im Rahmen des vorgezogenen Anmeldeverfahrens vom 31. Januar bis zum 5. Februar mindestens 75 Kinder für diese Schule angemeldet werden. 100 Anmeldungen sind im Rahmen dieses Verfahrens für die Gesamtschule Bömberg notwendig, um auch diese Schule Realität werden zu lassen. Rund 60 Personen nahmen an der Informationsveranstaltung teil.

Längeres gemeinsames Lernen ermöglichen

Der frühere Leiter der Gesamtschule Nußberg, Rolf Ewert, stellte bei der Informationsveranstaltung beide Schulformen - Sekundarschule und Gesamtschule - vor. Ewert sagte, die Schulform Hauptschule kranke an allen Ecken und Enden. Ohne sie funktioniere aber das bisherige dreigliedrige Schulsystem aus Hauptschule, Realschule und Gymnasium nicht mehr. Daher solle es für Iserlohn neue inte­grierte Schulen geben, die längeres gemeinsames Lernen ermöglichen. Hauptmerkmale solcher integrierten Schulen seien, dass diese für alle Schüler geeignet seien und der spätere Schulabschluss offengehalten werde. Alle Begabungen sollten genutzt und Vielfalt als Chance begriffen werden. Das Prinzip „fördern und fordern“ finde Anwendung, unter dem Stichwort Individualisierung würden Stärken und Schwächen der Schüler berücksichtigt.

So werde ab Klasse 7 in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Naturwissenschaften in getrennten Kursen unterrichtet. G-Kurse auf Grundniveau, E-Kurse auf Erweiterungsniveau. Die übrigen Fächer gäbe es als Klassenunterricht. „Jedes Kind soll entsprechend seiner Möglichkeiten und seiner Geschwindigkeit lernen können“, sagte Ewert. Lernen im Team und eigenverantwortliches Lernen stellte Ewert als weitere Merkmale der integrierten Schulen dar. Er betonte, dass alle diese Punkte sowohl auf die Gesamtschule am Bömberg als auch auf die Sekundarschule am Hemberg zuträfen, an beiden Schulen werde auch nach gymnasialen Standards unterrichtet. Das ermögliche es sowohl Gesamt- als auch Sekundarschülern, bei entsprechendem Abschluss (Fachoberschulreife plus Qualifikation) eine dreijährige Oberstufe mit Abschluss Abitur zu besuchen. Einziger Unterschied, so Ewert, sei es, dass Sekundarschüler dazu in Ermangelung einer eigenen Oberstufe die Schule wechseln müssten. Dafür gebe es aber Partnerschulen, die zur Aufnahme dieser Schüler verpflichtet seien. Bei der Sekundarschule Hemberg gebe es bereits Verträge mit dem benachbarten Märkischen Gymnasium und der Gesamtschule Nußberg. Es sei aber auch der Wechsel zu anderen Schulen mit gymnasialer Oberstufe möglich.

Ewert appellierte an die Eltern, die Entscheidung zwischen Sekundarschule und Gesamtschule nicht davon abhängig zu machen, dass die eine Schulform eine eigene Oberstufe habe und die andere nicht. Vielmehr sollte die Entscheidung vom Schwerpunkt der Schule abhängig gemacht werden. Zumal bei der angedachten Vierzügigkeit für die Gesamtschule Bömberg dort nicht die allergrößten Differenzierungsmöglichkeiten in der Oberstufe zu erwarten seien.

Und das sind die Schwerpunkte: Sekundarschule Hemberg Weltoffenheit und Internationalität, Neugier auf das Fremde und Fremdsprachen. Gesamtschule Bömberg MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften) und Technik.

Fehlende Oberstufe muss kein Nachteil sein

Christian Pätzold, Leiter der Dortmunder Sekundarschule Westerfilde (Reinoldi-Sekundarschule), stellte gemeinsam mit vier Schülerinnen und Schülern das Konzept seiner Schule vor. Der immer wieder betonte Unterschied, dass die Sekundarschule im Vergleich zur Gesamtschule über keine eigene Oberstufe verfügt, sieht er nicht als Nachteil, Pätzold macht sogar Vorteile aus: Sekundarschüler konnten sich später eine Oberstufe an der Schule wählen, die ihren bis dahin erkannten Begabungen und Schwerpunkten oder sogar dem geäußerten Berufswunsch besonders entgegenkomme. Das könne beispielsweise auch die Oberstufe an einem Berufskolleg sein.

Einen deutlichen Unterschied arbeitete Pätzold im Vergleich zur in Iserlohn angedachten Sekundarschule heraus. In seiner Schule werde weniger auf getrennte Kurse gesetzt, um Lernunterschiede auszugleichen. Dafür gebe es beispielsweise differenzierte Klassenarbeiten mit unterschiedlich schweren Aufgaben. Und es gebe Förderunterricht. Außerdem spiele die Beratung eine große Rolle, dazu dienten etwa Lernentwicklungsgespräche. Im Projektunterricht könnten zudem individuelle Themen aufgegriffen werden. Neben Förderung und Beratung stehe aber auch die Leistung im Blickpunkt.

Und was ist mit den übrigen Schulen? Es gibt nicht nur das vorgezogene Anmeldeverfahren für die Gesamtschulen Nußberg und Bömberg sowie die Sekundarschule Hemberg. Vom 18. Februar bis zum 24. Februar läuft das Anmeldeverfahren an den anderen weiterführenden Schulen, also den drei Gymnasien in Iserlohn und Letmathe sowie der Haupt- und der Realschule in Letmathe.