Regenbogen über Iserlohn
05.09.2010 | 17:23 Uhr 2010-09-05T17:23:00+0200
Iserlohn.Iserlohn. „Alle Achtung, ganz schön gewachsen“, entfuhr es dem Vorsitzenden der schwul-lesbischen Initiative im Märkischen Kreis (SLIMK), Uwe Schwartpaul, am Samstagmittag bei der Eröffnung des zehnten Christopher Street Days (CSD) auf dem oberen Schillerplatz. Und angesichts der erfolgreichen Geschichte des CSD in Iserlohn hagelte es zum Jubiläum Lob und Anerkennung von allen Seiten.
Als vor neun Jahren ebenfalls Anfang September der erste CSD in Iserlohn über die Bühne ging, hatte die SLIMK noch deutlich kleinere Brötchen gebacken. Ort des Geschehens war der Grüner Weg, als Bühne diente eine Lkw-Rampe, und mit rund 1500 Gästen war der Zuspruch zwar enorm, mit dem heutigen Andrang, der auch am Samstag die 3000er-Marke wieder deutlich durchbrach, aber nicht zu vergleichen. Längst hat er seinen festen Platz sowohl in Iserlohn - obwohl er über den Poth (2002 bis 2005) und den Marktplatz (2006 bis 2009) bis zum Schillerplatz mehrmals umgezogen ist - als auch im Terminkalender der schwul-lesbischen Szene. Als traditionell letzter CSD bundesweit zieht er befreundete Organisationen und Besucher aus der ganzen Region nach Iserlohn. Weswegen das Angebot an Info-Ständen von politischen Parteien aller Couleur bis zum „Anders Room“ des lesbisch-schwulen Zentrums Siegen und von der AIDS-Hilfe MK bis zu „Skin Ovations“ für effektive Hautverjüngung und dauerhafte Haarentfernung ebenso bunt war wie das acht-stündige Bühnenprogramm aus Tanz, Musik und Travestie. Von den „PinkPomps“, dem ersten männlichen Cheerleader-Club Europas aus Köln, bei der Begrüßung bis zu den „Reggaelites“ am Abend wurde den Iserlohnern erneut ein Programm geboten, das es so nicht alle Tage zu sehen gibt und das wieder richtig frohes und buntes Leben in die Stadt gebracht hat.
„Ich bin stolz, diese Veranstaltung in Iserlohn zu haben, und werde alles dafür tun, dass das auch in Zukunft so bleibt“, erklärte dann auch Bürgermeister Peter Paul Ahrens, der erstmals die Schirmherrschaft für das Fest übernommen hatte. Als Zeichen der Verbundenheit wurde am Samstag erstmals die bunte Regenbogenflagge der schwul-lesbischen Bewegung am Rathaus gehisst. „Da können sich so einige Landeshauptstädte noch eine Scheibe von abschneiden“, erklärte auch die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth, die den Iserlohner CSD zum zweiten Mal nach 2005 besuchte (siehe nebenstehenden Bericht). Zusammen mit den Iserlohner Bundestags- und Landtagsabgeordneten Dagmar Freitag (SPD) und Michael Scheffler (SPD) würdigte sie die großen Erfolge, die die Homosexuellen im Kampf um Gleichberechtigung bereits errungen haben und freute sich, dass es möglich sei, in Iserlohn einen so schönen und fröhlichen Tag zu feiern. Dennoch lautete das Motto des zehnten Iserlohner CSD „Genug ist nicht genug“, denn am Ziel, das machte Uwe Schwartpaul zu Beginn deutlich, sei die schwul-lesbische Bewegung noch lange nicht - auch nicht 41 Jahre nach der ersten Demonstration in der New Yorker Christopher Street.
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