Razzia bei mutmaßlichem Salafisten-Führer

Die Wohnung des mutmaßlichen Anführers der Salafisten-Gruppe „Tauhid Germany“ in diesem Haus in Kalthof
Die Wohnung des mutmaßlichen Anführers der Salafisten-Gruppe „Tauhid Germany“ in diesem Haus in Kalthof
Foto: Michael May IKZ
Nach dem Verbot der Salafisten-Vereinigung „Tauhid Germany“ wurden am Donnerstagmorgen Wohnungen in mehreren Bundesländern durchsucht. So auch im Iserlohner Stadtteil Kalthof, wo der mutmaßliche Anwohner der Gruppe, Hasan K., lebt.

Iserlohn/Hemer..  Einer der mutmaßlichen Köpfe der am Donnerstag von Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière verbotenen Salafisten-Vereinigung „Tauhid Germany“ lebt in Iserlohn. Um sechs Uhr morgens wurde Hasan K., der seit August in Kalthof wohnt, das Verbot zugestellt. Seine Wohnung wurde nach Propagandamaterial durchsucht. „Tauhid Germany“ gilt als Ersatzorganisation der 2012 verbotenen und aufgelösten Vereinigung „Millatu Ibrahim“, bei der K. ebenfalls in führender Position aktiv gewesen sein soll.

Das Verbot von „Tauhid“ ist in vier Bundesländern (Nordrhein-Westfahlen, Hessen, Bayern und Schleswig-Holstein) mit umfangreichen Durchsuchungs- und Beschlagnahmemaßnahmen umgesetzt worden. Ein Schwerpunkt war in Nordrhein-Westfalen, wo sechs Objekte in Hemer, eins in Kalthof, zwei in Menden und Bonn und vier in Solingen durchsucht wurden. Insgesamt waren nach offizieller Darstellung 25 Einzelpersonen betroffen. Nach eigenen Angaben verfügt der Verein insgesamt über 30 Mitglieder. Bei den Durchsuchungsmaßnahmen stellten die Polizisten umfangreiche IT-Technik sicher: darunter Computer, Speichermedien, Handys und Fotoapparate. Außerdem sicherten die Polizisten umfangreiches Propagandamaterial wie Flyer, DVDs, Bekleidungsstücke und Material für Info-Stände. Zu Verhaftungen kam es nicht.

Mutmaßlicher Anführernicht zum Gespräch bereit

Am Nachmittag ist wieder Ruhe eingekehrt rund um das Haus in Kalthof, in dem Hasan K., mutmaßlicher Anführer der seit gestern verbotenen Salafisten-Gruppe „Tauhid“, seit über einem Jahr leben soll. Nachbarn, die wir auf der Straße ansprechen, schütteln den Kopf. Nein, sie hätten nichts mitbekommen von der Polizei-Aktion am frühen Morgen. Sie hätten nur davon gehört. So wie die beiden Männer im „Dorftreff“. Selbst aber hätten sie nichts gesehen oder gehört von dem Einsatz. Einer von ihnen wohnt im selben Haus wie Hasan K. und beschreibt ihn als einen „super Jungen“, mit dem er ab und zu Fußball spielen würde. „Er hat mich auch schon einmal in meiner Wohnung besucht, wir haben zusammen Tee getrunken“, sagt er und fragt, warum denn die Polizei bei ihm gewesen sei. Als wir ihm erklären, dass Hasan K. der Anführer der jetzt verbotenen Salafisten-Gruppe „Tauhid Germany“ sein soll, schüttelt er nur mit dem Kopf. Das könne er sich überhaupt nicht vorstellen. Viel erzählen könne er nicht über seinen Nachbarn. Man würde ihn nur selten sehen und auch im „Dorftreff“ lasse er sich nicht blicken.

Wir klingeln an der Haustür, und es wird uns geöffnet. „Wer ist da?“ wird aus dem zweiten Stock gerufen, wir geben uns als Journalisten der Heimatzeitung zu erkennen. Zunächst treffen wir auf den Hausmeister, der gerade dabei ist, das am Morgen beim offensichtlich gewaltsamen Eindringen der Polizei zerstörte Türschloss zu reparieren. Dann kommt Hasan K. an die Tür, ein kleines Mädchen an seiner Seite. Wir fragen, ob er mit uns über die Ereignisse am Morgen sprechen möchte. Er winkt ab: „Nein, ich sage nichts, bitte gehen Sie.“

Hasan K. will angeblich Vorträge in der JVA halten

Hasan K., der sich selbst den Namen Abu Ibrahim gegeben hat, ist im November 2014 zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten verurteilt worden, hat die Strafe bisher jedoch noch nicht angetreten. Dafür aber wirbt „Tauhid Germany“ im Internet damit, dass K. angeblich Vorträge in der Drüpplingser Justizvollzugsanstalt hält. „Der Mann ist nie in der JVA gewesen. Und er hat auch keine Vorträge gehalten. Er hat sich nur einmal an der Pforte gemeldet, war aber nie drin“, erklärt Anstaltsleiter Joachim Güttler auf Anfrage unserer Zeitung, „es gab und gibt keine Verbindung zu uns. Er hat sich damit gebrüstet und das Foto, das im Internet kursiert, vor der JVA gemacht.“ Güttler betont: „Wir haben keinen Anlass anzunehmen, dass er Verbindungen zu den Gefangenen hat. Es gibt keine Salafisten in unserer Anstalt.“

Dass Hasan K. Vorträge in der JVA halte, so Güttler, entbehre jeder Grundlage und entspreche vielleicht dem Wunschdenken der Gruppe. Wie der Anstaltsleiter weiter erläutert, sind von 250 jungen Gefangenen etwa ein Drittel Muslime. Die Mitarbeiter, unter ihnen auch einige mit Migrationshintergrund, seien entsprechend geschult, Radikalisierungen von Gefangenen entsprechend zu begegnen.