Rattenscharf ist untertrieben
14.02.2012 | 16:19 Uhr 2012-02-14T16:19:00+0100Iserlohn.„You can’t beat two guitars, bass and drums“ - dieses Credo hat Lou Reed, der ja quasi sein ganzes musikalisches Leben in dieser Besetzung verbracht hat, einst in dicken Lettern auf sein „New-York“-Album geschrieben. Nach einem Konzert wie dem von „Who the Foo“ am Samstag im Henkelmann möchte man da auf jeden Fall lauthals in diesen Schlachtruf mit einstimmen.
Nun ist diese klassische Rockbesetzung nicht gerade das, was man üblicherweise in einem Jazz-Club antrifft. Hot-Club-Geschäftsführer Daniel Zobel hat es dennoch einmal mehr gewagt, die Grenzen des Jazz massiv zu überschreiten und den diesjährigen Reigen der Jubiläumskonzerte zum 60-jährigen Bestehen des Henkelmanns mit einem richtig schmutzigen Rockkonzert zu eröffnen. Womit er ein gutes Händchen bewiesen hat, denn „Who the Foo“ sind als Cover-Band, die sich ausschließlich auf die Songs der „Foo Fighters“ stürzt, nicht nur mit einem bärenstarken Programm auf Tour, sondern wurden als brandneues Projekt der heimischen Musikszene mit größter Spannung erwartet - schließlich standen hier mit Henrik Oberbossel und Eugen Urlacher zwei ehemalige „Luxuslärmer“ erstmals seit ihrer Trennung von der Letmather Erfolgsband wieder zusammen auf der Bühne. Das Konzert war - um es vorweg zu nehmen - bestens besucht, und die Stimmung war fantastisch: ein optimaler Start ins Jubiläumsjahr.
Doch zunächst zu den „Foo Fighters“, die nicht zwingend jedem ein Begriff sein müssen. Die Band wurde 1995 von dem ehemaligen Nirvana-Schlagzeuger Dave Grohl gegründet, ist in der Grunge-Generation absoluter Kult und steht auch aktuell noch voll im Saft, was die Grammy-Verleihung vom Sonntag belegt, bei der die „Foo Fighters“ alles gewonnen haben, was es im Rock-Genre zu gewinnen gibt. Ihre Musik vereint eigentlich all das, was guten Rock auszeichnet: Sie geht schnörkellos, teilweise brachial nach vorne, strotzt vor Schweiß, Herz, Ehrlichkeit und gesunder Härte und ist vollkommen frei von irgendwelchen Attitüden-Albernheiten. Das Song-Material geht aber noch bei weitem darüber hinaus - andernfalls würden sich so fantastische Musiker, wie sie bei „Who the Foo“ mitwirken, wohl kaum länger damit beschäftigen. Alles ist gestochen scharf arrangiert, bis ins Detail akzentuiert und einfach nur höchst intelligent gemacht - man kann sich vorstellen, dass es einen riesigen Spaß macht, so etwas nachzuspielen.
Und dieser Spaß machte keineswegs am Bühnenrand Halt, sondern schwappte direkt rüber ins Publikum, was die vier Jungs auf der Bühne letztlich niemandem anderem als sich selbst zu verdanken hatten. Ganz gleich, wie groß das Getümmel aus Riffs und unerwarteten Breaks auch wurde: „Who the Foo“ war sattelfest bis ins Letzte und spielte alles mit lässiger Mühelosigkeit auf den Punkt. Was kaum verwundert, wenn man sich die Bass-Schlagzeug-Abteilung mit den Profis von „Luxuslärm“ anschaut. Wie ein ironischer Seitenhieb wirkt es da, dass bei den „Foo Fighters“ der Nirvana-Drummer Dave Grohl in die Gitarren-Saiten greift, während bei „Who the Foo“ der ehemalige „Luxuslärm“-Gitarrist „Henne“ Oberbossel einen grandiosen Schlagzeuger abgibt - zwei Instrumente derart zur Perfektion zu bringen, ist schon außergewöhnlich.
Diese Extra-Klasse der Rhythmus-Combo setzt sich bei „Who the Foo“ auch vorn auf der Bühne mit Dennis Brzoska (Gesang und Rhythmus-Gitarre) und Lead-Gitarrist Martin Korecki fort. Zumal Brzoska keiner ist, der nur richtig schreien kann, sondern der sich ebenfalls als sehr kompletter Musiker zeigte. Natürlich – und das macht das Schlagzeuger-Gitarristen-Verwirrspiel komplett, bewegt auch er sich hinter dem Drum-Set wie ein Fisch im Wasser (mal bei Youtube unter „Dennis Brzoska Drum Action“ gucken).
Am Ende fallen einem dazu eigentlich nur Wörter ein, die in einer seriösen Zeitung nichts zu suchen haben, weswegen wir uns hier auf ein gemäßigtes aber deutlich untertriebenes „rattenscharf“ beschränken.
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