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CDU verärgert über...

Quantensprung besser machen, nicht abschaffen

19.02.2010 | 18:15 Uhr
Quantensprung besser machen, nicht abschaffen

Iserlohn. Verantwortungsloses Handeln wirft die CDU den Parteien vor, die zuletzt massive Kritik am Projekt Quantensprung geäußert hatten.

SPD, Grüne und Linke würden Wahlpropaganda auf dem Rücken der Hauptschüler betreiben, sagen Fraktionsvorsitzender Rolf Kramer, seine Stellvertreter Michael Schmitt und Karsten Meininghaus sowie Schulausschussvorsitzender Thorsten Schick.

Sie räumten ein, dass die Umsetzung des Verwaltungsprojektes an einigen Stellen keinesfalls so glatt laufe wie gewünscht. Auch sei es sicherlich nicht hilfreich gewesen, dass in einer entscheidenden Projektphase ein von Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens initiierter Wechsel in der Verantwortlichkeit stattgefunden habe. Wenn nun deutlich werde, dass ein Projekt, mit dem bundesweit völliges Neuland betreten worden sei, in der Umsetzung noch einige Schwächen aufweise, sei das ja nichts völlig Ungewöhnliches. Und da gelte es doch zunächst einmal intensiv daran zu arbeiten, solche Schwächen zu beseitigen, anstatt es gleich wieder einzustampfen.

So sagte Thorsten Schick, dass man die Verwaltung ohne wenn und aber in die Pflicht nehmen werde, allen Schülern, die ihren Quantensprung-Vertrag erfüllen, eine Lehrstelle oder eine andere gewünschte Perspektive anbieten zu können. Bei allen Problemen dürfe man auch das Positive nicht vergessen. So hätten bereits im vergangenen Jahr mehr Hauptschüler in eine Lehrstelle gebracht werden können - und zwar als Folge erster Maßnahmen, die heute wichtiger Bestandteil von Quantensprung sind. Das, so Schick, sei ihm von einigen Hauptschulleitungen so bestätigt worden. Wenn es nun gelinge, trotz eines schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes alle im Quantensprung verbliebenen Schüler zu vermitteln, sei dies ein Erfolg.

Gleichwohl räumt er ein, dass die Quote der Schüler, deren Vertrag aufgelöst wurde, letztlich noch zu hoch sei. Hier müsse intensiv analysiert werden, welche Gründe im Einzelnen dazu geführt haben, dass Schüler ihren Vertrag nicht erfüllen konnten oder wollten. In einem zweiten Schritt müsse überlegt werden, wie nachgebessert werden kann. Quantensprung zu den Akten zu legen, so Schick, sei jedenfalls keine Alternative. Die Kritik von SPD, Grünen und Linkspartei ziele im Übrigen nur vordergründig auf das Projekt. Vielmehr solle die Schulform Hauptschule insgesamt sturmreif geschossen werden, um der Gemeinschaftsschule den Weg zu bereiten. Wer aber glaube, irgendwelche Probleme lösen zu können, indem man nur ein anderes Namensschild an eine Schule hänge, irre gewaltig. Das sagt auch Karsten Meininghaus. Denn die Problemklientel bleibe danach ja die gleiche. Und es sei eben besser, so Michael Schmitt, lernschwächere Schüler in einer

Schule zu unterrichten, die dafür eine besondere Kompetenz besitze. Und dazu sei eine

attraktive Hauptschule, die sich nicht als „Restschule” definiere, am geeignetsten. Der Feldzug einiger Parteien gegen die Hauptschulen, so Schick, solle die gesamte Schulstruktur ins Wanken bringen und ziele in Wahrheit auf die Abschaffung von Realschulen und Gymnasien - aus ideologischen Gründen.

Aus Sicht der CDU kommt die massive Kritik am Quantensprung jedenfalls zur Unzeit und sei extrem kontraproduktiv. Die Schüler würden massiv verunsichert, die Netzwerkpartner, die derzeit akribisch daran arbeiten würden, die Lehrstellen anbieten zu können, ein Stück weit deprimiert. Unglücklich sei es zudem, dass das Thema gerade in der Phase der Schulanmeldungen hochgekocht werde. Aber auch das geschehe ja vielleicht ganz bewusst.

Stefan Drees

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Kommentare
27.02.2010
11:41
Quantensprung besser machen, nicht abschaffen
von TheWitch | #17

@ Bogus_Trumper:

Danke. Ich arbeite im Bildungsbereich und weiß zumindest, wo ich mir valide diesbezügliche Informationen beschaffen kann - wenn ich nicht eh schon direkt darüber verfüge.

Dem Dunkelseitigen ins Stammbuch geschrieben:

1. Das ist ein Komplettzitat und hätte als solches kenntlich gemacht werden müssen.

2. Wer schon Pamphlete einstellt, die dazu noch auf den Ergüssen von Michael Mannheimer beruhen, sollte sich wenigstens anhand der (öffentlich zugänglichen) Quelle - hier die Studie von Tyra Ekhaugen - über die Stichhaltigkeit dieser Behauptungen schlau machen. Nicht-westlich heißt nichts anderes als nicht aus einem OECD-Staat - und dummerweise umfasst diese Gruppe nun gerade in Norwegen in der ganz überwiegenden Zahl Russen (11%), Philippinen (9% - und bevor Zweifel aufkommen: Die sind zu 83% katholisch und nur zu 5% muslimisch), Thailänder (9%), Polen (7%), Chinesen (6%), Inder (4%) und Rumänen (3%). Die einzigen Gruppen von Moslems in der untersuchten Gesamtgruppe bilden Pakistaner (9%), Türken (7%) und Marokkaner (4%). Nix also mit Der Begriff „nicht-westlich“ ist in Norwegen wie in den anderen Staaten Skandinaviens die politisch korrekte Umschreibung für muslimische Einwanderer, die die absolute Mehrheit aller Migranten bilden.

25.02.2010
12:49
Quantensprung besser machen, nicht abschaffen
von The_dark_Side | #16

Für TheWitch hätte ich auch noch etwas:

Beispiel Norwegen

„Nichtwestliche Einwanderer“ sind zehnmal so häufig Empfänger von Sozialleistungen wie gebürtige Norweger. (Fjordman „Was kostet die islamische Einwanderung Europa?“, 23.06.2006)

Der Begriff „nicht-westlich“ ist in Norwegen wie in den anderen Staaten Skandinaviens die politisch korrekte Umschreibung für muslimische Einwanderer, die die absolute Mehrheit aller Migranten bilden. Dennoch enthält er alle Immigranten nach Norwegen. Denn wie in den anderen europäischen Staaten auch sind statistische Differenzierungen, die zu klaren Erkenntnissen der unterschiedlichen Kostenbelastung muslimischer gegenüber nicht-muslimischen Einwanderungsgruppen führen könnten, politisch unerwünscht und werden entweder erst gar nicht erhoben, oder aber streng unter Verschluss gehalten. Wenn man jedoch bedenkt, dass auch Chinesen, Inder – bekannt dafür, hart zu arbeiten (was auch statistisch erwiesen ist) – und andere Nicht-Muslime zur Gruppe „nicht-westlicher“ Immigranten zählt, dann erkennt man, dass die Last der muslimischen Migranten auf Norwegens Sozialhaushalt noch schwerer wiegt.

Allein der Sozialetat der norwegischen Hauptstadt Oslo wird zu über 50 Prozent für seine „nicht-westlichen“ Immigranten in Anspruch genommen. Angesichts der Bekanntgabe dieser Fakten warnte der Osloer Stadtratsvorsitzende Erling Lae in gewohnt – politisch korrektem – Reflex umgehend vor Vorurteilen und behauptete, dass ohne Einwanderer das “komplette Chaos” in Oslo ausbrechen würde. Eine Behauptung, die sich jedoch durch nichts stützen lässt. Im Gegenteil: eine Studie von Tyra Ekhaugen vom Frisch Zentrum für Wirtschaftsstudien in Zusammenarbeit mit der Universität Oslo ergab das exakte Gegenteil von Lae’s Behauptung. Wenn die derzeitige Entwicklung – so das Ergebnis jener Studie – weiterhin anhielte, könne der Kostendruck das norwegische Wohlfahrtssystem in absehbarer Zeit sprengen.

25.02.2010
12:39
Blockierter Kommentar.
von Moderation | #15

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

25.02.2010
11:35
Quantensprung besser machen, nicht abschaffen
von Bogus_Trumper | #14

@ TheWitch
Sie beeindrucken mich hier nicht zum ersten mal mit Fakten und Kenntnisreichtum. Ich bin ziemlich beeindruckt. Insbesondere die Sache mit den Schweden in Finnland ist mir neu und sollte zu denken geben.
Weiter so!
Viele Grüße,
Bogus

24.02.2010
09:40
Quantensprung besser machen, nicht abschaffen
von TheWitch | #13

Den Dunkelseitigen wird das zwar kaum beeindrucken, aber vielleicht ist sonst jemand an Richtigstellungen von dessen Behauptungen interesssiert:

1. Es gibt in der Welt wohl kaum ein Schulsystem das nach oben durchlässiger ist, als die Hauptschule.
Schließlich kann man dort durch Belegung der entsprechenden Kurse durchaus den Sek II Abschluss machen. (#1)

Schöne Theorie, aber die Realität sieht anders aus. Erstens kann man nicht einfach entsprechende Kurse belegen - zweitens haben es in ganz Nordrhein-Westfalen im Schuljahr 2007/2008 gerade mal 714 Schüler von der Hauptschule zur Realschule und ganze 53 zum Gymnasium geschafft. Das macht sagenhafte 0,29% bzw. 0,02% der Schülerschaft aus. (Die Übergangsquote von der Realschule zum Gymnasium sieht nicht besser aus, sie beträgt 0,20%.)

2. Diese Länder haben auch nicht 30 Prozent Schüler in einer Hauptschulklasse die nichtmal die Landessprache verstehen/sprechen so wie das bei uns in Deutschland der Fall ist. (# 5)

Diese Länder haben erstmal gar keine Hauptschulen, in denen sich die abgeschriebenen SchülerInnen massiert tummeln, während die Schlaueren die besseren Schulen besuchen.

Darüber hinaus: Finnland beispielsweise hat eine schwedische Minderheitsbevölkerung mit 6% Bevölkerungsanteil - das ist ungefähr so viel wie der Anteil Berliner mit türkischem Hintergrund. Und auch in Finnland verteilen sich diese 6% nicht gleichmäßig übers Land, sondern sie treten regional mehr oder weniger massiert auf. Nur: Finnland hat andere Konsequenzen daraus gezogen. Erstens sind beide Sprachen Amtssprachen, zweitens gibt es in Gebieten mit gemischter Bevölkerung sowohl schwedische als auch finnische Schulen - und drittens wird dort jeder verpflichtet, die Sprache der jeweils Anderen zu lernen. (Und die beiden Sprachen verhalten sich ungefähr genauso wie Deutsch und Türkisch.)

23.02.2010
13:49
Quantensprung besser machen, nicht abschaffen
von Bogus_Trumper | #12

Hier also nun einige Quellen, die dark-side in meinem Posting oben vermisst hat:

http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,472906,00.html

Ehmke et al., 2004, In: PISA-Konsortium Deutschland (Hrsg.): PISA 2003 – Der Bildungsstand der Jugendlichen in Deutschland – Ergebnisse des 2. internationalen Vergleiches, Münster/NewYork: Waxmann, S. 244

http://www.gew.de/Binaries/Binary34055/meldung-ifo.pdf

http://bildungsklick.de/a/53195/sechs-irrtuemer-des-dreigliedrigen-schulsystems/

http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2010/0128/bildung.php5

http://bildungsklick.de/a/6089/gew-dreigliedriges-schulsystem-ueberholt

Wer also Interesse hat, kann sich nun zumindest einen guten Überblick verschaffen. Und wer jetzt noch meint, dass man auch andere Argumente hören sollte, der sei auf folgenden Link verwiesen, wo es diese anderen Argumente gibt:

http://www.bundestag.de/dasparlament/2005/30-31/Thema/021.html

Hier erzählt Frau Wolf, die Kultusministerin von Hessen, warum alle Forscher und linken Ideologen komplett falsch liegen (...tausend Falschfahrer, waren die letzten Worte des Geisterfahrers bevor er in die Leitplanke fuhr): Sie hätten nämlich PISA alle völlig falsch verstanden (auch die Autoren selbst natürlich). Man achte aber bitte GENAU auf das, was und wie sie es sagt. Da wird nämlich von Einheitsschulen geredet, die jedoch kein Forscher oder Politiker anderer Parteien will. Ein Begriff, der lediglich als konservativer Kampfbegriff dient, um Strukturreformer zu diffamieren. Weiter behauptet sie, dass aus der PISA - Studie hervorgehen würde, dass das Gymansium die überlegende Schulform sei, weil sie die besten Ergebnisse liefert (da hat sie natürlich recht. Denn es wäre ja auch schlimm, wenn Hauptschüler bessere Leistungen liefern würden). Es werden aber die strukturellen Hürden verschwiegen, die es den Unterschichtskindern erst gar nicht erlauben, ein Gymnasium zu besuchen (in der PISA - Studie explizit am deutschen Schulsystem kritisiert!). Auch wird aufgeführt, dass Bayern und Baden-Würtemberg im klar gegliederten Schulsystem die besten Ergebnisse erzielen. Es wird aber verschwiegen, dass sie dies nur im Vergleich der deutschen Bundesländer untereinander tun. Und es wird auch verschwiegen, dass gerade Bayern und Baden-Würtemberg wegen der schlechtesten Durchlässigkeit zwischen den Schultypen und der stärksten Korrelation zwischen Bildungschancen und sozialer Herkunft stark krisiert werden.
Letzlich stellt sich die Frage: Wer greift hier ständig in die ideologische Mottenkiste der eigenen verstaubten Wertvorstellungen?

23.02.2010
12:09
Quantensprung besser machen, nicht abschaffen
von gullideckel | #11

@die dunkle Seite:

Und da sehen wir es mal wieder. Den CDUlern geht es nicht darum das beste für die Menschen, in diesem Fall unsere Kinder, heraus zu holen. Wir belehren sie seid Jahrzehnten eines besseren und sie schlagen nur reflexartig mit dem 68er Hammer oder schüren die Angst gegen eine sozialistische Idee.
Zum Glück hat meine Generation diesen Blödsinn satt. Das hat selbst Herr Ole von Beust erkannt. Sie sind ein ewig gestriger the dark. Es ist ganz einfach. Entweder sie gestalten mit oder landen in der Versenkung. Machen sie sich keine Hoffnung.
Ist ja auch nicht schlimm, denn es ist ja seit langem nötig. Die Eltern in Iserlohn haben das schon lange erkannt und fordern nicht ohne Grund den Ausbau der Gesamtschulen...

22.02.2010
22:25
Quantensprung besser machen, nicht abschaffen
von The_dark_Side | #10

Nein, natürlich sind die Schüler nicht das Problem!
Wenn man alles zusammen unterrichtet, dann ist zwar der politisch gewünschten Gleichmacherei genüge getan, aber besser Deutsch spricht davon natürlich niemand.
Aber es geht bei linker Schulpolitik auch nicht im Ansatz um die Schüler, sondern ausschließlich um das durchsetzten von alt68er Ansichten.
Und Bogus, wenn die Fachleute der Welt sich so furchtbar einig sind, warum zitieren sie dann keine??
Weil sie sowieso davon ausgehen alles besser zu wissen?
Dachte ich mir...

22.02.2010
14:40
Quantensprung besser machen, nicht abschaffen
von gullideckel | #9

Es ist schon beschämend, wie die erklärte Oberschicht immer wieder eine seid fast 20 Jahren nötige Schulreform verhindert. In Iserlohn mit Hilfe der CDU und sonstigen Resterampepolitikern.
Man vergleiche dazu auch mal Hamburg:

http://daserste.ndr.de/panorama/media/panorama408.html

Wobei sogar dort die CDU (natürlich nur auf drängen der Grünen) bereits einen Schritt weiter ist. Wie viele Generationen in NRW müssen eigentlich noch durch falsche Politik verschlissen werden?!
und da werden ganz bestimmt keine Quantensprünge helfen. Quantensprünge sind übrigens per Definition maximal der Tropfen auf den heißen Stein! Der Name ist Programm!

22.02.2010
13:35
Quantensprung besser machen, nicht abschaffen
von Bogus_Trumper | #8

Vielleicht haben ja Grüne und SPD erkannt, dass nicht die Hauptschüler das Problem sind, sondern die Schulform der Hauptschule und das dreigliedrige Schulsystem an sich? Das wäre doch einmal ziemlich schlau. Immerhin sagen das ja auch schon alle nationalen und internationen Bildungs- und Schulentwicklungsforscher. Da gibt es eigentlich nichts mehr dran zu deuteln. Ob es die Herren Schick und Kowalski sowie die ganze CDU wohl auch mal merkt? Bitte sehen Sie doch einmal nach Hamburg: Sogar der Ole findet die drei Schulglieder doof.

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