Puhdys bringen Parktheater zum Kochen

„Lauter“, forderte Puhdys-Frontmann „Maschine“ Birr (Mitte) das Publikum immer wieder auf.
„Lauter“, forderte Puhdys-Frontmann „Maschine“ Birr (Mitte) das Publikum immer wieder auf.
Foto: Dana Schmies
Was wir bereits wissen
Die Rock-Rentner auf Abschiedstournee hatten den fast ausverkauften Saal von der ersten Minute im Griff.

Iserlohn..  Einen fulminanten Konzertabend mit acht bestens aufgelegten Musikern haben die fast 800 Besucher am Samstagabend im Parktheater erlebt. Dort wollten sich die Puhdys von ihren Fans mit einem Akustik-Konzert verabschieden, weil für Dieter „Maschine“ Birr und Co. demnächst der Rocker-Ruhestand lockt – zumindest als Band, denn einzelne Mitglieder wollen künftig auf Solopfaden ihrer Leidenschaft nachgehen.

Und dass die berühmteste Band Ostdeutschlands leidenschaftlich Musik macht, war auch nach 46 Jahren des Bestehens noch deutlich zu merken: Egal, ob „Maschine“ und Dieter „Quaster“ Hartrampf die Akustikgitarren spielten, sich Drummer Klaus Scharfschwerdt als wahrer Virtuose offenbarte, der eigentlich für die Keyboards zuständige Peter „Eingehängt“ Meyer ein Saxofon-Solo erster Güte servierte oder Peter „Bimbo“ Rasym seinen Bass glühen ließ. Und das, wie in „Eingehängts“ Fall, im Alter von 75 Jahren.

Alte Herren haben Nachwuchsgleich in die Band integriert

Mit ihrem Alter kokettieren die Haudegen, die sich, wie „Maschine“ es formulierte, insbesondere drei junge Gastmusiker dazu geholt haben, „weil wir Leute zum Koffer tragen und Windeln wechseln“ benötigen. Der Nachwuchs ist quasi hausgemacht: Andy Birr an der Akustikgitarre ist der Sohn von „Maschine“ und Nick Scharfschwerdt an den Percussions der Sprössling von Drummer Klaus, dazu gesellt sich Conrad OIeak (Keyboard und Akkordeon). Birr junior werden viele auch durch seine Band Bell Book and Candle kennen. Nicht nur die Akteure auf der Bühne vermittelten einen familiären Eindruck, der gesamte Saal schien von der ersten Minute an wie eine große Familie. So saßen in den Reihen Menschen im Alter von „Eingehängt“ neben Kleinkindern ebenso wie 30-Jährige. „Die Musik verbindet einfach“, lautete dann auch die Schlussfolgerung einer Besucherin, als sie sich vor Konzertbeginn ausgiebig im Theater umgesehen hatte.

Von der ersten Minute an hatten die Puhdys die Zuschauer in ihren Bann gezogen. Zwischen nachdenklich und euphorisch bewegte sich die Stimmung, die bereits bei Titel Nummer zwei ihren ersten Höhepunkt erlebte. Obwohl der Song „Perlenfischer“ bereits seit 1977 zum Puhdys-Repertoire gehört, stolperte „Maschine“ direkt am Anfang über den Text, musste lachen und von Neuem beginnen. Das Publikum spendete herzlichen Applaus und sah, dass hier nichts, aber auch gar nichts vom Band gespielt wurde. „Live ist eben live“, so auch Birr.

Was folgte, war eine Zeitreise durch fast fünf Jahrzehnte Bandgeschichte, von „Unser Schiff“ über „Draußen warten die Sterne“ bis hin zu „Hiroshima“ – immer begleitet durch einen 800-Stimmen-Chor. Und regelmäßig unterbrochen von Dieter Birrs kurzen Anekdoten. So verabredete er sich beispielsweise für den 11. April 2115 mit den Fans im Parktheater, bevor er „Mein zweites Leben“ anstimmte, passend zur Strophe „In hundert Jahren ist es soweit, dann werde ich wieder hier stehn, in hundert Jahren leb’ ich erneut und werd’ neue Wege gehn“.

Nach der halbstündigen Pause feuerten die Puhdys dann noch einmal eine wahre Ohrwurm-Salve ab.

Von „Alt wie ein Baum“ bis„Wenn ein Mensch lebt“

„Alles eine Frage der Ansicht“ war es nicht, dass plötzlich der gesamte Saal schunkelte. Auch die Letzten von den Plätzen rissen schließlich die Lieder, die bis heute auf ostdeutschem Boden bei keiner guten Party fehlen dürfen: „Alt wie ein Baum“ beispielsweise oder „Wenn ein Mensch lebt“ und „Lebenszeit“. Fehlen durfte natürlich auch nicht „Geh zu ihr“, schließlich wurde die Band durch den Song aus dem Film „Die Legende von Paul und Paula“ nach dessen Erscheinen 1973 auch im Westen zusehends bekannter. Die von den Puhdys angepeilte „Rockerrente“ war noch nicht einmal bis zum letzten Takt gespielt, da wurden bereits die ersten Zugabe-Rufe laut – keine Frage, dass die Band der Forderung nachkam, auch das mit der Leidenschaft, die während der mehr als zwei Stunden zuvor sicht- und vor allem hörbar war.

„Schade, dass es das erste und letzte Mal in Iserlohn war“, zeigte sich nicht nur ein Besucher danach traurig über den Abschied von den Legenden.