Populär, unterhaltsam und niveauvoll zugleich

Bei zwei Zugaben durften die jungen Talente von „Iserlohn Brass“ mit Bob Ross und den Münchener Philharmonikern gemeinsam musizieren.
Bei zwei Zugaben durften die jungen Talente von „Iserlohn Brass“ mit Bob Ross und den Münchener Philharmonikern gemeinsam musizieren.
Foto: Michael May IKZ
„Iserlohn Brass“ wirkte mit, als Bob Ross und seine Blechbläser Hunderte im Parktheater begeisterten.

Iserlohn..  Klassische Meisterwerke der Musik vom Sockel der Unberührbarkeit und ehrfürchtigen Bewunderung zu stürzen, ohne ihnen weh zu tun, will schon was heißen. Dieser Musik dabei gleichzeitig noch eine ganz neue Attraktivität zu verleihen, das schaffen nur wenige. Bob Ross und seine Blechbläser der Münchner Philharmonie gehören dazu. Das haben sie am Dienstag im voll besetzten Parktheater bewiesen. Sie schafften es, anspruchsvollste Musik quasi aus dem exklusiven Dachgeschoss in das für alle zugängliche Erdgeschoss zu holen.

Wenn die elf Bläser einen Walzer von Schostakowitsch oder eine Sinfonie von Beethoven spielten, dann klang das stets kurzweilig und unterhaltsam, ohne dass es an Niveau fehlte. Riesenbeifall gab es bei der Bach-Toccata: Orgelmusik für Blechbläser arrangiert: Genial gemacht!

Dass der Konzertabend so unbeschwert Genuss um Genuss bescherte, hatte viele Gründe. Zum einen wurden von den großen Werken oft nur kurze und effektvoll arrangierte Auszüge gespielt, von Bob Ross, dem gebürtigen Schotten humorvoll „die schottische Fassung“ genannt“. Zum anderen wechselten die Klassikstücke in bunter Folge mit Jazz-, Pop- oder Rockmelodien – von der Buddy-Hollie-Ballade bis zu einem Hit von „Bon Jovi“. Bei den flotten Rhythmen fiel es manchmal schon schwer, ruhig auf den Sitzen zu bleiben.

Perfektion, Leichtigkeit, Spielfreude und viel Humor

Besonders beeindruckend war nicht nur die Spielfreude, sondern auch die sensationelle Leichtigkeit, mit der die Profis perfekt ihre Instrumente beherrschten. Das ließ viel Spielraum für neckische Spielereien und Gags mit den Instrumenten. Der Schlagzeuger verließ bei seinem Solo kurzerhand sein Instrument, um auch dem Mikrofonständer auf der Bühne und der Reling des Orchestergrabens noch muntere Tonfolgen zu entlocken. Humorvoll nahmen sich die Musiker gegenseitig auf den Arm. Als beispielsweise ein Posaunist bei seinem Solo eine besonders rührende Melodie spielte, näherte sich sein Kollege mit dem Taschentuch und putzte ihm die vermeintlichen Tränen aus den Augen.

Größter Spaßvogel war Bob Ross. Mit niveauvollen Witzen und Kalauern, auch über sich selbst, erntete der kurzwüchsige Dirigent zwischen den Musikstücken immer wieder Lachererfolge im Publikum. Dabei gab er dem Thema Fußball besonders viel Raum. Sprüche wie „Dortmund hat mehr Punkte in Flensburg als in der Tabelle“ oder „Wir haben die Bayern-Fahne immer dabei, das kommt im Norden besonders gut“, lösten nicht immer Zustimmung, wohl aber viel Heiterkeit aus.

Wer zwischen den Stücken über Fußball und über sich selbst Späße macht, darf für sich in Anspruch nehmen, mit seiner Musik nicht nur einem Kreis von Kennern, sondern einem möglichst breiten Publikum Freude machen zu wollen. „Blechschaden“ ist, so gesehen, die Abkehr vom Elitären. Alle sollen möglichst viel Spaß an Musik haben und das gilt es zu fördern. So ist auch die Zusammenarbeit mit „Iserlohn Brass“, dem Blechbläserensemble der städtischen Musikschule zu sehen. 14 junge Musiker von „Iserlohn Brass“ durften vor der Aufführung im Parktheater mit den Profis aus München üben und zum Schluss unter großem Beifall zwei der fünf effektvollen Zugaben mitgestalten.

Kennengelernt hatten sich Bob Ross und „Iserlohn Brass“ schon vor ein paar Monaten beim Zeitungs- und Theaterfest. Dabei entdeckte der Schotte sein Herz für die jungen Iserlohner Talente. „Ich nehme euch mit auf alle Reisen“, versprach er am Dienstag vor vollem Haus. „Und daraus kann etwas werden“, freut sich Ensemble-Chef Stefan Beumers. Konkrete Termine gebe es zwar noch nicht, aber Bob Ross arbeite daran, „Iserlohn Brass“ bei dem einen oder anderen Tournee-Termin mit einzubeziehen.