Fahndung
Polizei fasst Flüchtigen aus Hagener Landgericht
05.02.2010 | 18:26 Uhr 2010-02-05T18:26:00+0100
Iserlohn. Miguel F. ist gefasst. Der vor zwei Tagen aus dem Landgericht Hagen geflohene Drogendealer konnte nach einem Hinweis aus der Bevölkerung am Freitag um 11.20 Uhr in einem Waldstück an der Seilerseestraße in Iserlohn festgenommen werden.
Dabei leistete der 37-jährige Iserlohner trotz Warnschüssen der Polizei heftige Gegenwehr, konnte aber schließlich überwältigt werden. Um 9.38 Uhr war der entscheidende Hinweis beim Polizei-Notruf eingegangen: Ein Anwohner aus der Giesestraße glaubt, im Bereich eines dortigen Lagers den Flüchtigen erkannt zu haben. Vor Ort werden die Beamten zunächst nicht fündig. Auch die Straßen in der Umgebung werden abgesucht. Um 10.37 Uhr erspäht dann die Besatzung eines Streifenwagens auf der Immermannstraße Miguel F. im Bereich des Hemberg-Sportplatzes. Als er die Beamten sieht, flieht er hinter dem Stadion den Nordhang hinunter in das dortige Waldstück.
Die Iserlohner Polizei mobilisiert ihre gesamten eigenen Kräfte, die gerade im Dienst sind, und fordert den Polizeihubschrauber „Hummel 5” aus Dortmund an, der um kurz vor 11 Uhr eintrifft. Während zwei Dutzend Uniformierte und Einsatztrupp-Kräfte in Zivil das steile, zerklüftete Gelände umstellen, kann die Wärmebildkamera der „Hummel” den Flüchtigen schnell ausmachen. Er hockt nur 20 Meter von der Seilerseestraße entfernt in einem knapp 1,60 Meter tiefen Siepen, der aber von außen kaum einsehbar ist. Vom Hubschrauber-Piloten werden die Beamten per Funk und mit Handzeichen zu Miguel F. gelotst.
Als sich das Netz der Polizisten immer enger um ihn zieht, versucht der 37-Jährige erneut zu entkommen. Die Polizei gibt zwei Warnschüsse ab, aber auch das kann Miguel F.s Fluchtwillen und seine heftige Gegenwehr nicht stoppen. Weitere Beamte stürmen von der Straße aus die kleine Böschung hinauf. Im Unterholz, zwischen Dornenbüschen, Pappeln, Eichen und Buchen, kommt es zum Gerangel. Ein Polizist versucht zunächst vergeblich, Miguel F. festzuhalten, weitere Beamte stürzen sich auf den Flüchtigen, der schließlich doch festgenommen werden kann, ohne dass jemand verletzt wird. Zwei Beamte führen ihn im Polizeigriff zu einem Bulli. Nach der Durchsuchung wird er auf dem Boden des Wagens fixiert mit Blaulicht zunächst zur Wache gebracht. Gegen Mittag wird Miguel F. dann in die Hagener Justizvollzugsanstalt überführt.
In einer gemeinsamen Ermittlungskommission waren die Iserlohner und die Hagener Polizei seit Mittwoch zahlreichen Hinweisen auf den Flüchtigen nachgegangen. „Wo Miguel F. während der Zeit war, müssen jetzt die Vernehmungen durch unsere Hagener Kollegen ergeben”, sagte gestern Polizeisprecher Dietmar Boronowski. Für seine Flucht aus dem Landgericht erwartet den 37-Jährigen jetzt kein weiteres Verfahren: „Solange es dabei keine Nötigung, Sachbeschädigung oder Körperverletzung gibt, ist die Flucht selbst nicht strafbar”, sagte Till Deipenwisch, Pressesprecher des Landgerichts. Allerdings könnte die heftige Gegenwehr bei der Festnahme Folgen haben: „Dabei handelt es sich um Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, der mit bis zu zwei Jahren Gefängnis oder einer Geldstrafe geahndet werden kann.”
Miguel F. war am Mittwoch nach der Urteilsverkündung durch ein Fenster und über ein Baugerüst aus dem Hagener Landgericht geflohen. Er war wegen Raubes, vorsätzlicher Körperverletzung und Drogenhandels zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und 8 Monaten verurteilt worden und hatte ein halbes Jahr in Untersuchungshaft verbracht.
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