Persönliche, weniger inhaltliche Differenzen ausschlaggebend

Prof. Dr. Michael Müller
Prof. Dr. Michael Müller
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Auf Kreisebene und in Iserlohn gebe es keine einheitliche Position zu den Auseinandersetzungen

Iserlohn..  Die Alternative für Deutschland (AfD) sorgt zweifelsfrei weiterhin für Schlagzeilen. Allerdings weniger für positive. Der Machtkampf an der Bundesspitze zwischen Prof. Dr. Bernd Lucke und Frauke Petry irritiert zunehmend auch die Parteibasis, wie Prof. Dr. Michael Müller, stellvertretender Kreissprecher und Vorsitzender der Iserlohner AfD-Ratsfraktion, im Gespräch berichtet. Müller selbst hat Zweifel daran, dass es wirklich tiefgreifende inhaltliche Differenzen sind, die zum Streit führen. Zumal die vielfach vorgenommene Aufteilung in die Flügel konservativ-wirtschaftsliberal und nationalkonservativ so klar nicht sei, meint Müller. Lucke etwa sei ein strikter Eurogegner, aber ebenso ein klarer Europafreund. Petry habe da vielleicht etwas andere Positionen, sie sei aber nicht europafeindlich.

Persönliche Differenzen sieht Dr. Müller daher als Hauptgrund für die Auseinandersetzungen. Müller, der sich persönlich zum Lucke-Flügel zählt, sieht auch in dessen Forderung nach einer Solo-Spitze kein Problem. In den Landesverbänden von Frauke Petry und Marcus Pretzell werde auch mit einer Einer-Spitze gearbeitet. Das Problem sei vielmehr: Sowohl Bernd Lucke als auch Frauke Petry seien absolute Alpha-Tiere und würden daher beide die Spitze für sich beanspruchen.

Auf Kreisebene und in Iserlohn gebe es keine einheitliche Position zu den Auseinandersetzungen. Es gebe natürlich viele Lucke-Befürworter, die auch seine „Weckruf“-Initiative positiv sehen, aber auch Frauke Petry habe sicherlich Anhänger. Der so genannte nationalkonservative Flügel, so glaubt Müller, habe sich in der Vergangenheit wohl besser organisiert, so dass er sich auch bei Delegiertenwahlen klüger angestellt habe. Das Lucke-Lager hole aber auf. Und nun kommt es ja wohl auch nicht zu einem Delegierten-, sondern zu einem Mitgliederparteitag. Müller rechnet hier mit einem Termin Anfang Juli.

Und was ist, wenn am Ende der Auseinandersetzungen eine endgültige Spaltung der Partei steht? Dass sei natürlich ein Ergebnis, was letztlich keiner wolle, so der Iserlohner AfD-Fraktionsvorsitzende. Und wenn es doch dazu käme: Kurzfristig, so Müller, hätte das natürlich spürbare Folgen. Mittel- und langfristig gebe es aber weiterhin sehr gute Chancen, eine Partei „in der Mittelposition des politischen Spek­trums beziehungsweise etwas rechts davon zu etablieren“. Die CDU sei unter Angela Merkel immer weiter nach links gerückt, daher gebe es im besagten Bereich viel Platz.

Wahrscheinlich kein eigener Bürgermeisterkandidat

Wird die AfD mit einem eigenen Kandidaten in die Bürgermeisterwahl gehen? Danach, so Müller, sieht es derzeit nicht aus. „Wir wollen das bürgerliche Lager nicht spalten.“