„Partnerschaft der 1000 Gesichter“

Am 12. Juni 1990 wurde in Iserlohn die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet: Alexander Frolow, Fritz Fischer, Nikolaj Prisjaschnjuk, Heiko Wetekamm (v.l.).
Am 12. Juni 1990 wurde in Iserlohn die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet: Alexander Frolow, Fritz Fischer, Nikolaj Prisjaschnjuk, Heiko Wetekamm (v.l.).
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Vor 25 Jahren wurde der Bund zwischen Iserlohn und Nowotscherkassk besiegelt.

Iserlohn..  „Sagt mir, wann bei euch in Iserlohn Schützenfest ist, dann kann ich meinen Jahresurlaub planen und schon mal Geld sparen“, bittet der Gesprächspartner am Telefon. Sein Apparat steht rund 3400 Kilometer von Iserlohn entfernt, in der 180 000-Einwohner-Stadt Nowotscherkassk in Südrussland. Der Gesprächspartner gehört zum Musikensemble „Rodnik“ und möchte die „vier tollen Tage“ in der Waldstadt auch diesmal nicht versäumen. Er freut sich, jedes Jahr für die deutschen Freunde Musik machen zu können.

Ilona Höche schildert diese Szene, um zu zeigen, welch enge Bande Iserlohn mit seiner russischen Partnerstadt – der Don-Kosaken-Hauptstadt Nowotscherkassk – geknüpft hat. Die heute 67-Jährige leitet das Städtepartnerschaftskomitee seit einem Jahr nach der Gründung und ist stolz auf die gute Entwicklung: „Mit Freude können wir unser 25-jähriges Jubiläum feiern.“

Aus der Städtepartnerschaft gingen etliche Ehen hervor

Die Partnerschaftsurkunde war am 12. Juni 1990 im Iserlohner Rathaus vom damaligen Bürgermeister Fritz Fischer und Stadtdirektor Heiko Wetekamm sowie auf russischer Seite von Nikolaj Prisjaschnjuk und Alexander Frolow unterzeichnet worden. „Von deutschem Boden muss Frieden ausgehen“, hieß es in Fritz Fischers Rede: „Ein riesiges Feld zur Zusammenarbeit tut sich auf. Wir wollen dazu beitragen, dass die Pflanze des gegenseitigen Vertrauens zu einem stämmigen Baum heranwächst.“

Der Zukunftstraum ist in vielerlei Hinsicht wahr geworden. In 25 Jahren hat der Baum einen kräftigen Stamm mit zahlreichen Ästen und Zweigen bekommen. Am Anfang standen die zahlreichen Hilfsgütertransporte. Zig Tonnen Lebensmittel, Lastwagen voll Kleidung und medizinischer Ausrüstung und Geräte haben sich auf den 3400 Kilometer langen Weg gemacht. Vereine und Privatleute starteten Spendenaktionen. Das Hilfswerk „Kirche im Osten“ half beim Wiederaufbau einer Kirche und betreut seit vielen Jahren eine Spenden- und Partnerschaftsaktion für arme alleinlebende Mütter (Aktion Babuschka). Die Berufsfeuerwehr überführte einen ausgemusterten Krankenwagen. Und. Und. Und.

Als sich die Lebensverhältnisse in Russland allmählich verbesserten, nahm der Austausch einen anderen Charakter an: Künstler, Musiker, Sportler, Vereine aller Art besuchten sich gegenseitig, erfreuten einander mit Darbietungen und Konzerten oder Sportwettkämpfen. Schulen schlossen Partnerschaften, private Freundschaften wuchsen. Über Jahre wurden russische Handwerker in Iserlohner Betrieben und im BBZ fortgebildet. Nach und nach ging aus der Städtepartnerschaft sogar eine Handvoll deutsch-russischer Eheschließungen hervor. „Ein schönes Symbol dafür, dass der eine den anderen bereichert“, findet Ilona Höche. Ebenso wie sich die Gäste aus Nowo in Iserlohn wohlfühlen, sind auch die Iserlohner von der Herzlichkeit begeistert, mit der sie in Nowo empfangen werden.

Iserlohn-Nowotscherkassk, das ist – trotz riesiger Distanz – die „Partnerschaft der 1000 Gesichter“. Unter diesem Motto jedenfalls steht die Jubiläumsfeier, zu der am Samstag, 8. Juni, 11 Uhr, rund 80 Gäste, die an der Städtefreundschaft Anteil haben, in den „Campus Garden“ eingeladen sind.

Strenge Visa-Auflagen für Austausch sehr bedauerlich

Für den Herbst ist ein Gegenbesuch in Nowotscherkassk ins Auge gefasst, nachdem die für Mitte Mai geplante Reise einer Iserlohner Delegation leider nicht zustande kam. „Wir sind beim Konsulat mit erheblich verschärften Visa-Auflagen konfrontiert worden, von denen wir vorher keine Kenntnis hatten“, erklärt Ilona Höche. So hätten die Antragsteller nicht nur besondere Passfotos, sondern auch Gehaltsbescheinigungen und auf der Reiseversicherung Extra-Stempel für Russland beibringen sollen. „Statt Städtefreundschaften zu erleichtern, sind hohe Hürden entstanden, über die wir uns wundern und die wir sehr bedauern“, sagt Ilona Höche. Natürlich soll die gewachsene Freundschaft nicht leiden. Die Vorsitzende: „Ein kräftiger Baum hält was aus.“