Orgeltriduum als "ökumenischer Meilenstein"
01.06.2009 | 16:23 Uhr 2009-06-01T16:23:00+0200
Iserlohn. Das Orgeltriduum als Hommage an Mendelssohn fand am Sonntag mit dem dritten und letzten Konzert von hanns-Peter Springer an der Feith-Orgel in St. Aloysius einen glänzenden Abschluss.
Dieser riesige Raum flößt jedem ein wenig Ehrfurcht ein. Auch Hanns-Peter Springer, Kantor an der Obersten Stadtkirche, der am Pfingstsonntag zum Abschluss des Orgeltriduums zum ersten Mal in der Aloysius-Kirche konzertiert hat, blickte vor dem Konzert mit einigem Respekt hoch oben von der Orgelempore in die Weite des Kirchenschiffs. „Da kann man ja die Oberste Stadtkirche und die Dreifaltigkeits-Kirche zusammen reinstecken”, ließ er lachend eine gehörige Portion Lust darauf mitschwingen, diesen Raum nun mit den Klängen der Feith-Orgel zu füllen.
Lust auf gute Orgel-Musik im Mendelssohn-Jahr hatten erneut auch an die 200 Besucher, die nun zum Abschluss der dreiteiligen Konzertreihe als Hommage an den großen Romantiker die noch ausstehenden beiden Orgelsonaten Nr. 3 in A und Nr. 5 in D hören wollten. Enttäuscht wurden sie nicht. Denn Hanns-Peter Springer hatte nicht nur ein wunderbares Programm um die beiden Sonaten gestrickt, sondern verstand es auch, die Klangmöglichkeiten der Feith-Orgel bestens zu nutzen und sie so zu spielen, dass man auch unten in den Bänken einen klaren und transparenten Hörgenuss hatte.
Das Programm hob an mit einem Präludium mit Fuge ebenfalls von Mendelssohn, das in diesen barocken Werkbezeichnungen bereits Mendelssohns tiefe Verehrung vor Bach und den alten norddeutschen Meistern als Vorbilder in der Orgelkomposition verriet. Dementsprechend ließ Springer passend zum Tage Matthias Weckmanns (1621 - 1674) „Komm, heilger Geist, Herre Gott” hören und anschließend mehrere Werke Bachs, darunter auch die herrliche und melodisch schöne Passacaglia mit Fuge in c-Moll, die er mit sehr facettenreicher Registrierung und akzentuiertem Spiel zum heimlichen Höhepunkt des Programms machte. Mit den beiden relativ kurzen Mendelssohn-Sonaten spielte er schließlich die majestätischen Vorzüge der Orgel und der Kirche voll aus, wofür er am Ende mit stehenden Ovationen vom begeisterten Publikum belohnt wurde. Wie bei den Konzerten zuvor komplettierten Briefe Mendelssohns - diesmal gelesen von Tobias Aehlig -, in denen sich der Komponist unter anderem recht amüsant über das Banausentum in den Pariser Salons ausließ, das Programm.
Mit dem dritten Teil des Orgeltriduums endete am Sonntag eine Reihe, die weit mehr war als bloß drei erstklassige Konzerte, in denen das komplette Orgelwerk Mendelssohns seit Ostern in Iserlohn erklang. Durch ihr Konzept, die sechs Mendelssohn-Sonaten an den jeweiligen Orgeln ihrer Kollegen zu spielen, haben die drei Iserlohner Kantoren Ute und Hanns-Peter Springer sowie Tobias Aehlig nicht nur ihre musikalische Arbeit eng verschränkt, sondern auch die Innenstadtgemeinden beider Konfessionen noch ein Stück näher zusammengerückt - ein „ökumenischer Meilenstein”, wie Pfarrerin Rahel Schöttler, die allen drei Musikern nach dem Konzert dankte, es ausdrückte. Viele evangelische Christen haben durch das Orgeltriduum beispielsweise zum ersten Mal die kath. Dreifaltigkeits-Kirche in Wermingsen besucht und umgekehrt.
Bei einem Glas Wein und „ökumenischen Muffins” wurden die guten Beziehungen nach dem Konzert auf dem Kirchplatz noch vertieft. Bleibt zu hoffen, dass dieser Weg weiter beschritten wird, und dass gerade die Kirchenmusiker ihre gemeinsamen Aktivitäten noch weiter vertiefen.
0mitdiskutieren