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Optimistisch-nachdenklicher Blick voraus aufs Fest

29.06.2012 | 17:40 Uhr
Optimistisch-nachdenklicher Blick voraus aufs Fest
Dass die Alexanderhöhe nicht an allen vier Tagen so voll von Besuchern ist wie am Freitag, gehöre auch nicht zum Konzept, so IBSV-Oberst Petereit. Foto: Wronski

Iserlohn.   Optimistisch, was die Besucherzahlen angeht, und ein wenig nachdenklich mit Blick auf das Sicherheitskonzept gestaltet sich die Stimmungslage von IBSV-Oberst Hans-Dieter Petereit.

In vertrauten Momenten sprechen die Schützenkameraden schon mal von „Haa-Dee“ und meinen dann damit natürlich Hans-Dieter Petereit, den Oberst im IBSV. Und somit eigentlich – oder in der Tat – unter anderem auch oberster Verantwortlicher beim jährlichen Schützenfest. Eine Verantwortung, die dem Mann vermutlich von Jahr zu Jahr und in jüngster Zeit erst recht mehr und mehr Bauchgrimmen bereiten könnte. Grund und Zeit also einmal mehr für ein kleines Grundsatzgespräch zum Auftakt-Wochenende.

Der erste Eindruck: Nach hektischer Schnappatmung und roten Stress-Flecken sieht der Mann auch Stunden vor dem Fest wahrlich nicht aus. Was nicht heißt, dass ihn nicht viele Gedanken umtreiben. Zum Bespiel an das neue Sicherheitskonzept. In einer Mitteilung an die führenden Köpfe seines Vereins hatte Petereit vor Tagen geschrieben, dass der „Regelungswahn tödlich ist für sämtliche Traditionsfeste, da die für die Auflagen notwendigen Kosten nicht mehr zu stemmen sind.“ Zwar betont der Oberst auch sofort im Gespräch mit der Heimatzeitung, dass die Zusammenarbeit mit den Behörden vor Ort ganz hervorragend laufen würde. Seine Kritik und Skepsis bezieht sich da schon eher auf die grundsätzlichen Maßnahmen, die nach der Katastrophe von Duisburg nun im ganzen Land zu treffen sind und zum Teil kleine und große Auswirkungen haben. Die zwar dem grundsätzlichen Gesetz entsprechen, in der Realität aber seltsame Blüten treiben. Petereit erzählt von einem verschlossenen Tor im oberen Teil des Alexanderhöhen-Areals, dessen Schlüssel für den Notfall bisher 30 Meter entfernt bei professionellen Schützenfest-Mitarbeitern platziert gewesen sei. „Geht nicht mehr“, sagt der Oberst, „nun müssen wir vier Tage lang einen Sicherheitsdienstmitarbeiter neben das verschlossene Tor stellen, der den Schlüssel in der Hosentasche hat. Und wir müssen ihn vier Tage lang bezahlen.“

Dass auf der anderen Seite zum Beispiel auf dem gesamten Gelände die Fluchtweg-Markierungen noch deutlicher angebracht werden müssen, kann der Vereinschef durchaus nachvollziehen. Allerdings möchte er auch, dass nicht ganz in Vergessenheit gerät, dass man viele Dinge der heutigen Norm in früheren Jahren bereits umfangreich umgesetzt habe. „Wir arbeiten doch immer schon überaus intensiv mit den entsprechenden Stellen der Verwaltung zusammen, da betreten wir doch wahrlich kein Neuland.“ Und er legt auch noch einmal eine rückblickende Zahl nach: „Wir veranstalten dieses Schützenfest jetzt nach 1949 ununterbrochen. Und es ist noch zu keinen schwerwiegenden Vorfällen gekommen.“

Etwas mehr Farbe bekommt das Gesicht dann doch, wenn es um die Biertrinker-Gretchen-Frage „Gläser oder Becher“ geht. So ganz viel Spielraum hat der Veranstalter gar nicht. Auf der einen Seite verbietet der Gesetzgeber den Einsatz von Gläsern aus Sicherheitsgründen. „Dann mussten wir die Plastikbecher einsetzen, die im Fall einer Zerstörung die noch viel gefährlicheren Splitter bekamen.“

„Also haben wir die wieder verwertbaren Becher eingesetzt. Und teuer bezahlt. Mit etwa 9000 Euro allein im letzten Jahr.“ Natürlich wüssten er und seine Mitstreiter, „dass das Becherpfand nicht der Weisheit letzter Schluss ist“, aber eine andere sinnhafte, vor allem genehmigungsfähige Lösung sei auch derzeit nicht in Sicht.

Keine Angst vor Einbruchder Besucherzahlen

Hat er denn nicht Sorge, dass sich die Menschen vor dem Hintergrund solcher Probleme und vor allem wegen durchgezogener Preissteigerungen von dem einst unantastbaren Volksfest abwenden könnten? Zumal er sich auch dazu beziehungsweise zu den Kostensteigerungen im Sicherheitsbereich bereits in einem Schreiben an die Kompanieführer geäußert hatte: „Ein nicht geringer Teil der Gäste solcher Veranstaltungen akzeptiert die notwendige Umlage auf den Eintrittspreis nicht, da nur der Kartenpreis gesehen wird, die notwendige Kostendeckung für den IBSV aber als lästig empfunden wird. Die goldenen Jahre der geringen Eintrittsgelder bei optimalem Vergnügen sind leider vorbei.“ Doch der Oberst hat in der Frage möglicher Besucher-Rückgänge dann doch eine klare Position: „Im Moment sage ich ein klares ‚Nein’’“, gibt sich Hans-Dieter Petereit ungebrochen optimistisch. Die aktuellen Vorverkaufszahlen ließen bereits den Schluss zu, dass das Interesse am Schützenfest auch in diesem Jahr wieder ungebrochen hoch ist.

Auch den Einwand, dass bereits im vergangenen Jahr am Samstag und Sonntag von Festbesuchern über eine gefühlte oder tatsächliche Leere auf der Höhe geklagt wurde, lässt Petereit so nicht gelten. Bei einem viertägigen Fest könne nun mal nicht an allen vier Tagen rund um die Uhr Remmidemmi herrschen, sagt er. „Das ist doch auch gar nicht unser Konzept.“ Der Freitag sei inzwischen traditionell der Tag der jungen und alten Iserlohnerinnen und Iserlohner aus Nah und Fern und der Samstag habe seinen Höhepunkt mit dem Königsschießen. Der Sonntag schließlich stehe ganz im Zeichen des großen Festzuges am Nachmittag mit der anschließenden Kapellenverabschiedung. „Da führen wir in erster Linie die Iserlohner Familien und ihre Freunde zusammen.“ Am Rande bietet er gleich noch eine wohl beeindruckende aktuelle Zahl auf: „Nach unseren neuesten Planungen werden am diesjährigen Sonntags-Festzug rund 6000 Menschen aktiv teilnehmen.“

Wer am Vorabend des Schützenfestes 2012 mit dem IBSV-Oberst spricht, kann natürlich das Thema Parkhalle und einen möglichen, derzeit in der politischen Diskussion befindlichen Abriss nicht ausblenden. Doch Petereit gibt sich auch in diesem Punkt zunächst einmal unaufgeregt: „Ich glaube nicht an einen politischen Beschluss, dass die Halle wirklich nach dem Fest 2013 abgerissen wird“, sagt er und verweist einmal mehr auf Verträge des Vereins mit der Stadt, die das Recht auf die Veranstaltung in einem angemessenen Rahmen verbindlich regeln würden. „Und diese Verträge wurden schließlich auch geschlossen beziehungsweise neu verhandelt und verlängert im bereits bestehenden Angesicht der Tatsache, dass die Halle einmal der Baufälligkeit zum Opfer fallen würde.“ Da könne man ja heute nicht einfach die Schließung auf sich zukommen lassen und am Ende sagen: „Tja, nun haben wir eben keine Halle mehr. Basta!“

Mit einer ebenfalls bereits mehrfach ins Gespräch gebrachten anschließenden Zeltlösung könnte Petereit wohl auch nicht wirklich leben. Mal ganz abgesehen von den immensen Kosten, die eine solche Lösung nach sich ziehen würde. Es ginge ja nicht nur um die Zelte, sondern auch um die gesamte technische Infrastruktur, die jedes Mal wieder aufs Neue geschaffen werden müsste. „Und das nicht nur zum Schützenfest, sondern zum Beispiel auch zu unseren Neujahrs- und Königsbällen.“ Eine Patentlösung für die planerischen und unternehmerischen Konflikte beim Betreiben einer Iserlohner Veranstaltungshalle im Bereich Alexanderhöhe hat Petereit indes auch nicht. „Ich sehe natürlich die Situation der potenziellen Investoren, die Auseinandersetzungen mit den Anwohnern fürchten.“ Er könne allerdings auch nur immer wieder darauf verweisen, dass die Parkhalle als Veranstaltungsraum für Iserlohn in vielen Jahrzehnten natürlich gewachsen sei. Und genau darum wolle man für den Erhalt kämpfen beziehungsweise auch durchaus kompromissbereit an kreativen Lösungen mitarbeiten. Wie hatte Hans-Dieter Petereit bereits an die IBSV-Kameraden geschrieben: „Damit wir unser Schützenfest in dem Rahmen feiern können, wie wir es seit Generationen getan haben und im Interesse der Stadt auch weiterhin tun wollen.“

Von Thomas Reunert


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