NRW: Doppelter
08.11.2011 | 16:29 Uhr 2011-11-08T16:29:00+0100
Iserlohn.„Gesundheitspolitik - sind unsere Krankenhäuser noch finanzierbar?“ So lautete der Titel eines Vortrages, den der Geschäftsführer der Katholischen Hospitalvereinigung Märkischer Kreis, Thomas Wülle, am Dienstag im Rahmen des Politischen Frühstücks der Senioren Union im Haus Gerdes hielt. Nach Wülles Aussagen müsste die Antwort auf die eingangs gestellte Frage „Nein“ heißen - zumindest, wenn die Rede von Krankenhäusern in Nordrhein-Westfalen ist.
Wülle ging auf die allgemeinen Probleme ein, die auch die jüngste Gesundheitsreform mit sich bringt. Einen Schwerpunkt legte der Geschäftsführer allerdings auf die gravierenden Standortnachteile, die seiner Auffassung nach in NRW bestehen - und zwar gleich in zweifacher Hinsicht.
So sei beispielsweise die Investitionsfinanzierung an Rhein und Ruhr eine Katastrophe. Die sogenannte Bettenpauschale, die dafür fließt, falle im Vergleich zu den meisten anderen Bundesländern und damit auch im Vergleich zum Bundesdurchschnitt drastisch geringer aus. Wülle sprach von einem Skandal, der fast schon der schleichenden Enteignung der Krankenhausbetreiber gleichkomme. Um überhaupt noch die Investitionen schultern zu können, die notwendig sind, um wettbewerbsfähig bleiben zu können, müssten zunehmend auch Mittel aus dem eigentlichen Krankenhaus-Betrieb abgezweigt werden. Aber auch bei den Fallpauschalen, die die Krankenhäuser für ihre Leistungen erhalten, gebe es im Vergleich zu anderen Bundesländern gravierende Nachteile. So würden die drei Häuser der Hospitalvereinigung in Iserlohn, Menden und Balve jährlich 3,9 Millionen Euro mehr aus den Fallpauschalen vereinnahmen, wenn sie nicht in NRW sondern etwa in Rheinland-Pfalz angesiedelt wären. Wülle sprach in diesem Zusammenhang von einer nicht zu rechtfertigenden Verschiebung von Versicherten-Geldern. Leidtragende seien neben den Patienten auch die Beschäftigten an den Krankenhäusern.
Wenn es nicht gelänge, diese Wettbewerbsnachteile zu beseitigen, seien auch weitere Krankenhäuser in der Region in ihrem Bestand gefährdet. Das gelte vor allem für kleinere Häuser wie etwa in Balve oder Hohenlimburg. Der Wettbewerb zwischen den Krankenhäusern um mehr Patienten werde sich noch verschärfen.
Thomas Wülle ging auch auf das aktuelle Sparpaket der Hospizvereinigung ein, welches beispielsweise Einschnitte beim Weihnachtsgeld der Mitarbeiter vorsieht, vorerst aber von der arbeitsrechtlichen Kommission des Erzbistums abgelehnt worden ist. Der Geschäftsführer kündigte an, mittels eines Widerspruchverfahrens einen neuen Anlauf zu unternehmen.
Was die Standortnachteile anbelangt, will die Seniorenunion den SPD-Landtagsabgeordneten Michael Scheffler auffordern, sich in der Angelegenheit einzusetzen. „Wir müssen uns weiter mit dem Thema beschäftigen“, sagte die stellvertretende Vorsitzende der Seniorenunion Iserlohn, Wilma Himmen.
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