Neuer Stern am Klassik-Himmel

exandra Momot bei ihrem Konzert-Debüt: Am Sonntag spielt sie im Konzertsaal der Musikschule ihr erstes Solo-Recital.
exandra Momot bei ihrem Konzert-Debüt: Am Sonntag spielt sie im Konzertsaal der Musikschule ihr erstes Solo-Recital.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Die 15-jährige Wunderpianistin Alexandra Momot begeistert bei ihrem Konzert-Debüt in Iserlohn.

Iserlohn..  Am Ende steht man doch einigermaßen fassungslos vor einem solchen Phänomen. Ein junges Mädchen von gerade Mal 15 Jahren spielt ein komplettes Konzertprogramm voll mit brachialen Schwergewichten wie Beethoven (Pathétique), Chopin und Mendelssohn (Phantasie f-Moll) – ein Programm das jeden Konzertpianisten vor eine Herausforderung stellt. Das sind Notenberge, die für jeden Klavierschüler ihres Alters schlichtweg unüberschaubar sind, die sie aber scheinbar mühelos versetzt – Gipfel der Klaviermusik, die sie wie ein großer Virtuose technisch vollends beherrscht und absolut makellos nachempfindet.

Mit vier Jahren schonam Klavier improvisiert

Das Publikum des zweiten Kammerkonzertes dieses Jahres ist im sehr gut besuchten Konzertsaal der Musikschule vermutlich Zeuge geworden, wie ein neuer Star der Klassikwelt geboren wurde. So hat es sich jedenfalls angefühlt, als Alexandra Momot dort am Sonntagmorgen los legte und den großen Bösendorfer Flügel bearbeitete, wie man es nie und nimmer von einer 15-jährigen erwartet hätte. Mit vier Jahren hatte sich die Tochter des Iserlohner Klavierlehrers Eugen Momot, die in Düsseldorf geboren wurde und dort auch mit ihrer Familie lebt, zum ersten mal ans Klavier gesetzt und einfach drauf los improvisiert und ganz ohne Notenkenntnisse auch schon eigene Stückchen geschrieben. Wie sich ihr Vater erinnert, habe sie schon so ernst und in die Musik vertieft am Klavier gesessen wie ein reifer und erfahrener Musiker. Mit sechs hat sie dann schon das Cembalo-Konzert von Bach gespielt, mit acht gewann sie mit einer Mozart-Sonate erstmals bei „Jugend musiziert“, erste Auftritte mit Orchester folgten, Wettbewerbspreise am laufenden Band, mehrere Meisterkurse, die Aufnahme als Jungstudentin an der Musikhochschule Köln und nun schließlich – vermutlich als sehr große Ehre für den kleinen Konzertsaal an der Gartenstraße – ihr erstes komplettes Solo-Konzert. Bisher, so Eugen Momot, habe sie „nur“ etwa 20-minütige Wettbewerbsbeiträge gespielt. Ein ganzes Konzertprogramm von weit über eine Stunde auswendig zu beherrschen, sei ein neuer Meilenstein in ihrer Karriere.

Und von dieser Karriere spricht Alexandra Momot im Gespräch mit unserer Zeitung auch ganz unverblümt. „Natürlich möchte ich in die Spitze und strebe eine Laufbahn als Solo-Pianistin an“, sagt sie. Nur zur Einordnung: Schon der Weg zum herkömmlichen Berufsmusiker ist ein langer und steiniger, der einen enormen und über Jahre kontinuierlichen außerschulischen Einsatz erfordert, um überhaupt eine Aufnahmeprüfung für eine Musikhochschule zu schaffen. Der Plan, eine Solo-Karriere zu starten, ist für eine 15-Jährige schon ziemlich ambitioniert.

Biss, Härte, ein langerAtem und Spaß am Üben

Nun kommt bei Alexandra Momot natürlich Einiges zusammen. Zum maßlos auf sie ausgeschütteten Talent und einem Pianisten-Ehepaar als Elternhaus, das dieses Talent von klein auf bestens gefördert hat und weiter fördert, kommt bei ihr zunächst einmal dieses Wunder des schon sehr früh und sehr intensiv ausgeprägten Zugangs zur klassischen Musik. Wenn sie spielt, sagt sie, entrücke sie in eine andere Welt. „Das ist absolut atemberaubend und im Grunde nicht zu erklären“, so die Jung-Virtuosin. Und dann verfügt sie über alles, was man sonst noch mitbringen muss, um so ein Talent auszuschöpfen: Biss, Härte, langer Atem und ganz offensichtlich Spaß daran, sich und ihre Finger täglich mehrere Stunden zu trainieren. Auch wenn sie – wie meistens – als Neuntklässlerin eines normalen G8-Ganztags-Gymnasiums recht erschöpft am späten Nachmittag aus der Schule kommt. Eigentlich müsste sie mindestens fünf Stunden am Tag üben, sagt sie. Was für einen Berufsmusiker auch nichts ungewöhnliches ist. Die Schule lässt ihr aber nur Zeit für zwei bis drei Stunden am Tag. „Ich habe aber einen Direktor, der mit sehr hilft“, sagt sie. Vor wichtigen Wettbewerben hatte sie auch schon Mal eine ganze Woche frei, um richtig zu üben.

All das sind aber letztlich nur unzulängliche Erklärungsversuche, für das, was sich am Sonntag in der Musikschule abgespielt hat. „Ich werde wohl den ganzen Tag brauchen, um das zu verdauen“, sagte eine Konzertbesucherin nach dem Konzert. Auch sie stand ziemlich fassungslos vor diesem Phänomen.