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Podiumsdiskussion

Neue Pflegemodelle gesucht

13.02.2012 | 17:25 Uhr
Neue Pflegemodelle gesucht

Iserlohn. „Wer pflegt (mich) morgen?“ – unter diesem Titel stand eine Podiumsdiskussion des CDA-Kreisverbandes Mark und der Bezirksfrauenunion Südwestfalen am Freitag in den Räumlichkeiten des Altenpflegeseminars an der Erich-Nörrenberg-Straße.

Mit dem Landtagsabgeordneten und Bezirksvorsitzenden der CDA Südwestfalen, Hubert Kleff, der Pflegedienstleitung der Diakoniestation Iserlohn, Simone Kesten, und dem Leiter des Altenpflegeseminars, Sylvio Wienbeck, war es der Vorsitzenden der Kreis-CDA, Margarete Rehm, und der Vorsitzenden der Frauenunion, Bezirk Südwestfalen, Annemarie Kreckel, gelungen, kompetente Ansprechpartner zu gewinnen. Als Moderator stand Peter Osterkamp, seelsorgerlicher Leiter des Seniorenparks Reeswinkel zur Verfügung.

„Allein in NRW gibt es eine Million Menschen mit Unterstützungs- oder Pflegebedarf, darunter allein 500 000 mit einer Pflegestufe“, so Rehm in ihrem Grußwort. Es stelle sich die Frage, ob die Gesellschaft zukünftig in der Lage sei, genügend Pflegekräfte zu mobilisieren, um dieser verantwortungsvollen Aufgabe gerecht zu werden.

Einig waren sich alle Teilnehmer dahingehend, dass es neuer Pflegemodelle bedarf, um zukünftig eine gute Versorgung sicherstellen zu können. Auch Eigenverantwortung müsse mehr eingefordert werden, so der gemeinsame Tenor. Es gehe nicht an, dass jegliche Verantwortung der Betreuung abgegeben wird, sobald ein Angehöriger in eine Pflegeeinrichtung komme. In ihrer aktiven Zeit als Krankenschwester habe sie immer wieder beobachtet, dass Patienten in die Pflegeeinrichtung kommen und sich dann lange Zeit keiner mehr sehen lasse, beziehungsweise sich um seinen Angehörigen kümmere, so Kesten. Die einfachsten Tätigkeiten würden hier an hoch bezahlte Fachkräfte abgegeben. Man müsse Angehörige einfach mehr einbeziehen.

Verantwortung müsse aber auch in der Art und Weise gefordert werden, dass sich jeder bereits früh darüber Gedanken mache, wer die Betreuung im Alter übernehmen soll.

Auf die Frage, ob es genügend Ausbildungswillige in der Pflege gäbe, betonte Kleff, dass sogar neue Ausbildungsplätze geschaffen worden und die Ausbildungsstätten ausgelastet seien. Was die Bezahlung ausgebildeter Kräfte anginge, so habe er Verständnis für die Forderung nach einer angemessenen Vergütung. Man müsse aber auch die Personalkosten dabei im Auge behalten. Moderator Osterkamp stellte in diesem Zusammenhang das Thema Entlohnung zur Diskussion. „Wie kann es sein, dass wir unterschiedliche Lohnsysteme in der Pflege haben?“ fragte Osterkamp. Ein Teil der Pflegenden würde nach AVR oder BAT vergütet, während sich andere mit einem Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde begnügen müssten. Auch aus den Reihen der Zuhörer kam hier die Forderung nach einer Regelung durch die Politik. Bei Tarifmissbrauch müsse die Politik einschreiten.

Beim Thema Pflegequalität gingen die Meinungen von Publikum und Experten auseinander. So wurden von Zuhörern die reinsten Horrorszenarien aus Pflegeeinrichtungen geschildert, in denen sich Pflegende aus Zeitmangel und Überforderung nicht um die ihnen anvertrauten Patienten kümmern. Demgegenüber standen die Erlebnisse der teilnehmenden Pflegedienst- und Einrichtungsleiter, die diese Aussagen so nicht unterstreichen konnten. Einigkeit herrschte allerdings darüber, dass die zeitraubende Dokumentation, die Pflegende zu leisten haben, von der reinen Pflegezeit abgeht. Teilweise wird die Dokumentation in nicht bezahlten Überstunden vorgenommen. Auch die zunehmende Zahl Pflegebedürftiger, der demografische Wandel und die kürzere Verweildauer in Kliniken, sei als Ursache für eine Überlastung anzusehen. Margarete Rehm brachte es hier auf den Punkt: „Man hat sich kaum den Namen behalten, dann ist der Patient schon wieder weg.“

Letztenendes brachte die Podiumsdiskussion keine Lösungen, aber deutliche Signale. Modelle, die die häusliche Versorgung in den Mittelpunkt stellen, werden in Zukunft das Bild in der Pflegelandschaft prägen müssen. Hierzu ist ein Umdenken notwendig, das berufstätigen Familienmitgliedern die Pflege ihrer Angehörigen zu Hause auch möglich macht.

Andrè Geitz

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