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Netz-Investitionen Grund für Erhöhung

07.02.2012 | 16:20 Uhr

Iserlohn. Die Stadtwerke Iserlohn legen bei der Begründung der im März 2011 vollzogenen 28-prozentigen Anhebung der Wassertarife nach. Im Zuge der Verbrauchsabrechnung hatten sich Kunden über diese Erhöhung beklagt (wir berichteten).

Bei einem Gespräch mit unserer Zeitung rückten Geschäftsführer Dr. Klaus Weimer, Stellvertreter Norbert Schmitt und der Technische Leiter Reiner Timmreck nun den Netzzustand in den Mittelpunkt der Betrachtung. Im Zeitraum von 2008 bis 2010 habe man eine dramatische Steigerung an Wasserverlusten um rund 50 Prozent verzeichnet - und das bei gleichzeitig gesunkener Abgabemenge. Diese Zahlen habe man dann zum Anlass genommen, dass Leitungsnetz genau zu analysieren und darauf aufbauend ein mehrjähriges Investitionsprogramm aufzulegen. Und um dieses Programm finanzieren zu können, sei die markante Preiserhöhung im März 2011 notwendig gewesen. Weitere Tariferhöhungen aus diesem Grunde würden aber nicht anstehen.

Haben die Stadtwerke also jahrelang geschlafen, was notwendige Netz-Investitionen im Bereich Wasser angeht? Diesen Vorwurf will man so nicht hinnehmen. Es sei über die Jahre branchenüblich in das Netz investiert worden, einmal habe man sich allerdings eine Pause gegönnt, als ein Programm zum Austausch eines bestimmten Leitungstypes abgeschlossen gewesen sei. Vielleicht habe man da zu sehr aus der Substanz gelebt.

Bei der Analyse der stark angestiegenen Leitungsverluste habe man festgestellt, dass diese doppelt so hoch waren wie der NRW-Durchschnittswert. Ergebnis der Untersuchungen sei es außerdem gewesen, dass sich im Zeitraum von 2003 bis 2010 die Zahl der Schäden verdoppelt hätte. Und eine weitere Erkenntnis habe man gewonnen: Nämlich die, dass auf NRW-Ebene Versorger durchschnittlich jährlich 0,9 Prozent des Netzes erneuern würden - bezogen auf die Netzlänge. Bei den Stadtwerken aber waren es nur 0,4 Prozent. Bei der Schadensstatistik habe man bei den Hausanschlüssen noch stärker unter dem Schnitt gelegen als beim Verteilnetz.

Aufgrund der Untersuchungen sei dann eine mittelfristige „Rehabilitationsstrategie“ entwickelt worden, um bei Schadensquote und Wasserverlusten wieder Branchenniveau zu erreichen. 2011 habe man bereits erste Erneuerungsmaßnahmen umgesetzt - und auch 2012 würden diese schwerpunktmäßig fortgesetzt. Insgesamt soll das Programm bis ins Jahr 2015 reichen.

Die Fragestellung, ob denn die Stadtwerke nicht schon zeitnäher nach Bekanntwerden der Problematik mit Tarifanpassungen hätten reagieren können, um Rücklagen für zu erwartende Investitionen zu schaffen, wurde so beantwortet: Man habe nicht einfach in den blauen Dunst hinein die Wassertarife erhöhen können und wollen. Vor der Erhöhung, so Dr. Weimer, hätten belastbare Fakten zusammengetragen werden müssen, um die Notwendigkeiten auch nachweisbar machen zu können.

Man habe eben nicht die Tarife auf dem Rücken der Bürger angepasst, um jetzt die Investitionsmittel zu haben, sondern lege die Kosten nun zeitnah zu den notwendigen Investitionen um. Im Vergleich zum regionalen Durchschnittspreis hätten die Kunden der Stadtwerke Iserlohn im Zeitraum von 2000 bis 2010 sogar rund 500 Euro eingespart, 2010 seien es allein 55 Euro gewesen. Richtig sei aber auch, dass man bezogen auf die derzeitigen Tarife 2012 rund 45 Euro über dem regionalen Durchschnittspreis liegen werde. Unter dem Strich, so Dr. Weimer, könnten sich die Stadtwerkekunden aber nicht beklagen.

Stefan Drees

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Kommentare
08.02.2012
14:31
Netz-Investitionen Grund für Erhöhung
von freebird | #2

Ich kann mich meinem "Vorredner" nur anschließen.

Es werden immer wieder fadenscheinige Begründungen der Stadtwerke geliefert, wieso denn mal wieder Preiserhöhungen anstehen. Dass sich diese wie von meinem "Vorredner" beschrieben auch mal widersprechen können, interessiert ja die Akteure nicht.
Das Problem ist ja, dass man bei Wasser leider nicht den Anbieter wechseln kann. Sonst wäre ich schon lange weg. Beim Strom jedenfalls habe ich so viel Geld durch einen Wechsel gespart, dass ich einen neuen Kühlschrank kaufen konnte, der dann auch wieder Energie spart. Kommunalpatriotismus ist eine Sache, aber sich von den Stadtwerken über den Tisch ziehen lassen eine andere.

08.02.2012
09:59
Netz-Investitionen Grund für Erhöhung
von KalleGrabowski | #1

Die Geschäftsführung der Stadtwerke Iserlohn zeigt mal wieder auf beeindruckende Weise, wie weit entfernt man von betriebswirtschaftlicher Logik ist. Die Preiserhöhung ist erforderlich, weil so viele Rohre kaputt gegangen sind?! Gab es in Iserlohn ein Erdbeben, welches für die Defekte verantwortlich ist? Nein – die Rohrleitungen unterliegen einem Verschleiß. Ein Rohrnetz verursacht Investitionen beim Bau und bei der Instandhaltung. Diese Kosten sind auf Grund von Erfahrungswerten sehr genau kalkulier- und planbar. Somit müssen diese Kosten bei der Unternehmensplanung / Investitionsplanung im Voraus berücksichtigt und Rückstellungen gebildet werden. (BWL 1. Semester!) Dies ist nicht geschehen! Warum nicht? – Die Gründe für die unverschämte Preiserhöhung sind ganz woanders zu suchen: Die Margen beim Strom und Gas brechen weg. Viele Industriekunden sind nicht mehr bei den Stadtwerkern unter Vertrag, weil diese keine attraktiven Angebote unterbreiten können und die Kommunikation zwischen den Geschäftspartnern und den Stadtwerken bei weitem nicht mehr das Niveau, wie zu Zeiten von Dr. Bergmann hat.

Rückstellungen wurden bereits aufgelöst, um die teuren Fehler bei der „Kooperation Menden/Iserlohn“ zu bezahlen und man wollte natürlich auch zeigen, wie toll es läuft:
3 Millionen € Gewinn im Jahr 2010?! .. rächt sich das jetzt?? „Nachhaltigkeit“ ist doch eines Ihrer Lieblingswörter, Herr Dr. Weimer?! Hier haben Sie mal ne Ausnahme gemacht, was?

http://www.derwesten.de/staedte/iserlohn/millionenueberschuss-id4795557.html

Die Argumentation des Vertriebsleiters gestern war: „Wir waren ja vorher viel zu billig!“. Argumentation heute: „Rohre kaputt“. Haben sie schon einmal gehört, dass die Milch teurer wird, weil der Kuhstall renoviert werden muss?

Diese Argumentation ist einfach lächerlich und es ist eine Frechheit, für wie dumm die Kunden gehalten werden. Setzen! Sechs!

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