Nachhaltige Baustoffe haben keine Lobby

Nicht nur beim Thema nachhaltige Baustoffe ein Vorreiter: Die Sonnenkollektoren von 1995 (links) liefern zwischen Mai und September 80 Prozent des benötigten heißen Wassers, die Photovoltaikanlage von 2004 etwa 50 Prozent des Stroms im Hause Treudt am Osterholdweg.
Nicht nur beim Thema nachhaltige Baustoffe ein Vorreiter: Die Sonnenkollektoren von 1995 (links) liefern zwischen Mai und September 80 Prozent des benötigten heißen Wassers, die Photovoltaikanlage von 2004 etwa 50 Prozent des Stroms im Hause Treudt am Osterholdweg.
Foto: IKZ

Iserlohn..  Der Iserlohner Peter Treudt ist einer von bundesweit zehn ehrenamtlichen „Dämmbotschaftern“, mit denen die gemeinnützige „co2online“-Initiative seit kurzem bei Hausbesitzern für Maßnahmen zur Reduzierung des klimaschädlichen CO2-Ausstoßes wirbt.

Dahinter steht auch der 60-jährige Lehrer voll und ganz, ein wenig Schwierigkeiten hat er allerdings mit dem ihm verliehenen Titel. Und dabei geht es ihm nicht um den „Glaubenskrieg“, der um die Dämmung tobt, sondern einzig und allein um das Thema Nachhaltigkeit, das dabei leider viel zu wenig Beachtung finde. Denn wenn von Dämmung die Rede sei, komme den Allermeisten nur Stein- bzw. Mineralwolle und vor allem Styropor in den Sinn. „Also ein Material, für dessen Herstellung Unmengen fossiler Brennstoffe verbraucht werden, die ich ja eigentlich mit der Dämmung einsparen will.“ Hinzu komme noch das Müll-Problem für die nächsten Generationen.

Energieverbrauch ummehr als 60 Prozent gesenkt

Nachhaltige Baustoffe hätten hingegen keine Lobby und seien deswegen oft selbst den Leuten vom Fach nicht bekannt. So auch dem Gesellen, der 2010 Treudts Haus am Osterholdweg mit Holzfaserplatten dämmen sollte. „Der war gerade erst mit der Ausbildung fertig und hatte darin nicht einmal mit einer solchen Alternative zu Styropor zu tun gehabt.“ Und eben entsprechend auch nicht mit den Vorteilen wie der Speicherung der Sonnenwärme, um sie langsam, mit sechs bis acht Stunden Zeitverzug, nach innen an die Wände abzugeben. „So ist es beispielsweise auch im Sommer im Haus tagsüber kühl und nachts dann angenehm temperiert.“ Und im Gegensatz zu Styropor sei die Holzfaser auch ohne Zusatzstoffe nicht entflammbar.

Noch wichtiger ist Peter Treudt aber mit Blick auf die Nachhaltigkeit die Nutzung der vorhandenen Bausubstanz. „Was nützt es denn, wenn ich meine Energiebilanz auf Teufel komm raus verbessere und dabei einen Haufen Müll produziere?“ Deswegen habe er sich 1996, gut zehn Jahre nach dem Kauf des 1959 erbauten Hauses, entschieden, die originalen Holzdoppelkastenfenster aufarbeiten und mit Energiesparscheiben neu verglasen zu lassen. Rund 10 000 Euro habe das umgerechnet für das ganze Haus gekostet. „Aber allein für eine neue Terrassentür-Konstruktion aus Kunststoff hätte ich 7000 Euro gezahlt.“ Und das bei nur minimal besseren Werten.

Die Fenster waren seinerzeit der größte „Brocken“ bei der ersten „Dämm-Offensive“ im Hause Treudt. Hinzu kamen beispielsweise die Dämmung der Dachbodengeschossdecke durch das Einblasen von Zellulose oder die Abnahme und Aufarbeitung der Holzverschalung der Fassade im Obergeschoss auf der Ostseite, wo Heizungsrohre ohne Isolierung „im Freien“ verlegt worden waren. „Wir haben bei der Sanierung aber auch angenehme Überraschungen erlebt wie die Dämmung zum Kellergeschoss, die seinerzeit mit Kokosmatten gemacht worden war.“ Und auch beim Dachüberstand von 60 Zentimetern zum Schutz der Holzfenster habe der Architekt damals mitgedacht. 15 000 Euro hat Peter Treudt zunächst insgesamt investiert und damit seinen unglaublichen jährlichen Energieverbrauch von 55 000 Kilowattstunden in dem 130 Quadratmeter großen Haus um mehr als 40 Prozent senken können. „Das war absolut notwendig, sonst könnte ich heute die Energiekosten wohl kaum noch bezahlen.“

Dass er dann aber ab 2005 weitere 30 000 Euro und jede Menge Eigenleistung investiert hat, um unter anderem mit einer Dämmung des Kellergeschosses und der Fassaden den Energiebedarf noch mal um weitere knapp 20 Prozent zu senken – und damit heute auf Energiekosten von 1300 Euro pro Jahr inklusive Warmwasserbereitung und Kochen mit Gas zu kommen – ergebe aus finanzieller Sicht natürlich nur wenig Sinn. „Da spielte aber auch ein bestimmter Ehrgeiz mit. Ich wollte das richtig zu Ende bringen.“ Denn schließlich ist für ihn, der einst bei der Gründung des Grün-Alternativen Bündnisses Iserlohn dabei war, der sich viele Jahre politisch engagierte und bis heute die seinerzeit von ihm an seiner Schule, dem Berufskolleg in Plettenberg, ins Leben gerufene Öko-AG leitet, Nachhaltigkeit keine leere Phrase.