Motivation statt Tradition

„Nur“ in Sweatshirts, nie in Uniformen: Die Mitglieder des Musikvereins „Sound of Sauerland“ wollen mit Spaß arbeiten. Zu ihren Proben treffen sie sich immer freitags in den Räumen an der Kastanienallee.
„Nur“ in Sweatshirts, nie in Uniformen: Die Mitglieder des Musikvereins „Sound of Sauerland“ wollen mit Spaß arbeiten. Zu ihren Proben treffen sie sich immer freitags in den Räumen an der Kastanienallee.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Entgegen des allgemeinen Trends wächst der noch recht junge Musikverein „Sound of Sauerland“ zusehends.

Iserlohn..  Schwindende Mitgliederzahlen, gar Vereinssterben – das genaue Gegenteil ist bei „Sound of Sauerland“ („SOS“) zu beobachten. Innerhalb von drei Jahren nach der Gründung hat sich die Anzahl der Aktiven verdreifacht, die Menge der Auftritte vervielfacht.

Doch zunächst einmal zurück zu den ersten Schritten des Drumcorps, das Markus Aßmann nebst Angehörigen zusammen mit einer zweiten Familie quasi aus Verzweiflung gründete. Denn seine Erfahrungen bei anderen musikalisch aktiven Gruppen und Vereinen waren nicht unbedingt positiv: Mal war das Repertoire sehr angestaubt, dann herrschte Uniformzwang, dort waren die Mitglieder Neuem nicht gerade zugetan oder alle drei Punkte trafen gleichzeitig zu. „Dann habe ich mich entschlossen, die Trommelei zu forcieren“, so der heutige Geschäftsführer Aßmann, der mit drei weiteren Musikern das Wagnis einer Neugründung startete. „Etwa 2000 Euro hatten wir aus Eigenmitteln zusammengeschmissen, um die ersten Instrumente anzuschaffen“, blickt der 47-Jährige, der zunächst Posaune gelernt hatte, auf den Jahresbeginn 2012 zurück. Im Juli wurde „Sound of Sauerland“ als Verein eingetragen, das erste Benefizkonzert gab es für die Kinderkrebsklinik Datteln.

Raketenartig setzte sich dann etwas in Bewegung, das Aßmann auch jetzt kaum nachvollziehen kann. Denn immer mehr Trommelfans strömten in das 2013 bezogene Vereinsheim an der Kastanienallee, mit Torsten Krieger kam nicht nur ein neuer Aktiver hinzu, sondern inzwischen auch ein 1. Vorsitzender. Bei ihm lief es wie bei vielen der Mitglieder: Er erhielt an seinem 40. Geburtstag einen Überraschungsbesuch von seinem alten Kumpel Aßmann sowie dessen „Sound of Sauerland“-Mitstreitern und war sofort Feuer und Flamme. Der heute 42-Jährige wurde wie sein Sohn Fabian ohne Vorkenntnisse Mitglied.

Musizieren nach Notenhat Priorität

Innerhalb von allerhöchstens sechs Monaten, so verspricht es Aßmann, sind die „Frischlinge“ auftrittsreif. „Beim ersten Mal ging mir gewaltig der Stift, jetzt kann ich es gar nicht mehr abwarten, bis es wieder losgeht“, so Krieger, der sich auf die teilnahme an den Karnevalsumzügen der kommenden Tage in Hagen und Menden freut. Er musste wie alle anderen zunächst Grundkenntnisse im Trommeln nach Noten erwerben. „Auf das Spielen nach Noten lege ich großen Wert“, so Aßmann, der vieles aber auch nach dem Motto „Learning by doing“ laufen lässt. Alles andere als antiquiert oder militärisch geht es daher beim Drumcorps nach dem Vorbild amerikanischer Drumlines zu. „Motivation statt Tradition“ lautet die Prämisse, Uniform oder Schellenbaum, Querflöte oder Orden wird man bei „Sound of Sauerland“ daher vergebens suchen.

Neue Mitglieder werden weiterhin dringend benötigt, denn es gibt genug Aufgaben. Angefangen von der Betreuung über das Tragen einer Fahne bis hin zum eigentlichen Musizieren, das künftig durch mehrstimmiges Spiel ausgeweitet werden soll, reichen die Möglichkeiten. „Wir halten den Jahres-Beitrag niedrig, denn die Mitglieder geben ja auch viel für den Verein“, so Aßmann und Krieger. Sie setzen neben den freitäglichen Proben und den Auftritten bewusst wenig Zusatz-Trainingseinheiten wie Marschproben an, um die Aktiven nicht überzustrapazieren.

Mehr Auftritte in der Region als in der Heimatstadt

Doch die erweckten beim Probenbesuch am Freitagabend den Anschein, als könnten sie nicht genug bekommen. Auch in den Pausen springen Kinder und Erwachsene umher, nehmen die Drumsticks und nutzen sie für Faxen. Mit Blick auf die kommenden Einsätze verwundert das nicht, denn der Kalender ist gut gefüllt. Allerdings weniger mit Terminen in Iserlohn, sondern mehr im Hagener Umland. Das soll sich ändern: Mit Hilfe von Infoständen wollen sich die Trommler in ihrer Heimatstadt bekannter machen.