Mongolen im Dröscheder Feld?

Am Kriegsende ließen viele Soldaten auf der Flucht ihre Ausrüstung zurück, hier eine Zeichnung vom Wolfsplatz. Dort und auch in der Innenstadt wurde ge
Am Kriegsende ließen viele Soldaten auf der Flucht ihre Ausrüstung zurück, hier eine Zeichnung vom Wolfsplatz. Dort und auch in der Innenstadt wurde ge
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Aus den Erinnerungen der Iserlohner Klaus Peschke und Franz Phillips an das Kriegsende: Von Plünderungen, mysteriösen Besuchern und schnatternden Gänsen

Iserlohn..  Franz Philipps ist sechs Jahre alt, als sich 1945 das Ende des Zweiten Weltkriegs abzeichnet, in Iserlohn sind die Kriegshandlungen bereits zu Ende. Mit Mutter und zwei Schwestern wohnt er am Dröscheder Feld, vom großen Ganzen bekommt er wenig mit. Dafür erinnert er sich an eine äußerst kuriose Episode der letzten Kriegstage, die er später in einer Schrift der Dröscheder Siedlergemeinschaft veröffentlicht:

Die Fremden kommen auf Pferden geritten

„Es muss Ende April gewesen sein, als eines Tages mehrere von Pferden gezogene Planwagen auf der Oestricher Straße ankamen“, erinnert er sich. Sogleich besetzt die Gruppe eine Weide und ein angrenzendes Feld.

Doch wo kamen die Fremden her? Die Vermutung der Dröscheder: „Es waren Mongolen.“ Asiatisch aussehende Menschen, allerdings keine Japaner oder Chinesen. „Es war ein beeindruckendes Schauspiel, wenn die jungen Burschen auf ihren Pferden durch die Siedlung ritten.“

So geht das eine kurze Zeit. Irgendwann dann wird die ältere Schwester Phillips vom lauten Geschnatter der Hausgans geweckt. „Aufgeschreckt sprang sie zum Fenster und sah, wie ein Mongole mit dem Vogel über den Gartenzaun klettert.“ Männer, die helfen können, gibt es nicht. Schließlich inspizieren die „Amis“ auf Bitten der Schwester das Lager der Fremden, die Gans bleibt verschwunden. Kurz darauf verschwinden die mysteriösen Besucher.

Nach dem Krieg beginnt Phillips zu recherchieren. Seine Vermutung: „Östlich Stalingrads lebten die Kalmücken“, ein ostmongolisches Volk. Nach dem Rückzug der Wehrmacht ließ Stalin das Volk zwangsumsiedeln, einige von ihnen flohen wohl mit den Deutschen, wurden später von den Alliierten zurückgeschickt. Beweise für seine These hat Phillips nicht.

Auch der 2012 verstorbene Klaus Peschke schrieb seine Erinnerungen an das Kriegsende nieder. Der Iserlohner war damals elf Jahre alt und lebte an der Lindenstraße, heute von-Scheibler-Straße.

Eines Abends zieht ihn die „Omi“ wieder mal in den Keller, Geräusche, die er so noch nie gehört hat, treiben ihm Angstschauer über den Rücken. Einer der Hausbewohner im Keller gibt im Hinblick auf die größte Sorge der zusammenkauernden Menschen Entwarnung: „Brandbomben machen nicht so große Erschütterungen.“ In einer Gefechtspause kommt der Hauptfeldwebel Weilerswist, Verwandter einer Hausbewohnerfamilie, in den Keller und berichtet: „Dossmann brennt, die Leute plündern (...). Kommt jemand mit?“ Klaus Peschke bleibt.

„Geplündert wurde am Ende des Beschusses sehr viel“, schreibt er. „Mendener Straße, Friedrichstraße“, überall. Der Wettlauf um Lebensmittel – „wir haben nichts davon abbekommen.“ Die „Omi“ hatte es verboten: „Man stiehlt kein fremdes Eigentum“, sagt sie.

Irgendwann kehrt dann Ruhe ein, später kommen die Amerikaner die „Wermingser heruntergeschlurft“. Von der Kapitulation hört er nur aus der Ferne, erinnert sich aber an einen Offizier, den er an dem Tag sah: „Tief beeindruckte mich, dass er Tränen in den Augen hatte.“