Momo brachte den Menschen die Zeit wieder zurück
22.11.2010 | 16:20 Uhr 2010-11-22T16:20:00+0100
Iserlohn. Schallendes Kindergelächter durchhallte das Parktheater, als Momo sich vorstellte: Ich bin 100 Jahre alt oder 110.“ Zum zweiten Mal wurde das Stück „Momo“ unter der Regie von Andreas Lachnit aus der Kindertheater-Reihe „Dies und das und noch etwas“ vom Jungen Theater Bonn am Montagvormittag im Parktheater vor 500 Besuchern (Schulklassen aus der Region) aufgeführt. Auch am Sonntag war das Familienstück nach dem Bestseller von Michael Ende fast ausverkauft gewesen.
Der Regisseur schuf ein ansprechendes Bühnenbild mit dem intermedialen Element einer Videoleinwand. Viele brisante Szenen gab es zu erleben, etwa einen Ringkampf und die stürmische Bootsfahrt der Schauspieler mit Seil und Besen. Es gab aber auch stille, beklemmende Momente, in denen die Kinder gespannt, und der ein oder andere auch mit einem Hauch Angst, auf die Bühne schauten, als die finster drein blickenden Vertreter der Zeitsparkasse aus dem Nebel schlichen.
Zur Geschichte: Das Waisenmädchen Momo, gespielt von Jana Gerschlauer , wird vom Straßenkehrer Beppo (Jan Herrmann) in einem alten Amphitheater gefunden. Alle Bewohner des italienischen Dorfes wollen sich um Momo kümmern. Momo bewegt die Menschen zum Nachdenken und hilft ihnen bei Problemen. Sie macht einen Wellensittich gesund und schlichtet Streit. Alle sind glücklich, dass Momo da ist und ihr Leben bereichert.
Doch dann wird alles anderes: Die grauen Herren stehlen die Zeit der Erwachsenen. Sie arbeiten für die Zeitsparkasse. Sie tuen so, als würden sie den Menschen helfen Zeit zu sparen, doch in Wirklichkeit haben diese immer weniger. Momo durchschaut das falsche Spiel und möchte sich mit ihren Spielkameraden dagegen wehren. Doch das passt den grauen Herren gar nicht. Der Verwalter der Zeit, Meister Hora, hilft Momo zusammen mit der Schildkröte Kassiopeia, gespielt von einer Marionette. Zusammen schaffen sie es, die Welt von den grauen Herren zu befreien, indem sie die Zeit anhalten und die grauen Herren keinen Nachschub mehr an neuer Zeit erhalten.
Die Kinder fieberten bei der spannenden Rettung um die Zeit kräftig mit. Dimetrio-Giovanni Rupp vom Jungen Theater Bonn verkörperte einen der „Grauen Herren“, einen Bösewicht. Im Interview mit der Heimatzeitung erklärte er: „Uns ist es wichtig, Kindern das Medium Theater näher zu bringen, denn es gibt mehr als nur das Kino. Ich spiele gern den Bösen, man bekommt starke Reaktionen vom Publikum. Die Rolle eines der grauen Herren ist sehr spannend und macht viel Spaß.“
Und den hatten gestern auch die Kinder. Und in anderen Momenten herrschte gleich wieder gespannte Stille. Das italienische Flair wurde durch den brillanten Dialekt und das gemeinsame leidenschaftliche Spaghetti-Mahl der Darsteller unterstrichen. Es war ein bereicherndes, unterhaltsam inszeniertes Kinderstück, dass zum Nachdenken anregt und zeigt, dass man sich ruhig mal Zeit lassen sollte. Aber auch Erwachsene können sich von Momo bereichern und begeistern lassen.
08:16
Ein schönes Stück, mit viel Liebe umgesetzt, die grauen Männer sind sehr gelungen. Mein Kompliment nach Bonn....
P.S. ... aber an das Stück Die Schöne und das Biest vom Iserlohner Theater von 2009 kommt momentan keiner ran. Das war damals großes Kino.
00:06
SUPER VORSTELLUNG. Ein ganz dickes Lob an das Junge Theater Bonn. Tolle Umsetzung dieser Geschichte von Michael Ende. Wer nicht da war hat was verpasst.