Mit Überschall in den Ruhestand

Mehr Zeit für die Familie und seine zahlreichen Hobbies: Friedhelm Kowalski (rechts) geht in den Ruhestand.
Mehr Zeit für die Familie und seine zahlreichen Hobbies: Friedhelm Kowalski (rechts) geht in den Ruhestand.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Kämmerer Friedhelm Kowalski feierte gestern seinen Abschied aus dem öffentlichen Dienst. Bis Ende Juli allerdings bleibt der Beigeordnete noch in städtischen Diensten - und hat bis dahin noch eine große Herausforderung zu meistern.

Iserlohn..  Als Praktikant in Diensten der Stadt Letmathe hat er seine Laufbahn vor 48 Jahren begonnen, als Kämmerer der Stadt Iserlohn feierte Friedhelm Kowalski gestern, einen Monat bevor er endgültig die Rathausschlüssel abgeben wird, in der Städtischen Galerie seinen Abschied im Kreise seiner Familie, seiner vielen Kollegen, Freunde und Weggefährten.

„Ich habe das Maximum erreicht, nicht nur bei den Versorgungsbezügen“, blickte der gerade ausgezeichnete Ehrenringträger in einer launigen Ansprache dankbar auf fast fünf Jahrzehnte im öffentlichen Dienst zurück, in denen er keine zehn Tage aus Krankheitsgründen nicht zur Arbeit erscheinen konnte. „Das ist kein Verdienst, sondern eine Gnade“, betonte der bekennende evangelische Christ. Das Elixier, das ihn angetrieben habe, „war nicht das viele Geld, das ich hätte bekommen müssen“, sondern seine „Sucht nach Innovationen“, die auch Triebfeder vieler Kommunalpolitiker sei. Die Einstiegsdroge für Friedhelm Kowalski in diese „Gestaltungssucht“ war die ihm vom damaligen Stadtdirektor Heiko Wetekam übertragene Aufgabe, „Radio MK“ aufzubauen, sein berufliches „El Dorado“ die Leitung des Ressorts Jugend, Soziales, Schule und Sport, „dort hatte ich das Gefühl, Menschen direkt helfen zu können“. Gelungen sei in dieser Phase unter anderem die flächendeckende Einführung der Offenen Ganztagsgrundschule in einem „Konsensmodell“ mit allen Beteiligten. „Konsensmodelle gibt es für jedes Vorhaben, man muss sie nur suchen“, so Friedhelm Kowalski, „und dabei ist es möglich, dass jeder seine Vorstellungen zu 90 Prozent erfüllt sieht. Man darf nur nicht auf 120 Prozent bestehen. Miteinander können wir viel erreichen, gegeneinander können wir nur Schaden anrichten.“ Ein riesiges Lob richtete der scheidende Kämmerer an seinen „Co-Piloten“ Ralf Stockebrand, Birgitt Illing, Sandra Echtermann, Stefanie Noack, Michael Wojtek und Maja Pallokowski, die den innersten Zirkel seiner Mitarbeiter bildeten.

Kowalski will auf den Seniorenteller verzichten

Auf sehr humorvolle Weise machte Friedhelm Kowalski deutlich, dass er sich noch kaum mit dem Ruhestand beschäftigt habe. „Ich fühle mich topfit, ich kann mir kaum vorstellen, nicht mehr zu arbeiten“, so der Beigeordnete, der von niemandem als „Senior, Rentner oder älterer Herr“ bezeichnet werden möchte, „ich will auch nicht in den Seniorenbeirat, und Seniorenteller will ich schon gar nicht bekommen“. Angesichts seiner Hobbies und Leidenschaften dürfte Kowalski seine Frische auch noch lange bewahren, ob nun beim Tanzen, beim Bildhauern, bei Computerspielen, bei der Lektüre von Fantasy- und Science-Fiction-Romanen, beim Radfahren und Wandern oder bei der Beschäftigung mit der Familie. Ein Enkelkind hat Großvater Kowalski schon, ein weiteres wird in Kürze das Licht der Welt erblicken, „und das sind die einzigen Menschen, die mich Opa nennen dürfen“.

Bis er in den Ruhestand geht, werden Friedhelm Kowalskis Dienste im Rathaus derweil noch dringend benötigt. Es wird kein ruhiger und gemächlicher Abschied, der Kämmerer nähert sich der Pensionierung „mit Überschallgeschwindigkeit“. Denn bis zum 31. Juli hat er von Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens noch die Aufgabe erhalten, die Voraussetzungen zu schaffen, um die zweite Gesamtschule am Seilersee unterbringen zu können. Ahrens, dem Kowalski dankte für „hundertprozentige Rückendeckung und Freundschaft“, weiß derweil sehr wohl, dass er mit dem Weggefährten Kowalski einen kaum zu ersetzenden Fachmann verliert. Kowalski sei als Kämmerer zur richtigen Zeit der richtige Mann am richtigen Platz gewesen, erinnerte Ahrens daran, dass es dem Finanzressortleiter mit seinem Team gelungen sei, Iserlohn nach der Weltwirtschaftskrise einen „echt ausgeglichenen Haushalt“ zu bescheren. „Ich kenne keinen Menschen, der sein Laptop im Urlaub mit an den Strand nimmt, um dort Etat-Optimierungen zu erarbeiten. Du hast Maßstäbe gesetzt.“

„Du hinterlässtriesige Fußstapfen“

„Du hinterlässt riesige Fußstapfen und wirst uns fehlen, nicht nur in der Verwaltung, sondern auch in der Fraktion“, würdigte CDU-Fraktionschef Fabian Tigges den Kämmerer, während Karsten Meininghaus als Vorsitzender der Veranstaltergemeinschaft von Radio MK erfreut mitteilte, dass Friedhelm Kowalski dem Lokalsender, den er „in herausragender Weise“ gelenkt habe, als Geschäftsführer erhalten bleibt. Auch Stadtwerke-Chef Dr. Klaus Weimer und Holger Böhnert, Vorstand des Märkischen Stadtbetriebs Iserlohn Hemer, dankten dem Kämmerer für seine Unterstützung, seine Weitsicht und seine Begleitung. Für Friedhelm Kowalski, so Böhnert, könne er sich sogar vorstellen, den Posten eines „ehrenamtlichen Qualitätsbeauftragten“ einzurichten. Was aber wohl das Wirken des künftigen Ruheständlers für die Stadt Iserlohn am besten beschreibt, dafür fand Ressortbüro-Leiter Ralf Stockebrand humorvoll die treffendste Beschreibung: Alle Überstunden und trotz Urlaubs geleistete Arbeitstage eingerechnet, käme der 63-jährige „Ko“ vermutlich auf rund 69 Jahre im Dienst an der Öffentlichkeit.