Mit Teppichmesser Hals des Opfers ins Visier genommen?

„Justicia“ wacht über das Recht.
„Justicia“ wacht über das Recht.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der Angeklagte leidet offenbar an einer paranoiden Schizophrenie. Zum Zeitpunkt der Taten, so gab er an, sei er mit seinen Medikamenten überhaupt nicht zurechtgekommen.

Iserlohn/Hagen..  Sitzt da ein ganz anderer Mann auf der Anklagebank der 9. großen Strafkammer des Hagener Landgerichtes, als er es noch vor rund anderthalb Jahren war? Angeklagt ist der 36-jährige Iserlohner wegen Körperverletzungsdelikten, üblen Beleidigungen und Pöbeleien begleitet von einem insgesamt sehr aggressiven Verhalten waren seinerzeit gewissermaßen an der Tagesordnung. Der Iserlohner Polizei war er daher bestens bekannt. Ruhig, aufmerksam zuhörend, fast schon lammfromm, so präsentierte er sich gestern dem Gericht.

Der Angeklagte leidet offenbar an einer paranoiden Schizophrenie. Zum Zeitpunkt der Taten, so gab er an, sei er mit seinen Medikamenten überhaupt nicht zurechtgekommen und habe sie deshalb öfters auch nicht eingenommen. Er habe regelmäßig Stimmen gehört, die ihn beleidigt hätten. Auch THC-Konsum spielte offenbar eine Rolle. Seit etwa einem Jahr bekommt der Iserlohner andere Medikamente, auch nicht mehr in Form von Tabletten, sondern als monatliche Depot-Spritze. Seit dem gehe es im „super“. Auch sein ambulanter Betreuer schilderte ihn als sehr beflissen und engagiert, er sei auch beliebt.

Zwei mutmaßliche Taten stehen im Mittelpunkt des jetzt anstehenden Verfahrens: Im Dezember 2013 soll der Angeklagte an der Langen Straße zunächst drei junge Frauen verbal belästigt und einen Mann, der ihnen zur Hilfe kam, mit Faustschlägen ins Gesicht traktiert haben. Dann soll der Bruder des Geschädigten dazu gekommen sein, und den Angreifer von hinten umgeschubst haben. Daraufhin, so die Staatsanwältin, habe der Angeklagte ein Teppichmesser gezückt und damit Schnittbewegungen in Richtung Hals des Bruders vorgenommen haben. Das sei auch keine Drohgebärde gewesen, das Opfer habe nur durch schnelles Zurückweichen Schnittverletzungen am Hals verhindern können. Das Tatgeschehen wurde gestern grundsätzlich von Zeugen bestätigt. Nicht eindeutig waren einige Aussagen, ob es tatsächlich ein Teppichmesser war. Das konnte auch die Polizei nicht klären, weil kein entsprechendes Messer sichergestellt wurde. Der Angeklagte stritt in der Verhandlung ab, ein Messer gezückt zu haben. Vielmehr sei er beleidigt worden und von einem der Männer getreten worden. Erst dann habe er zurückgeschlagen.

Fußtritte, nachdem Opfer am Boden lag

Die zweite mutmaßliche Tat datiert auf März 2014. Im Bereich Trift/Gartenstraße soll der Angeklagte einen Mann angerempelt und dann eine Entschuldigung gefordert haben. Die blieb aus und laut Anklage setzte es für das Opfer Faustschläge ins Gesicht. Als dieses auf dem Boden lag, sollen noch Fußtritte hinterher gekommen sein. Eine Frau, die helfen wollte, soll ebenfalls Faustschläge abbekommen haben. Davon wollte der Angeklagte gestern nichts wissen, mit dem Mann habe sich nach der Rempelei eine wechselseitige Schlägerei entwickelt.

Im weiteren Verfahren wird zu klären sein, ob der Angeklagte bei Begehung der Taten wegen seiner psychischen Erkrankung in der Schuldfähigkeit eingeschränkt war und ob von ihm zukünftig eine Gefährdung für die Allgemeinheit ausgeht.