Mit Schwerstarbeit zur Leichtigkeit
22.09.2009 | 16:54 Uhr 2009-09-22T16:54:00+0200
Iserlohn. Mit dem Konzert "Sehnsucht nach dem Süden" mit der Philharmonie Südwestfalen unter der Leitung von Russell N. Harris und mit dem Soloflötisten Pirmin Grehl an der Spitze ist am Sonntag die Meisterkonzertreihe im Parktheater gestartet.
Wie nach einem Dauerlauf wirkte Russell N. Harris bei seinen Moderationen, so sehr war er außer Atem. Was bei seinem enormen Körpereinsatz beim Dirigieren auch nicht sonderlich verwundert. Mit extremer Geste - fast wie ein Pantomime-Künstler - gibt Ausdruck, Gestus und Handlung der Musik visuell wieder und treibt sein Orchester gleichzeitig mit energischem Dirigat zur gewünschten Leistung.
Und die bestand am Sonntag beim Auftakt in die Meisterkonzertreihe des Parktheaters aus südländisch-sommerlicher Leichtigkeit. Französische und italienische Kostbarkeiten der Orchester- und Opernliteratur von Debussy über Fauré, Gounod oder Saint-Saëns bis Rossini, Pucchini und Bizet standen auf dem Programm. Wobei die klangliche Leichtigkeit, die er mit seinen Musikern sehr überzeugend und ansprechend rüberbrachte, keineswegs mit spielerischer Leichtigkeit oder gar Einfachheit zu verwechseln ist. Bei Harris wurde jedenfalls deutlich, dass musikalische Leichtfüßigkeit durchaus schwere Arbeit bedeuten kann.
Im Sommer 2003 hatte Harris Georg Fritzsch als Chefdirigent bei der Philharmonie Südwestfalen abgelöst, besonders häufig konnte man ihn in Iserlohn aber in diesen Jahren noch nicht erleben. Beim ersten „Classic meets Rock”-Konzert mit der PeeWee-Bluesgang war er das letzte Mal zu Gast, und das ist nun auch schon fast drei Jahre her. Erstmals in Iserlohn war hingegen der Solist des Abends: Pirmin Grehl, 32-jähriger Soloflötist des Berliner Sinfonie Orchesters mit Lehrauftrag an der Hanns-Eisler-Musikhochschule in Berlin, präsentierte sich als fantastischer Solist, der mit seinem luftig-leichten und strahlenden in seinen Flöten-Soli, bei denen er auch Mal die Gesangspartie berühmter Opern-Arien ersetzte, durchaus eine gewisse Sehnsucht nach dem Süden weckte. Wobei das sommerliche Programm durchaus noch zu den zu den spätsommerlichen Temperaturen passte, über die sich die Menschen in unseren Breiten am Wochenende erfreuen durften. Auch Russell N. Harris, der zuvor in Schweden zu Gast war, war erstaunt über die Wärme in Iserlohn. „Ein bisschen Sommer ist schon noch da”, sagte er erfreut.
Man brauchte also noch nicht allzu viel Fantasie, um sich in den Süden zu denken. Ein wenig mehr Fantasie verlangte Kulturbüroleiter Johannes Josef Jostmann hingegen von dem Publikum im gut besetzten Parkteater. Denn die blühenden Landschaften, die er mit seinem Auftaktkonzert vor dem inneren Auge entstehen ließ, möchte er spätestens zum Saisonende am 8. Mai in Iserlohn Realität werden lassen. Dazu verteilte er Blumensamen an alle Besucher, die im kommenden Frühling, vielleicht schon, wenn Antony Hermus und das WDR-Rundfunkorchester Köln die Meisterkonzertreihe beim „Frühlingsputz mit Pfiff” erneut mit musikalischer Leichtigkeit ausklingen lassen, reiche Blüten tragen sollen.
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