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Seminar für Landwirte

Mit nur 0,8 bar im Reifen über den Acker Diesel sparen und die guten Böden schonen

21.05.2012 | 21:38 Uhr
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Mit nur 0,8 bar im Reifen über den Acker Diesel sparen und die guten Böden schonen
Zehn Landwirte nahmen an dem von der Fachhochschule Südwestfalen erstmals in der Region angebotenen Seminar teil. Foto: Torsten Lehmann

Sümmern. Wenn die gelbe Lampe an der gläsernen Diesel-Säule blinkt, wird schon nach zwei Bahnen auf dem Acker in Sümmern sehr deutlich, wie viel Kraftstoff der Traktor verbraucht. „Jetzt das Ganze noch mal mit nur halb so viel Luftdruck, also mit 0,8 bar, in den Reifen“, fordert Marcel Schulz auf. Und nicht nur der Student der Agrartechnik vom Soester Standort der Fachhochschule Südwestfalen registriert mit Freude das Ergebnis: Der Sprit-Stand in der Säule sinkt längst nicht so tief. Die um Schulz und seinen Kommilitonen Florian Schwarzkopf versammelten Landwirte können sich da schon ausrechnen, wie viel sie einsparen könnten.

Und das war am Montag beim erstmals von der FH in der Region angebotenen „Landtechnik-Effizienzpraktikum“ nur einer von vielen Tipps. Einige davon kennen auch Autofahrer aus „Sprit-Spar-Seminaren“: Rechtzeitig schalten, vorausschauend fahren, nicht mehr Gas geben als nötig, weniger bremsen und mehr rollen lassen. Auch dass der richtige Reifendruck den Kraftstoffverbrauch erheblich senken kann, war für die zehn Landwirte natürlich nichts Neues. Anders als die Autofahrer sind sie aber nicht nur auf Asphalt unterwegs, sondern mehr noch auf ihren Feldern, und da kommt nun der Schlupf ins Spiel, also der Umstand, dass je nach Schwere des Arbeitsgerätes und Beschaffenheit des Bodens der Reifen nicht so greift wie er sollte und sich deswegen schneller dreht, als der Traktor vorankommt.

Zusätzlich zum erhöhten Sprit-Konsum hat das noch eine weitere negative Auswirkung fürs Portemonnaie der Landwirte: Das Erdreich wird verdichtet, die Wurzeln können schlechter durchdringen, schon nach wenigen Tagen ohne Regen bekommen Weizen, Mais & Co. Probleme. Die „Bodenschadverdichtung“ kann durch geringere Erträge und höhere Kosten bis zu 250 Euro Unterschied pro Hektar ausmachen, sagte Prof. Dr. Ludwig Volk. Mit einem Spaten, dem eigentlich „wichtigsten Arbeitsgerät des Landwirts“, zeigte er einem Teil der Gruppe am Montag die Beschaffenheit des Bodens unter anderem anhand der Anzahl der gefundenen Regenwürmer, während seine beiden Studenten, die das Seminar vorbereitet und auch den Theorie-Teil am Morgen übernommen hatten, die anderen am Traktor unterrichteten.

Um außer mit der optimierten Fahrweise und auch beispielsweise dem richtigen Anhängen der Maschinen noch mehr Diesel zu sparen und die Böden, die „Grundlage der Arbeit der Landwirte“, zu schonen, widmet sich der Professor, der viele Jahre beim Landmaschinen-Hersteller Claas beschäftigt war und seit 20 Jahren an der FH ist, seit einem Jahrzehnt dem Projekt „Reifenregler“. „Wir hoffen, dass ab dem kommenden Jahr die Herstellerfirmen die Technik endlich direkt einbauen“, sagte Volk, der um die Nachfrage anzukurbeln schon an mehr als 50 Orten vor allem im Osten Deutschlands, aber auch in Schweden, Spanien und anderen Ländern bei Landwirten für die effizientere Nutzung der Technik geworben hat. Bislang gebe es nur Nachrüstsätze, die es aber schon bequem von der Kabine aus ermöglichen würden, den Luftdruck der Reifen anzupassen. Die Investition von 5000 Euro haben die Landwirte in überschaubarer Zeit wieder reingeholt angesichts einer Ersparnis von mindestens 10 und sogar bis zu 25 Prozent Diesel. Denn davon braucht der Traktor 20 Liter in der Stunde, 20 000 Liter im Jahr, und weil der staatliche Zuschuss pro Liter stets gleich ist, leiden auch die Bauern unter den hohen Preisen und sind dankbar für Einspartipps.

Torsten Lehmann

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