Mit Musik den Weg zum Glauben ebnen

Timothy James Meaney (rechts), Sohn Jake (links) und Eckhart Jung haben am Montagabend das neue Album „My Peace“ in der Obersten Stadtkirche vorgestellt.
Timothy James Meaney (rechts), Sohn Jake (links) und Eckhart Jung haben am Montagabend das neue Album „My Peace“ in der Obersten Stadtkirche vorgestellt.
Foto: IKZ
US-Sänger und Songwriter Timothy James Meaney über alte Kirchenzöpfe, Tiefschläge und seine neue CD.

Iserlohn..  Ein Tisch voll belegter Brote, Kaffeetassen und Kaltgetränke steht in einem Nebenraum des Lutherhauses. Timothy James Meaney und Eckhart Jung sitzen lässig davor, ihnen ist kaum anzumerken, dass sie in einer guten Dreiviertelstunde ein ganz besonderes Konzert in der Obersten Stadtkirche direkt gegenüber geben werden. Dass Meaney bereits Songs für Walt-Disney-Produktionen wie „Lion King“ und „Toy­ Story 2“ geschrieben hat, lässt der in Seattle beheimatete Tausendsassa nicht heraushängen, denn heute soll es um eine Herzensangelegenheit des Sängers, Produzenten und Designers gehen.

Er ist seit vielen Jahren unterwegs, um mit seiner eigenen Musik zu begeistern, Freude zu bringen und aus dem Leben zu erzählen – entstanden aus seinem Glauben. Und der war es auch, der das Mitglied der Calvary Chapel Los Angeles (siehe Text unten rechts) zum ersten Mal nach Deutschland brachte, wie er erzählt: „Wir sind mit fast 60 Leuten hergekommen, um die Gemeinden hier zu unterstützen und sollten unter anderem in Siegen ein Konzert geben.“ Dazu wurden unter anderem ein Schlagzeuger und ein Bassist gesucht. Der gerade einmal 17-jährige Eckhart Jung fiel Meaney sofort auf: „Er war ein super Drummer, das habe ich gleich gemerkt.“ Und auch Alexander Lauer, der ebenfalls noch recht junge Bassist, sei nicht nur musikalisch sehr reif gewesen. Dass die beiden heute zusammen in Siegen die Popmusikschule „Eigenart“ führen und sich weiter stark in der Calvary Chapel Gemeinde engagieren, verwundert daher nicht. Bis heute arbeiten Jung und Meaney eng zusammen, sind Freunde geworden. Ein bis zwei Mal pro Jahr kommt Tim, so nennen ihn seine Freunde, seit dem ersten Besuch nun nach Deutschland.

Hierzulande faszinieren ihn die Jahrhunderte alten Kirchen, er muss schmunzeln, wenn er darüber erzählt. Denn er kann sich nicht wirklich vorstellen, was die Gründerväter darüber denken würden, wenn er dort musiziert. „Mich hat sogar einmal ein kleines Mädchen ganz erstaunt gefragt, ob wir wirklich Schlagzeug in der Kirche spielen.“ Doch gerade mit Traditionen zu brechen und alte Zöpfe abzuschneiden, sind die Ziele des Sängers und Songwriters.

Neues Album ist das„beste und wichtigste“

Sein neues, inzwischen 15. Album ist gerade erst in der vergangenen Woche erschienen. „Es ist für mich das wichtigste“, sagt Meaney, der plötzlich sehr ernst wird. Denn in den Songs auf „My Peace“ hat er die zahlreichen Schicksalsschläge der letzten Jahre verarbeitet, unter anderem den Tod seines Vaters und anderer geliebter Menschen. „Wenn jemand plötzlich schwer krank wird, beispielsweise Krebs bekommt, beginnt man zu fragen, ob es da tatsächlich einen Gott, einen Himmel und vieles mehr gibt“, erzählt er. Doch sein Glaube habe ihm geholfen, die schweren Zeiten zu überwinden, Meaney will Mut machen und gleichzeitig provozieren – und das mit Hilfe guter Musik. Wie die bei seinen „deutschen Freunden“ ankommen wird, will er während seiner Tour herausfinden. „Das ist sehr aufregend für mich, noch niemand – außer meiner Frau – hat die Songs bisher gehört. Ich sage zwar, dass es die Besten sind, die ich geschrieben habe, aber ich bin schon ein wenig nervös.“ Dass das völlig unbegründet ist, wird sich später in der gut besuchten Obersten Stadtkirche herausstellen, wo die Zuhörer von Anfang gefangen sind und gleichzeitig auf den Bänken mitwippen. Unterstützt wird der Sänger nicht nur von Eckhart Jung, sondern auch von seinem 21-jährigen Sohn Jake Meaney am Bass.

Überall ein herzlicherEmpfang und mehr

Die Wärme und Akzeptanz, die Meaney schon bei seinem ersten Besuch in Siegen, wo er und seine Mitstreiter in der Kälte auf dem Weihnachtsmarkt musiziert und so zahlreiche Besucher in die Kirche gelockt haben, verspüren die Amerikaner auch an diesem Montagabend in Iserlohn. „Wir bekommen überall First-Class-Versorgung, lachen, essen, sprechen.“ Und dabei sei der Glaube zunächst einmal unwichtig. Wichtig ist es ihm, in die Tiefe zu gehen, zu berühren. Und das gelingt ihm – unter anderem auch durch seinen Humor, den er zwischendurch immer wieder zum Ausdruck bringt, wenn er sein begeistertes Publikum anspricht, Anekdoten zum Besten gibt oder seine Bandmitglieder foppt.

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